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"Frau Merkel, überprüfen Sie das Zwischenlager Nord"

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erstellt am 16.Mär.2011 | 08:32 Uhr

Schwerin | In einem persönlichen Brief an Angela Merkel und Bundesumweltminister Norbert Röttgen (beide CDU) hat Innenminister Lorenz (CDU) die Bundeskanzlerin dringend aufgefordert, das Zwischenlager Nord in Lubmin ebenso wie die Kernkraftwerke auf Sicherheit zu überprüfen. In den acht Hallen am Greifswalder Bodden stehen derzeit 69 Castoren, davon 65 mit Atommüll aus den früheren ostdeutschen Atomkraftwerken Lubmin und Rheinsberg.

Caffier schreibt an die Kanzlerin: "Eine Lehre aus den Ereignissen in Japan ist, dass das, was wir bisher als unwahrscheinlich angenommen haben, doch eintreten kann. Vor diesem Hintergrund müssen wir im Interesse auch des Schutzes der Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern prüfen, inwieweit die Sicherheitseinrichtungen des Zwischenlagers Nord neuesten Erkenntnissen in Hinblick auf mögliche Schadensereignisse, wie zum Beispiel eine Sturmflut/ Hochwasser, gerecht werden."

Im Gespräch mit unserer Redaktion erläuterte der Innenminister den Hintergrund seines Briefes: "Zu den Kernkraftwerken gehören letztlich auch die Zwischenlager. Das Lager in Lubmin, das die Energiewerke Nord betreiben, ist hundertprozentiges Eigentum des Bundes. Wir haben die Fachaufsicht. Aber der Träger ist der Bund. Also ist der Bund hier gefragt." Caffier schreibt an Merkel: " Im Rahmen der nun zu erstellenden Risikoanalyse für die Kernkraftwerke in Deutschland bitte ich Sie daher, das Zwischenlager Nord ebenfalls einer neuen Risikoanalyse zu unterziehen."

Zugleich fordert der Innenminister: "Die Debatte um ein Endlager in Deutschland muss jetzt beschleunigt werden. Was nützen alle Ausstiegsszenarien und die Abschaltung von Akws, wenn wir nicht wissen, wohin mit den Brennstäben und dem Atommüll?"

Eine Energiewende sei unverzichtbar. Doch müsse, wer den sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft wolle, auch sagen, wie die Lücken in der Energieversorgung geschlossen werden sollen. Caffier im Gespräch mit unserer Redaktion wörtlich: "Es wäre verlogen abzuschalten, aber den Atomstrom aus Frankreich zu beziehen. "

Die Energiewerke Nord sehen einem Sicherheitstest gelassen entgegen, so ein Sprecher. Das Lager sei bereits vor mehreren Jahren auf Szenarien wie Flugzeugabstürze überprüft worden. Aus Kreisen des Bundesumweltministeriums hieß es gestern, es sei bislang keine Risikoanalyse in Lubmin geplant.

Grünen-Sprecher Jürgen Suhr, kritisierte, dass in Lubmin Castoren mit Atommüll in einer "Leichtbauhalle" untergebracht seien. Vor einer Woche war an einer Kranstütze ein 50 mal 50 Zentimeter großer Betonplacken abgebröckelt. Eine zeitliche Ausweitung der Zwischenlagerung müsse verhindert werden. Caffier hat ein Gutachten dazu in Auftrag gegeben, dessen Resultate am 28. März erwartet werden. Intern gilt der Innenminister als Gegner der Entfristung der Zwischenlagerung.

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