"Freiheit ist das Wichtigste"

<fettakgl>Wiebke Schwiering (16), Philipp Markwardt (16) und Sebastian Böhl (17) </fettakgl>aus der Klasse 11/1 des Lütten Kleiner Erasmusgymnasiums haben sich mit   Kunstobjekten bei der besonderen Ausstellung  beteiligt. Sie wurde zum Thema Leben in Demokratie und Diktatur in der Dokumentations- und Gedenkstätte in der ehemaligen Stasi-U-Haft gestaltet.<foto>Georg Scharnweber</foto>
Wiebke Schwiering (16), Philipp Markwardt (16) und Sebastian Böhl (17) aus der Klasse 11/1 des Lütten Kleiner Erasmusgymnasiums haben sich mit Kunstobjekten bei der besonderen Ausstellung beteiligt. Sie wurde zum Thema Leben in Demokratie und Diktatur in der Dokumentations- und Gedenkstätte in der ehemaligen Stasi-U-Haft gestaltet.Georg Scharnweber

svz.de von
03. Oktober 2010, 09:05 Uhr

Stadtmitte | Der Titel geht unter die Haut und weckt bei Gegnern der DDR-Diktatur Erinnerungen an Repressa lien und Bespitzelung: "Feind ist, wer anders denkt". Zum 20. Jubiläum der deutschen Wiedervereinigung haben Mitarbeiter der Dokumentations- und Gedenkstätte (DuG) in der ehemaligen U-Haft Rostock eine Ausstellung mit Schülerarbeiten organisiert. Die Exponate sind das Ergebnis einer künstlerischen Auseinandersetzung mit Diktatur und Demokratie. "Für viele Jugendliche ist das 20. Jubiläum der deutschen Wiedervereinigung nur ein Geschichtsdatum", sagt Dr. Völker Höffer, Leiter der Rostocker Außenstelle des Bundesbeauftragten für Unterlagen der Staatssicherheit (BStU). "Sie wurden in einem Rechtsstaat geboren und genießen alle Möglichkeiten der Demokratie."

Weil vielen dieser Nachwendegeborenen nicht bewusst sein kann, was Demokratie ausmacht und worin die Vorzüge gegenüber der Diktatur bestehen, wurde die Idee dieses Kunstprojektes geboren. Um das Nachdenken über die SED-Diktatur zu befördern, traten Rostocker BStU-Mitarbeiter an Schulen heran. Vier haben sich beteiligt, darunter das Erasmus-Gymnasium in Lütten Klein. Nach einer theoretischen Einführung, der Sichtung von Archivmaterial und einer Führung durch die U-Haft inklusive Dunkelzellen haben die Jugendlichen ihre Eindrücke verarbeitet. "Dabei sind innerlich sehr tiefe Arbeiten entstanden", sagt Mitarbeiterin Brigitte Jenning. Das Thema Dunkelhaft hat die Schüler sichtlich beeindruckt. Viele Arbeiten beschäftigen sich mit diesem - im Doppelsinne - dunklen Kapitel der Vergangenheit. Da wurden Menschen im Dunklen eingesperrt und mit ständigem Lichtanschalten am Schlafen gehindert. Außerdem spiegelt sich das Abhören von Telefonaten und Wohnungen, Bespitzelung, Haft, Leben im engen und oft grauen Mikrokosmos DDR der Wunsch nach mehr Freiheit in Bildern, Montagen und Objekten wieder.

Bei der gestrigen Diskussion am Rande der Ausstellungseröffnung saßen neben Dr. Höffer, die Künstler Ines Diederich und Othmar-Schiffer-Belz die Schüler Helene Timm (15) und Martin Kornejew (17) im Podium. "Freiheit ist das Wichtigste der Demokratie", sagte Helene. Ihrem Fazit stimmten alle Beteiligten zu.

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