Freude, aber auch Enttäuschung

Fast 30 000 Euro an Zuschüssen beantragten Wohlfahrtsverbände für dieses Jahr. 10 000 Euro gibt es allerdings nur zu verteilen. Recht unterschiedlich die Reaktionen über das, was die Vereine jetzt tatsächlich von der Stadt bekommen sollen.

von
03. Dezember 2008, 09:08 Uhr

Perleberg | "Statt mit sechs Kolleginnen müssen wir mit vier in der Begegnungsstätte für Migrantinnen auskommen", listet Sonnhilde Gerloff von der Ländlichen Erwachsenenbildung e. V. auf. Die Enttäuschung ist ihr anzumerken. Weniger Geld von der Arge und jetzt auch statt der beantragten 3500 Euro wohl nur 500 Euro. So jedenfalls beschloss es der Hauptausschuss. Als Zuschuss für Betriebs- und Sachkosten im Frauenzentrum, zu dem der Mädchentreff und eben die Begegnungsstätte gehören, wolle man das Geld verwenden. "Was in diesem Jahr allein an Heizkosten auf uns zukommt, das können wir noch gar nicht sagen."

Erst im Sommer ist die Einrichtung von der Mühlenstraße in die Karl-Marx-Straße gezogen, wo sie schon einmal ihr Domizil hatte. Ein entscheidender Grund, warum man auszog, waren die enormen Betriebskosten. Inzwischen wurden die Räume zwar saniert, aber inwieweit auch eine Wärmedämmung vorhanden sei, das wisse man nicht. 400 Euro an Einnahmen durch die Arge habe der Verein monatlich, knapp 300 Euro gehen schon für Betriebskosten drauf. Für Material und dergleichen bleibe da nicht mehr viel.

Von der Hand in den Mund "Man lebt nur von der Hand in den Mund und eine Planung ist auch nicht möglich, denn wir haben bereits Dezember, wo man erfährt, mit welcher Höhe an Zuschüssen man rechnen kann", so Sonnhilde Gerloff.

"Wir freuen uns, dabei zu sein", bringt es Dietrich Döring, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes, auf einen kurzen Nenner. 5000 Euro als Zuschuss für die Betriebs- und Sachkosten der Begegnungsstätte Wiesengrund hatte der Verband beantragt, 1500 Euro werden es sein, wenn die Stadtverordneten dem zustimmen. Döring findet es zumindest gerecht, wenn jeder etwas bekomme. Denn das DRK mache Seniorenarbeit auch für Perleberg . Hinsichtlich der demografischen Entwicklung sollte man aber darüber nachdenken, ob 10 000 Euro noch angepasst seien.

"Die Mittel der Stadt sind nun mal begrenzt", so Wolfgang Schulz, Geschäftsführer des Awo-Kreisverbandes. Aber er macht auch kein Hehl daraus, dass der Zuschuss vorn und hinten nicht reiche. Insofern begrüße er die Anregung im Hauptausschuss, die Richtlinien zu überarbeiten, um letztlich mehr Realität in die Vergabe zu bekommen.

Für mehr Realität in der Vergabe Für die Awo-Begegnungsstätte wird es laut Vorlage statt 4500 Euro nur 1500 Euro geben, für die Awo-Schuldnerberatung werden es 2200 Euro weniger sein und für die Begegnungsstätte in der Krummestraße 300 Euro. Für diese hatte man 3400 Euro beantragt. "Das tut schon weh, denn hier wird im Ehrenamt gearbeitet", betont Schulz. Er vermutet auch eine gewisse Unwissenheit seitens der Verwaltung. "Vielleicht sollte sie einfach mal in die Einrichtungen gehen, um zu sehen, was hier alles gemacht wird."

Fred Poleska, Vorsitzender des Tierschutzvereins Prignitz e. V. schüttelt nur den Kopf. 1000 Euro hatte man beantragt, 100 Euro wurde zugestimmt."Wie man davon die streunenden Katzen in der Stadt und den Ortsteilen kastrieren und vorbeugende Maßnahmen gegen Seuchengefahr treffen soll, ist mir schleierhaft." Zwischen 35 und 40 Euro kostet eine Kastration.

Im vergangenen Jahr habe der Verein über 3000 Euro dafür ausgegeben. "Wir haben keine Einnahmen, leben nur von Spenden. Da sind wir mehr als froh über 200 Euro, wie sie uns MdB Dr. Kirsten Tackmann spendet. Sie verzichtet auf die Diätenerhöhung und stellt das Geld der Gemeinnützigkeit zur Verfügung."

"Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel und doch sind wir froh, dass es was gibt", sagt Mirko Kahr, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit bei der Lebenshilfe Kreisvereinigung e. V. Man wolle das Ganze auch nicht zu pessimistisch sehen. 4100 Euro als Zuschuss für Freizeit-, Therapie- und Bildungsmaßnahmen für Behinderte hatte die Vereinigung beantragt, 1000 Euro lautet der Vorschlag für die Stadtverordnetenversammlung. An dem Projekt werde man natürlich festhalten, in welchem Umfang, darüber müsse man reden. "Wenn ich was will, dann muss ich auch einen eigenen Fahrplan haben. Ohne Geld geht nun mal nichts."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen