Flotte Lotte im Bauernhaus

<strong>Bauernhof heute: </strong>Heute ist der Bauernhof der Hufe I im Freilichtmuseum Schwerin-Mueß ein Ort für vielfältige Veranstaltungen dicht an der Regional- und Heimatgeschichte. <fotos>Museum</fotos>
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Bauernhof heute: Heute ist der Bauernhof der Hufe I im Freilichtmuseum Schwerin-Mueß ein Ort für vielfältige Veranstaltungen dicht an der Regional- und Heimatgeschichte. Museum

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30. Juli 2010, 07:04 Uhr

Schwerin | Das Staunen will kein Ende nehmen. Da entdeckt der ältere Besucher aus Bayern unter den historischen Kartoffelsorten im Schullehrergarten des Mueßer Freilichtmuseums nahe Schwerin doch tatsächlich jene, die seine Mutter einst im heimischen Garten anbaute: das "Bamberger Hörnle". Wiedererkennungfreude auch in der aktuellen Sonderausstellung im Kunstkaten "Hier wird angekurbelt". Von einfachen Haushaltsgeräten wie der Flotten Lotte bis zu den kuriosesten Erfindungen wie dem Kurbel-Massagegerät wurde aus den Magazinen hervorgezaubert, was einst das Alltagsleben erleichtern und verschönern sollte. Wie das Butterfass, das Kinder ausprobieren können. Und dann sind da die Seidenraupen, die Museumsmitarbeiter Volker Janke fast liebevoll auf seinem Schreibtisch über den Winter gebracht hat. Während die einen noch unentwegt Maulbeerblätter fressen, spinnen die anderen schon feine Seidenkokons.

Was der Besucher heute auf historischem Gelände des alten Mueßer Dorfkerns erlebt, ist in 40 Jahren Stück für Stück gewachsen. 1965 wurde der Grundstein mit dem Ankauf des ersten Gebäudes gelegt. Nach mehrjähriger Sanierung wurde am 28. Juli 1970 der Bauernhof auf Hufe I mit Hallenhaus und Scheune der Öffentlichkeit als Museumshof übergeben. Weit über 300 Jahre alt und selbst ein museales Objekt, konnten hier erstmals Exponate zur Alltagskultur der dörflichen Bevölkerung aus den volkskundlichen Sammlungen des Schweriner Museums in einem lebensechten Umfeld präsentiert werden.

Sammlung umfasst 27 000 Exponate aus 500 Jahren

Dem Bauernhof folgte fast im Jahresrhythmus die Übergabe weiterer rekonstruierter Gebäude am Originalstandort. Sie ermöglichten es, die reichen Sammlungen zur ländlichen mecklenburgischen Volkskultur öffentlich zu machen. Aus dem Museumshof wurde vor allem Dank des Engagements von Ralf Wendt und seiner Mitarbeiter ein Freilichtmuseum. Um die Geschichte der Gebäude und ihrer ehemaligen Bewohner zu dokumentieren, waren umfangreiche Forschungen nötig. Die Auswahl an Mobiliar, Haushaltsgegenständen und Arbeitsgeräten für die möglichst originalgetreue Ausstattung der Gebäude erfolgte größtenteils aufgrund archivalischer Unterlagen und intensiver Sammlungstätigkeit.

Das Freilichtmusem, heute mit dem Zusatz Mecklenburgisches Volkskundemuseum, zählt zu den beliebtesten Kultureinrichtungen Schwerins. Es umfasst heute auf mehr als 5,5 Hektar drei Bauernstellen mit Nebengebäuden, eine Büdnerei, Armenkaten, Hirtenkaten, Dorfschule, Schmiede, Bauernhaus aus der Zeit um 1900, Altenteiler und diverse Scheunen, Ställe und Nebengebäude aus dem 17. bis 20. Jahrhundert, insgesamt 16 museal genutzte Objekte. Solch ein Museum mag dem mecklenburgischen Volkskundler Richard Wossidlo (1859-1939) vorgeschwebt haben, als er um 1900 mit dem Sammeln von heimischem Kulturgut aus bäuerlichen und kleinbürgerlichen Haushalten begann und 3300 Stücke zusammentrug. Sie wurden ab 1936 in 20 Räumen des Schweriner Schlosses als "Bauernmuseum Richard Wossidlo" ausgestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand die Sammlung in Räumen des Staatlichen Museums am Alten Garten Asyl.

Gegenwärtig umfassen die Sammlungen des Freilichtmuseums mehr als 27 000 Positionen aus einem Zeitraum von über 500 Jahren - vom silbernen Trachtenknopf bis zu Dreschkasten und Sägewerk - eine bedeutende landeskundliche Bibliothek und das Archiv. Doch nur ein Bruchteil davon kann den Besuchern in den Dauer- sowie in Sonderausstellungen gezeigt werden. "Was für die meisten Besucher nicht so augenscheinlich ist, gehört zu den Grundaufgaben eines Museums: das Sammeln und Bewahren", erläutert Museumsleiterin Gesine Kröhnert. Das geschehe eher hinter den Kulissen, sei aber eine wunderbare Quelle für immer neue spannende Ausstellungen und Forschungsthemen.

Buttern und Geschichten aus dem alten Schulranzen

Das Freilichtmuseum soll künftig auch von der Einbeziehung in die geplante Schweriner Museumsmeile profitieren. Angedacht ist, weitere historisch wertvolle Gebäude für den öffentlichen Museumsbetrieb zu erschließen und die überbrachte Gehöftstruktur so zu rekonstruieren, dass der Erlebniswert gesteigert und das Bildungsangebot erweitert wird.

Mueß war und ist ein lebendiges Museum. In der Saison öffnen die Mitarbeiter nicht nur die Türen zu den Ausstellungen, sondern laden zu zahlreichen Veranstaltungen ein: Pflanzenmärkte mit alten Kulturpflanzen, Kunsthandwerkermärkte, die Fritz-Reuter-Bühne tritt auf, der Klöndör-Förderverein organisiert Foren und Stammtische, legendär sind die Folkmusiktage. Die museumspädagogischen Angebote für Kinder und Jugendliche reichen vom Buttern auf dem Bauernhof über Geschichten aus dem alten Schulranzen bis zum Entdecken von alten Kinderliedern und -spielen. Mit der derzeitigen Ausstellung "Waldglas in Mecklenburg" im Schweriner Schleswig-Holstein-Haus zeigt das Museum einmal mehr seine Schätze außerhalb des Museumsdorfes.

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