Freudige Anspannung in der Heide

Dem  freien Himmel über Wittstock soll nun  auch eine freie Heide folgen. Die Bundeswehr will sich komplett  zurückziehen. Archiv
Dem freien Himmel über Wittstock soll nun auch eine freie Heide folgen. Die Bundeswehr will sich komplett zurückziehen. Archiv

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20. April 2010, 08:29 Uhr

Wittstock/Neuruppin | Wie gebannt schaut eine ganze Region heute in Richtung Berlin, wenn Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) am Vormittag seinen großen Auftritt vor dem Verteidigungsausschuss des Bundestags hat. Medienberichten zufolge will der Minister die Auflösung des Bundeswehrstandortes Wittstock und des Truppenübungsplatzes Kyritz-Ruppiner Heide (Bombodrom) bekanntgeben.

Die 17 in Wittstock stationierten Soldaten und die 79 Zivilangestellten seien über die Schließungsplätze schon vor einiger Zeit benachrichtigt worden, hieß es. Wie es mit den Zivilangestellten in Wittstock weitergehen soll, ist noch nicht bekannt. Zusammen mit den Soldaten haben sich sie sich unter anderem um die Pflege und Erhalt des Truppenübungsplatzes gekümmert, auch Munitionsentschärfungen vorgenommen.

Unruhig zeigte sich Wittstocks stellvertretender Bürgermeister Dieter Herm. Er hat von den Plänen zu Guttenbergs nur aus der Zeitung erfahren. "Es wäre schön gewesen, wenn man uns als vom Abzug betroffene Stadt vorab in Kenntnis gesetzt hätte", sagte Herm gegenüber dieser Zeitung. Den ganzen Tag habe er am Telefon versucht, Definitives zu erfahren. Aber Fehlanzeige. "Ich sehe diese mögliche Entscheidung mit einem lachenden und weinenden Auge. Wenn es wirklich so ist, gibt es endlich Planungssicherheit. Ich war auch nie für den Truppenübungsplatz. Dass jedoch 79 Stellen hier möglicherweise ganz wegfallen, würde ich als sehr schmerzhaft empfinden", so Wittstocks Vizebürgermeister weiter.

Auch Landesvater Matthias Platzeck (SPD) kenne die Pläne zu Guttenbergs nur von Hörensagen. "Ich habe Presseberichte gelesen", so Platzeck. Ungelegte Eier wolle er jedoch nicht kommentieren. "Das will ich schon richtig hören." Letzter Sachstand wäre eine schriftliche Anfrage von Innenminister Rainer Speer (SPD) beim Verteidigungsministerium gewesen. Diese sei unbeantwortet geblieben.

Neuruppins Bürgermeister und Vorsitzender der Unternehmerinitiative Pro Heide Jens-Peter Golde (Pro Ruppin) sei bereits einen Schritt weiter. Er habe ein inoffizielles Gespräch mit Bundeswehrvertretern über ihren Rückzug aus der Kyritz-Ruppiner Heide geführt. Nach seinen Informationen soll die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) die Trägerschaft für den Truppenübungsplatz erhalten. Golde kündigte an, dass man als Arbeitsgemeinschaft Kyritz-Ruppiner Heide mit der BIMA unverzüglich ins Gespräch kommen will. "Es geht nur ein einheitliches Bewirtschaftungskonzept. Wir wollen Vorsorge tragen, dass nicht schnell mal sechs Hektar Wald verkauft werden, um Geld einzunehmen", so Golde. Neben Freude verspüre er auch Anspannung, "weil es jetzt ans Eingemachte geht. Wir müssen beweisen, dass wir die Versprechen halten können und das Entwicklungspotenzial der Heide für Tourismus und Wirtschaft abrufen können", betonte Golde. Die Wirtschaftsförderung müsse an dem Tag in Gang gesetzt werden, wenn man Brief und Siegel für das Bombodrom-Aus hat. "Dieser Tag könnte schon heute sei", erklärte Golde. In Sachen Altlastenberäumung sieht Neuruppins Stadtoberhaupt ganz klar die Bundesrepublik Deutschland in der Pflicht. "Daran gibt es gar kein Deuteln, weil in der Heide die Altlasten der Russen liegen und nicht die der Bundeswehr." Die einzig offene Frage sei jetzt, in welchem Umfang der Truppenübungsplatz beräumt wird.

"Es war ein langer Weg. Jetzt scheinen wir amtlich am Ziel zu sein. Das ist so toll", kommentierte Benedikt Schirge von der Bürgerinitiative Freie Heide. Seine Mitstreiterin Barbara Lange vom "Freien Himmel" sieht damit die Ziele ihrer Aktionsgemeinschaft erfüllt. "Wir haben nun den Erfolg vom vergangenen Sommer gesichert." Jetzt gehe es um Konzepte zur zivilen Nutzung. "Dafür muss nicht jeder Quadratmeter beräumt werden. 67 Kilometer Wege sind schon frei." Am 1. Mai soll es in Mirow eine "Seebestattung" für das Bombodrom geben.

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