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Lokales

20. Oktober 2017 | 05:41 Uhr

Förderschüler schlecht versorgt

vom

svz.de von
erstellt am 21.Sep.2010 | 07:22 Uhr

Schwerin | Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) hat "dramatische Zustände" an Förderschulen beklagt, was die Versorgung von Kindern mit Frühstück und Mittagessen angeht. Das sei ihr von Tafel-Betreibern und Schulleitern berichtet worden, sagte Schwesig gestern in Schwerin. Sie erneuerte ihre Forderung nach einem kostenfreien Mittagessen. An vielen Förderschulen würden Lehrer versuchen, wenigstens ein Frühstück anzubieten. Schwesig forderte die Bundesregierung angesichts der bevorstehenden Entscheidung zur Neuberechnung der Hartz IV-Regelsätze für Kinder auf, "nicht weiter Steuergeschenke an diejenigen zu verteilen, die es nicht brauchen". Geschenke an Banken könne sich die Bundesrepublik nicht leisten.

Jeder dritte Haushalt in MV verfügt über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens in Deutschland und gilt daher als arm. Betroffen sind davon auch 71 000 Kinder. 50 432 leben von Hartz IV, geht aus dem "Bericht zur Lebenssituation von Haushalten mit Kindern in Mecklenburg-Vorpommern" hervor. Damit ist das Armutsrisiko im Nordosten doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt und deutschlandweit am größten.

"Materielle Armut von Eltern ist eine Ursache für Kinderarmut", so Schwesig, "wenn Eltern selbst perspektivlos sind, dann wirkt sich das auf die Kinder aus." Es komme zu einem Kreislauf der Bildungsarmut, den der Staat durchbrechen müsse. Die stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende forderte von der Bundesregierung "flächendeckende kostenlose Versorgung mit Ganztags-Kitas, Musikschul- und Sportangeboten." Schwesig sprach allein für MV von 100 Millionen Euro, die für warmes Mittagessen und zusätzliche kostenfreie Bildungsangebote in Kita und Grundschulen notwendig wären. Der Kita-Etat im Land wurde erst jüngst von 109 auf 131 Millionen Euro erhöht.

Carsten Spieß Geschäftsführer des Landesverbandes des Kinderschutzbundes MV kritisierte, dass angesichts der wachsende Seniorengeneration "Kinder in den Hintergrund geraten, weil sie und ihre Eltern nicht mehr die wichtigste Wählergruppe stellen".

Nach Angaben der Linksfraktion im Landtag leben Kinder in Hartz-IV-Familien mit vielen Einschränkungen. Sie erhielten kein Kindergeld; Geldgeschenke oder der Verdienst aus Ferienjobs werde angerechnet. Die Möglichkeiten, an Klassenfahrten teilzunehmen oder in einem Sport- oder Jugendverband aktiv zu sein, seien eingeschränkt. "Sie werden quasi durch den Staat ausgegrenzt", kritisierte die kinder- und jugendpolitische Sprecherin der Fraktion, Marianne Linke.

Der sozialpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Matthias Mantei, lobte indes die Neuberechnung der Hartz-IV-Regelsätze im Bundesarbeitsministerium. "Ob unsere Gesellschaft solidarisch ist, wird sich mehr und mehr daran entscheiden, wie wir Kindern gleiche Chancen für die Bildungskarriere ermöglichen", erklärte er. Deshalb seien sich alle einig, dass Kinder und Jugendliche aus Hartz-IV- Familien künftig Zuschüsse für Lernförderung, Schulmaterial, Klassenfahrten, Mittagessen und Freizeitaktivitäten erhalten sollen.

Greifswalder Schüler haben 1000 Postkarten gegen Kinderarmut an die Bundesregierung geschrieben, die sie gestern der Sozialministerin übergaben. Sie tragen die Aufschrift "Armutsschere". Dabei handelt es sich um eine Kampagne des Kinderschutzbundes.

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