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Lokales

18. November 2017 | 15:13 Uhr

Flughafenausbau wird zum Politikum

vom

svz.de von
erstellt am 18.Okt.2010 | 06:56 Uhr

Nordwestmecklenburg | Einwohner von Nordwestmecklenburg setzen sich für ein uneingeschränktes Nachtflugverbot des Flughafens Lübeck-Blankensee ein. In einem offenen Brief fordern u. a. die SPD und die Wählergemeinschaft "Bürger für Lüdersdorf" (BfL) Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) und die Fraktionen der Bürgerschaft auf, einen entsprechenden Beschluss zu fassen.

"In der Zeit von 22 bis 6 Uhr soll kein Flugzeug in Lübeck starten und landen dürfen", sagt Bernhard Strutz, Fraktionsvorsitzender der Bürger für Lüdersdorf (BfL). Zurzeit gibt es nachts keine Einschränkungen. Bislang starten und landen allerdings nach Angaben von Bernhard Strutz aber auch nur 25 bis 30 Flugzeuge pro Woche. Wenn der Flughafen ausgebaut wird, geht er davon aus, dass alle 15 Minuten ein Flugzeug startet oder landet. "Im Planfeststellungsverfahren gehen Experten pro Jahr von bis zu 3,15 Millionen Passagieren aus", so Strutz.

Landrätin Birgit Hesse hat Verständnis für die Einwohner von Lüdersdorf und umliegenden Orten. "Die Ängste sind nachvollziehbar." Sie sagt aber auch: "Es gilt, beide Interessen abzuwägen. Die der Flughafengegner und die der Befürworter." Letztendlich gehe es auch um Arbeitsplätze. Der Fraktionsvorsitzende der SPD im Kreistag, Christian Albeck, kann die Bedenken von Bernhard Strutz und anderen Einwohner der Gemeinde zwar verstehen. Er spricht sich dennoch gegen ein Nachtflugverbot aus. "Ich finde den Flughafen für den Kreis wichtig. Touristen und Geschäftsleute nutzen ihn und kommen so in den Landkreis. Als Wirtschaftsstandort kann so ein Flughafen von Vorteil sein. Erst recht, wenn auch nachts geflogen werden darf", so Albeck.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Hans-Heinrich Uhlmann, hält nicht viel von "pauschalen Aufrufen" wie den offenen Brief der BfL und der SPD. "Die kommen zwar immer ganz gut rüber, es gibt aber Gesetze. Wenn die Belästigungen zu groß sind, wird anhand der Gesetze entschieden. Und dann wird es auch ein Nachtflugverbot geben", sagt Uhlmann. Er appelliert an alle Parteien in Lübeck und Nordwestmecklenburg, transparent miteinander umzugehen und die Probleme zu diskutieren.

Die Mehrheit der Lübecker Einwohner hatte per Bürgerentscheid entschieden, den Flughafen auszubauen. Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, um die Start- und Landebahn zu verlängern. Gleichzeitig ist damit eine Forderung der Fluggesellschaft Ryanair erfüllt. "Sie kann durch den Ausbau eine Basis in Lübeck schaffen und dort so mehrere Flugzeuge stationieren", so Strutz. Er befürchtet, dass das einen regen Nachtflugbetrieb bis 24 Uhr und mit Verspätungen sogar bis 1 Uhr nachts nach sich ziehen könnte: "Die Flugfrequenz gegenüber der jetzigen Situation wird deutlich steigen und eine Nachtruhe dann bestenfalls vier bis fünf Stunden betragen."

In dem Brief der BfL und der SPD an die Stadt Lübeck heißt es: "Bei allem Verständnis ihrer Ausbauwünsche und der wirtschaftlichen Aspekte, die sie sich versprechen, kann dieser Flughafenausbau nicht zu Lasten der Gesundheit der Bevölkerung durchgeführt werden."

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