Förderschüler bleiben außen vor

Annette Hampel fragt sich, warum Schüler, die die Förderschule beendet haben, keine Absolventen sind.
Annette Hampel fragt sich, warum Schüler, die die Förderschule beendet haben, keine Absolventen sind.

Noch immer tauchen die Schulabgänger der Förderschule in Bützow in der Statistik als Schulabbrecher auf - trotz anerkannten Abschlusses. Auf der jüngsten Kultusministerkonferenz sollte das Thema behandelt werden, schaffte es jedoch noch nicht einmal auf die Tagesordnung.

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16. Juli 2009, 11:58 Uhr

Bützow | Am Dienstag füllte Annette Hampel, Schulleiterin der Förderschule Bützow, einen Rückmeldebogen für das Schulamt aus und stellte fest, dass Förderschüler per Definition weder Absolvent noch Schulabgänger sind. Das ist nichts Neues, doch eigentlich sollte diese Frage auf der Kultusministerkonferenz im Juni thematisiert werden.

Freitag gibt es an allen Schulen Zeugnisse. Auch an der Förderschule Bützow erhalten 19 Jungen und Mädchen ihre Zeugnisse. "Zum ersten Mal haben es alle bis hierher geschafft", sagt Annette Hampel. Ein Novum, solange sie sich erinnern kann. Doch was sind die Schüler nun wirklich? Hampel: "Die Definitionen Absolvent und Abgänger gibt es für Förderschüler nicht." In der Statistik gelten sie als Schulabbrecher - trotz Abschlusszeugnisses. Die Schulleiterin und ihre Kollegen können nicht verstehen, weshalb diese Jugendlichen nicht als Absolventen aufgeführt werden, obwohl sie die Kriterien erfüllen.

Bildungsminister Henry Tesch (CDU) versprach Anfang des Jahres das Thema auf der Konferenz der Kultusminister aller Länder im Juni anzusprechen. Doch bei der Absichtsbekundung blieb es. Das Land setzte es nicht auf die Tagesordnung. Das bestätigte Sylvia Schill, Pressesprecherin der Ständigen Konferenz der Kultusminister.

Das Thema um die Förderschulabschlüsse sei für die Kultusministerkonferenz im Juni gar nicht vorgesehen gewesen, erklärte Johanna Hermann vom Schweriner Bildungsministerium. Sie räumte ein Versehen ein, betonte aber, "dass es nicht vergessen ist".

Annette Hampel bedauert das und sagt: "Man muss aufpassen, dass die Förderung benachteiligter Kinder nicht hinten runter fällt." Sie hofft, dass sich dahingehend einiges ändern wird. Denn, dass die 19 Schüler es bis zu einem Abschluss geschafft haben, sollte anerkannt werden - auch statistisch. Die Pädagogin ist jedenfalls stolz auf ihre Schulabgänger und Absolventen.

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