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Lokales

22. August 2017 | 09:22 Uhr

Flugpionier mit Startschwierigkeiten

vom

Plau am See | "Die Konstruktion dieser Flugmaschine in Plau am See hat in der Stadt so einiges bewirkt", weiß Dieter Ehrke vom Plauer Heimatverein zu berichten und hält ein Modell des Wasserflugzeuges in den Händen. "Die Tatsache, dass August von Parseval hier von 1909 bis 1910 sein Wasserflugzeug - übrigens das erste überhaupt in Deutschland - gebaut hat, hat auch den Tourismus der Stadt angetrieben."

Mit der Konstruktion des Wasserflugzeuges legte Parseval vor 100 Jahren in Plau den Grundstein für die Errichtung neuer Infrastrukturen, um des großen Besucherstromes Herr zu werden, den dieses Ereignis anlockte. So entstand seinerzeit die Plötzenhöhe, ebenso wurde die Strandpromenade gebaut. "Dabei wollte Parseval eigentlich in aller Ruhe arbeiten, doch es zog viele Zuschauer nach Plau, die von seinen Plänen gehört hatten. So kam es auch, dass ein findiger Gastronom sich mit seinem Restaurant direkt neben der Konstruktionshalle ansiedelte und die Zuschauer dort bewirtete", erzählt Ehrke. Die Hotels hätten schon zum Teil bestanden, aber die Wege dorthin seien schlecht gewesen und wurden daraufhin ausgebaut. "Um Parseval herum hat sich in Plau am See touristisch einiges entwickelt", sind sich die Mitglieder des Heimatvereins sicher.

Deshalb haben sie sich auch dieses besonderen Themas angenommen: "Ich hörte damals von einer Lesung über Wasserflugzeuge in Plau, diese besuchte ich und fand das Thema interessant", erzählt Dieter Froh, Mitglied des Heimatvereins. Im Rahmen eines Treffens des Heimatvereins kam das Gespräch auf die Lesung. "Wir stellten fest, dass das 100-jährige Jubiläum nun ansteht. Also haben wir uns näher mit dem Ingenieur und seinem Flugzeug befasst."

1909 ließ August von Parseval in Plau am See die Flugstation und sein "Amphibien-Flugboot" bauen, die ersten Flugversuche startete der Ingenieur bereits im Jahr 1910. "Der Wasserflug hat damals in Plau viele Dinge angeschoben: Die Stadt hat Herrn von Parseval ein Gelände zur Verfügung gestellt - Am Zuruf - da ist jetzt der Campingplatz", so Ehrke. Dort hat der Pionier des Wasserflugzeuges angefangen, seinen "Apparat" zu bauen. In den Jahren 1909 und 1910 unternahm der Ingenieur immer wieder Versuche zu fliegen. Nachdem die Flugversuche auf dem Wasser regelmäßig fehlschlugen, konstruierte August von Parseval ein Anlaufgleis und einen Startwagen und so gelang ihm am 7. Oktober 1910 endlich der erste Flug.

Daraufhin beschloss Parseval, sich nach den Experimenten in Plau einem anderen Gebiet zuzuwenden, dem Prallluftschiff. Für die Entwicklung der Wasserflugzeuge blieb er ein Vorreiter, an den Kollegen anzuknüpfen wussten. Parseval habe den Grundstein für das Fliegen gelegt, erzählt Dieter Froh. "Bereits 1912 gab es den ersten Wettbewerb für Wasserflugzeuge in Heiligendamm und 1929 den ersten Transatlantikflug. So schnell ging die Entwicklung voran - und das alles auf der Basis von Parsevals Testläufen in Plau."

Am 9. Oktober veranstaltet der Plauer Heimatverein nun eine große Abschlussveranstaltung zu diesem besonderen Jubiläum: Ein deutschlandweites Kolloquium zum Thema "100 Jahre Wasserflug in Plau am See" ist geplant. Bei dieser Fachtagung im Seehotel werden Experten über Themen rund um das Wasserflugzeug und seinen Erbauer August von Parseval sprechen. "Wir haben für das Burgmuseum in Plau am See zwei Modellflugzeuge bauen lassen. Und im Laufe des vergangenen Jahres gab es schon einige Veranstaltungen mit Referenten zum Thema Wasserflug. Außerdem haben wir am Campingplatz, wo die Teststrecke für Parsevals Flugversuche war, Infotafeln aufgestellt," so Ehrke. "Denn Parsevals Wasserflugzeug war ein wichtiger Bestandteil der Plauer Stadtgeschichte des vergangenen Jahrhunderts." Auf dem Wasser hätte das Flugzeug zwar nicht starten können, aber immerhin sei Parseval dann doch noch bis nach Twietfort geflogen, versichert Dieter Ehrke.

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erstellt am 13.Sep.2010 | 07:09 Uhr

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