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Forschungsschiff wird in den Ruhestand verabschiedet

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Warnemünde | Deutschlands dienstältestes Forschungsschiff, die "Professor Albrecht Penck" mit Heimathafen Rostock, wird am Sonnabend am Warnemünder Passagierkai würdig außer Dienst gestellt. Doch was wird aus dem Schiff, das vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) betrieben wird? Gerade ist es von seiner letzten großen Forschungsfahrt zum Gotlandbecken und zur Mündung des Angermanälven in der Bottensee mit Wissenschaftlern aus Deutschland, Finnland, Schweden und Dänemark zurückgekehrt . "Unser Wunsch ist es, dass das betagte Schiff nach Stralsund geht. Spätestens Ende August, denn wir sind ab 1. September nicht mehr für den Logger zuständig", sagt Dagmar Amm, Mitarbeiterin am IOW.

Ein Konzept sieht vor, die "Professor Albrecht Penck" zum Kleinen Dänholm zu verholen, wo sich seit 1999 das Nautineum, ein Ausstellungszentrum für Fischerei, Meeresforschung, Gewässerkunde und Seewasserstraßen, befindet. Dort könnten Kinder und Jugendliche die gut ausgerüsteten Nass-, Chemie-, Bio- und Computerlabore an Bord für spannende und interessante Experimente sinnvoll nutzen. Doch noch ist die letzte Entscheidung in Schwerin nicht gefallen. Wie Henry Tesch (CDU), MV-Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur, gestern sagte, werden die Möglichkeiten für eine Nachnutzung noch geprüft. Sympathien hege er zwar für den Entwurf des Stralsunder Nutzungskonzepts, doch die Finanzierbarkeit des Projekts stehe noch nicht. Allerdings habe es bereits erste erfolgreiche Gespräche mit möglichen Sponsoren gegeben. Da die Kosten für Liegeplatzgebühr und Bewachung in Rostock dem Land als Besitzer teuer werden könnten, wird das Schiff nach der Feier am Sonnabend durch die Reederei Briese nach Stralsund überführt. Noch bleibt die Zukunft des ehemaligen Loggers ungewiss. Trotzdem soll es am Sonnabend feierlich werden. Beim Fest zur Außerdienststellung sind Interessenten willkommen.

Besucher haben die Möglichkeit, sich beim Open Ship zwischen 10 und 16 Uhr an Bord des Oldtimers umzuschauen, sich einen lebendigen Eindruck vom Forscheralltag auf See zu verschaffen, ein Stück Schifffahrtsgeschichte zu erleben. Mitarbeiter des IOW erläutern auf Wunsch die an Bord befindlichen Labore und Geräte, die im Dienst der Meeresforschung genutzt worden sind. Zur Verabschiedung werden auch viele ehemalige Fahrensleute erwartet, die die "Penck" über die Meere gesteuert haben, sowie einstige wissenschaftliche Mitarbeiter, die mittlerweile im Ruhestand sind. Die "Professor Albrecht Penck" hat eine bewegte Geschichte. Als sie im Juni 1951 in Rosslau vom Stapel lief, war an eine Zukunft als Forschungsschiff nicht zu denken. Vielmehr gehörte sie zu einer Serie von Loggern, die als Reparationsleistung für die Sowjetunion gedacht waren. Doch das Schiff konnte in der DDR bleiben. Ausgerüstet auf der Peene-Werft in Wolgast und getauft auf den Namen "Joh. L. Krueger" wurde es das erste Forschungsschiff des Seehydrografischen Dienstes der DDR.

Das Schiff, das zehn Besatzungsmitgliedern und neun Wissenschaftlern Platz geboten hat, stand 59 Jahre lang im Dienste der Wissenschaft und legte insgesamt mehr als 500 000 Seemeilen zurück.

Bereits auf der ersten Messfahrt wurde von der "Krueger" aus ein großer Salzwassereinbruch von der Nordsee in die Ostsee dokumentiert. Dieses Phänomen ist überlebenswichtig für das Ökosystem Ostsee und wird bis heute vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung untersucht. Seinen neuen Namen erhielt das Schiff 1963, als es bereits im Dienst der Wissenschaft unterwegs war. Die längsten und spektakulärsten Reisen führten an die Eiskante von Spitzbergen und in den Golf von Guinea.

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erstellt am 17.Aug.2010 | 07:24 Uhr

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