Freie Schulwahl stellt Standorte auf die Probe

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19. Januar 2010, 10:08 Uhr

Gadebusch | Das neue Schulgesetz stellt hunderte Schüler im Landkreis Nordwestmecklenburg vor die Wahl. In den nächsten Wochen sollen künftige Fünftklässler entschieden, ob sie an ihrem Schulstandort treu bleiben oder wechseln wollen.

Erstmals gilt mit Beginn des Schuljahres 2010/2011 in MV die freie Wahlmöglichkeit. Dass dadurch Standorte geschwächt werden, ist zwar nicht ausgeschlossen. Kreis-Fachdienstleiterin Kerstin Weiss ist dennoch zuversichtlich. "Unsere Schulen im Landkreis Nordwestmecklenburg sind gut aufgestellt. Ich gehe davon aus, dass sich Eltern im Interesse ihrer Kinder weiterhin für unsere Schulen entscheiden. Denn sie sind wettbewerbsfähig", sagt Weiss.

Von der Wahlmöglichkeit Gebrauch machen können auch künftige Siebtklässler, die an Gymnasien wechseln wollen. Dabei gelten nicht mehr die bis dato relativ starren Schuleinzugsgebiete. Für Schüler aus Mühlen Eichsen oder Rehna könnte also auch das Gymnasium in der Kreisstadt Grevesmühlen interessant werden. Allerdings gilt: Der Landkreis wird die Beförderung zur neuen Wunsch-Schule dann nicht kostenmäßig übernehmen. "Wir stellen zwar den Weg zur örtlichen Schule sicher, aber nicht zum Wunschstandort", stellt Kerstin Weiss klar. Im Klartext: Die Kosten für den Weg zur Wunsch-Schule haben die Eltern zu zahlen.

Bis zum 28. Februar müssen zukünftige Fünftklässler aber auch Siebtklässler, die an ein Gymnasium wechseln wollen, sich für einen Verbleib oder neuen Standort entscheiden. Davon profitieren könnten Schulen in Wismar oder Schwerin, die möglicherweise einen Zuwachs aus Umlandgemeinden erhalten.

Angst vor einem Schülerschwund hat Lützows Schulleiterin Sabine Kurda nicht. Dort wird das Angebot mit dem Beginn des neuen Schuljahres erweitert. Geplant ist dann der offizielle Start der Ganztagsschule mit erweiterten Angeboten für die Klassen 5 und 6. Genau darin sieht der Vorsitzende des Kreiselternrates, Norbert Simon, eine Chance: "Von der Profilierung der Schulen, dem Ausbau der Angebote können unsere Kinder profitieren. Es gibt aber auch eine Kehrseite der Medaille ,Freie Schulwahl." Im schlimmsten Fall könnten wenige Eltern, die ihre Kinder an eine andere Schulen schicken wollen, einen Standort vor Probleme stellen.

Auch Kritiker des neues Schulgesetzes sehen darin eine Gefahr. Plötzlich könnten Eltern dafür sorgen, dass Standorte wegen Schülerabgänge geschlossen werden müssten. Eltern würden dem Ministerium dabei eine unpopuläre Aufgabe abnehmen, so ein Bildungsexperte. Aus Sicht von Bildungsminister Henry Tesch (CDU) nimmt MV mit dem neuen Schulgesetz eine Vorreiterrolle in wichtigen Bereichen des Schulwesens ein. Dies betreffe insbesondere die Stärkung der Eigenverantwortung von Schule, die Stärkung der Erziehungsfunktion von Schule, indem sämtliche Pflichten der Eltern und der Schule klar im Gesetz beschrieben würden.

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