Forellen badeten in Milchwasser

In der Forellenzuchtanlage der Müritz-Plau Fischerei GmbH in Wilsen mit Ulrich Paetsch von der Geschäftsleitung, Karl-Heinz Prahl von der Wasserschutzpolizei und Frank Kosla. Foto: M.-G. Bölsche
In der Forellenzuchtanlage der Müritz-Plau Fischerei GmbH in Wilsen mit Ulrich Paetsch von der Geschäftsleitung, Karl-Heinz Prahl von der Wasserschutzpolizei und Frank Kosla. Foto: M.-G. Bölsche

Ein Lkw-Tanklastfahrer hat Anfang November durch illegales Ablassen von Milch eine Gewässerverunreinigung verursacht. Durch akribische Ermittlungsarbeit kam die Polizei dem Sünder auf die Spur.

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19. Dezember 2008, 08:05 Uhr

Plau am See/Wilsen | Es ist der 5. November, als Frank Kosla in der Forellenzuchtanlage der Müritz-Plau Fischerei GmbH in Wilsen gegen 18.30 Uhr noch einmal die Anlage besichtigt. Doch dort, wo sich bis zu 40 000 Saiblinge im klaren Wasser tummeln, sind Schaumkronen auf dem Wasser und die Sichttiefe im Wasser ist gleich null. Bei der Überprüfung stellt er fest, dass die Sauerstoffqualität im Keller ist. 4,8 Milligramm pro Liter Wasser werden durch den Computer gemessen. Damit ist die maximale Grenze von fünf Milligramm unterschritten. "Normal wäre etwa sieben bis acht Milligramm", sagt Ulrich Paetsch von der Geschäftsleitung. Die Computergestützte Anlage hat bereits Sauerstoff hinzugeführt, so dass gegen 23.35 Uhr der Wert von 5,1 Milligramm erreicht wird. Umgehend wird die Polizei informiert, da der Verdacht von illegaler Verschmutzung geäußert wird. Auch der nahe Gehlsbach - ein unter Schutz stehendes Gewässer - ist sehr trübe. Und dieser Bach, in dem sich wildlebende Forellen und Bachneunaugen tummeln, speist die Becken der Zuchtanlage.

Die Beamten des Plauer Reviers nehmen den Sachverhalt auf und leiten ihn am nächsten Tag zuständigkeitshalber an die Wasserschutzpolizei weiter. Nun beginnt eine akribische Ermittlungsarbeit, die letztlich zur Feststellung des Verursachers führt. Zuerst werden die Unterlagen des Wasser- und Bodenverbandes Dobbertin für diesen Bereich gesichtet. "So stellen wir fest, welche Kanalisationen oder Drainagerohre zum Bach führen", sagt Karl-Heinz Prahl von der Wasserschutzpolizei Plau. Dann werden die landwirtschaftlichen Betriebe aufgesucht, die Milch produzieren. "Die Schaumkronen weisen auf einen erhöhten Eiweißanteil hin, daher vermuten wir, dass es sich um Milch handeln könnte", sagt Prahl. Jetzt werden die Lieferscheine verglichen, vielleicht finden sich da Ungereimtheiten zwischen der geladenen Milchmenge und der Abgabe in der Molkerei. Bei den vielen Besuchen in den Orten zwischen Viet lübbe und Karbow erfahren die Beamten von einem Vorfall, der die Ursache sein könnte. "In einer Baustelle bei Retzow soll sich ein Milchtanklastfahrer festgefahren haben. "Ob der in Frage kommt?", fragen sich die Beamten. In der Tat, beim Vergleich der Papiere des im Müritzkreis beheimateten Unternehmens wird eine Differenz zwischen Lade- und Abgabemenge festgestellt. "25 621 Liter wurden geladen, aber nur rund 12 000 Liter bei der Molkerei abgeliefert", lautet das Ergebnis. 13 500 Liter wurden vor Ort nahe Retzow illegal abgelassen, um den im Seitenstreifen versackten Milchlaster wieder flott zu bekommen. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft die Akten und es droht eine saftige Geld- oder Haftstrafe.

"Wir behalten uns auch noch zivilrechtliche Ansprüche vor, da auch Spätfolgen nicht auszuschließen sind", sagt Paetsch und verweist darauf, dass die jungen Tiere den Sauerstoffmangel eventuell nicht verkraften können.

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