Flüssig sein auf dem Lande

Wie viel der Bankkunde an fremden Geldautomaten zahlt, sieht er  erst später auf seinem Kontoauszug. Archiv
Wie viel der Bankkunde an fremden Geldautomaten zahlt, sieht er erst später auf seinem Kontoauszug. Archiv

von
23. Februar 2010, 09:41 Uhr

Hagenow/ Schwerin | Wer auf dem Land wohnt und Bargeld vom EC-Automaten holen will, hat in der Griesen Gegend keine große Auswahl bei der Wahl seiner Bank. Geldautomaten sind dünn gesät und nicht jede Bank hat solche Einrichtungen auf dem Land. Wer Geldgeschäfte erledigen und flüssig sein will, kommt an Raiffeisenbank und Sparkasse offenbar nicht vorbei.

Die Sparkasse Mecklenburg-Schwerin steht an der Spitze, in ihrem Geschäftsgebiet stehen allein 52 Geldautomaten zur Verfügung. "Wir sind mit dem dichten Geldautomatennetz flächendeckend präsent", sagt Jürgen Mohrdieck, Regionaldirektor für den Landkreis Ludwigslust. "So können unsere Kunden an den zahlreichen Standorten kostenlos Geld abheben und sparen nachweislich Gebühren für Fremdabhebungen."

Diese Gebühren, die der Kunde beim Geld abheben an Automaten fremder Kreditinstitute zahlt, haben einige Banken kürzlich erhöht. Manche laut "Stern" auf bis zu 20 Euro pro Abhebevorgang.

Dabei legt nicht die Fremdbank die Gebühr fest, sondern die eigene. Sparkassenkunden müssen eine Erhöhung laut Mohrdieck aber nicht befürchten. Im letzten Halbjahr sei die Gebühr unverändert geblieben. Mohrdieck spricht von einer "Beteiligung in Höhe bis maximal sieben Euro an den von der Fremdbank belasteten Kosten." Die Erträge aus Fremdabhebungen seien ohnehin gering - dank des dichten Automatennetzes. Die Raiffeisenbank hat allein vier Automaten in Hagenow. "Die Gebühr ist bei uns seit Jahren gleich und wir wollen da auch nichts dran ändern", sagt Kundenberater Matthias Schmidt. Sie betrage ein Prozent vom Abhebebetrag, höchstens aber fünf Euro.

Gebührenerhöhung hin oder her - "Aber das hat mit dem Aufwand nichts mehr zu tun", sagt Axel Drückler von der Neuen Verbraucherzentrale Schwerin. Einmal Geld abheben koste im Durchschnitt 62 Cent, "das ist völlig aus der Welt. Selbst bei einem Euro Gebühr würde die Bank noch daran verdienen."

Drückler redet von "unklaren Verhältnissen. Wir wollen erreichen, dass es transparenter gemacht wird, das ist das Mindeste. Aber natürlich wollen wir auch, dass die Gebühren geringer werden." Auf die Frage, ob sich eigene Bank und Fremdbank die Gebühr teilen und wenn ja zu welchem Verhältnis, antwortet Regionaldirektor Mohrdieck auf schriftliche SVZ-Anfrage ausweichend. "Unsere Kunden werden nur anteilig mit den uns in Rechnung gestellten Preisen beteiligt." Verbraucherschützer Axel Drückler: "Die vertraglichen Beziehungen zwischen den Banken sind sehr undurchsichtig und werden nicht wirklich offen gelegt." Dafür gäbe es auch nirgends eine Klausel.

Wie viel der Bankkunde an fremden Geldautomaten zahlt, sieht er erst auf seinem Kontoauszug. Es sei denn, er hat das Preis- und Leistungsverzeichnis seiner kontoführenden Bank gelesen. "Das finden wir rechtlich sehr schwierig", sagt Drückler. Er stellt diese Art von Gebühren insgesamt in Frage. "Was der Verbraucher zahlt, ist nichts anderes als ein Strafentgelt, der Kunde solle spüren, dass es ein Nachteil ist, wenn er nicht bei der eigenen Bank abhebt."

Die Höhe der Gebühr ist sehr unterschiedlich, weil die Kreditinstitute juristisch selbstständig ist. "Überall gibt es EU-Angleichung bei den Banken und hier innerhalb eines Landes so große Preisunterschiede", so Drückler.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen