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Lokales

26. September 2017 | 20:21 Uhr

Fragen nach der Beißattacke eines Kampfhundes

vom

svz.de von
erstellt am 11.Okt.2010 | 07:28 Uhr

Schwerin | Beißattacken von Hunden, wie in Brüel, passieren immer wieder. Unsere Redaktion fragte deshalb bei Experten nach:

Was sind Kampfhunde?

Laut der Hundehalterverordnung Mecklenburg Vorpommern (HundeHVO MV) gehören Hunde als gefährlich, "bei denen von einer (...) über das natürliche Maß hinausgehenden Kampfbereitschaft, Angriffslust und Schärfe (...) auszugehen ist". Ebenfalls als gefährlich gelten Hunde, die bissig sind und "die wiederholt Menschen gefährdet haben, ohne selbst angegriffen oder provoziert worden zu sein".

Zu den Kampfhunden zählen laut der Verordnung die vier Rassen "American Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bull Terrier und Bull Terrier sowie Kreuzungen. "Diese bullartigen Terrier verfügen aufgrund ihres Körperbaues über eine deutlich höhere Beißkraft als zum Beispiel ein Golden Retriever", erklärt Grit Zander, Amtstierärztin vom Landkreis Parchim.

Gibt es Auflagen für Kampfhunde?

"Für die unter Kampfhundrassen besteht ein Zuchtverbot und die Verpflichtung, solche Tiere außerhalb von umfriedeten Gelände mit Maulkorb und Leine zu führen - es sei denn, der Hund hat einen Wesenstest bestanden", sagt Grit Zander. Zum Halten und Führen solcher Hunde benötige man einen ,Hundeführerschein. "Alle Regeln beziehen sich auf die persönlichen Voraussetzungen eines Hundehalters, wie Sachkunde und Zuverlässigkeit, und das Führen der Hunde in der Öffentlichkeit."

Weitere Einschränkungen stehen in der Hundehalterverordnung.

Gilt das für jeden Kampfhund?

Nein. Der Status "Kampfhund" ist laut der Hundeverordnung widerlegbar und zwar durch eine Wesenstest. So heißt es im §2 (3): "Der Hundehalter kann (...) durch eine Bescheinigung des Amts- oder eines (...) Tierarztes, nachweisen, dass der von ihm gehaltene Hund keine gesteigerte Kampfesbereitschaft, Angriffslust oder Schärfe (...) aufweist."

Wie gehen Behörden nach einer Beißattacke vor?

Die zuständigen Stellen rekonstruieren jeden Vorfall nach. "Dabei ist zu klären, ob der Biss motiviert war, zum Beispiel als Schmerzreaktion, oder unmotiviert erfolgte", erklärte Grit Zander mit. Es spiele auch eine Rolle, ob es bereits in der Vergangenheit Vorfälle gab. "Unter Berücksichtigung aller Faktoren kann die Palette der Maßnahmen von keinem behördlichen Einschreiten über Fortnahme und anderweitige Unterbringung bis hin zur Anordnung der Tötung des Tieres reichen", sagte sie. Dabei sei es egal, ob es sich bei dem Tier um einen Kampfhund gehandelt habe oder nicht, betont die Pressestelle des Parchimer Landkreises und fügt hinzu: "Bleiben Zweifel am Hergang des Vorfalls, wird eine Wesensprüfung durchgeführt."

Wie konnte es zu deM Vorafll in Brüel kommen?

"Bisher liegen dem Kreis keine Informationen über die Abläufe vor. Es könnte es sich aber um einen motivierten Biss handeln, da der Junge den Hund füttern wollte", sagte Grit Zander. "Futter ist für einen Hund ein wichtiges Gut, das gegen andere verteidigt wird. Eine der wichtigsten Unterordnungsübungen bei der Hundehaltung ist daher, dass die Familienmitglieder dem Hund das Futter ohne Abwehr fortnehmen können und er so der letzte in der Rangfolge ist. Das ist eine Regel, deren sich viele Hundehalter, gleich welcher Rasse, nicht genügend bewusst sind. Die Mehrzahl der Fälle, in denen der Halter vom eigenen Hund gebissen wird, passieren beim Füttern", sagt die Veterinärin.

Können Kinder unbeaufsichtigt mit Hunden bleiben?

"Kinder unter zwölf Jahren sollten nicht mit Hunden alleine bleiben", sagt Andrea Rubbey, Vorsitzende des Hundsportverein Waren-Kamerun. "Kinder können die Körpersprache des Tieres noch nicht richtig einschätzen." Außerdem gelte immer: "Ein Hund, egal welcher Rasse, ist kein Spielzeug", sagt sie.

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