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Boizenburg : Fliesen „Made in GDR“ vorgestellt

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Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Sonnabend eröffnet im Boizenburger Lothar-Scholz-Haus eine Ausstellung mit Fliesen, die die meisten DDR-Bürger nie zu Gesicht bekamen

svz.de von
erstellt am 30.Mai.2015 | 16:00 Uhr

Das Boizenburger Fliesenwerk wurde nach Kriegsende 1945 trotz der Rüstungsproduktion und der Nähe zum faschistischen Regime nicht demontiert. Stattdessen ließ die sowjetischer Leitung sofort die Produktion wieder aufnehmen. Die produzierten Fliesen gingen als Reparationsleistungen ausschließlich in die Sowjetunion.

1952 übergab die UdSSR das Fliesenwerk an die Regierung der DDR. Nun wurde alles unternommen, um die früheren Exportbeziehungen wieder aufzubauen. Die junge DDR brauchte dringend Devisen. Dank umfangreicher Werbung mit weltweit vertriebenen Katalogen, Filmen, intensiver Kundenbetreuung und einem Stand auf der Leipziger Messe stieg der Exportanteil rasant. 1954 waren es schon 66,5 Prozent der Gesamtproduktion, Ende der 60er Jahre 90 Prozent. Die Fliesenproduktion wurde volkswirtschaftlich auch deshalb immer wichtiger, weil der Rohstoff dafür aus dem eigenen Land kam - der Ton stammte aus Sachsen.

Die Exportorientierung führte dazu, dass im Werk ideenreiche Techniker, Ingenieure und Designer arbeiteten. Sie zeigten, zu welchen innovativen Leistungen auch DDR-Wissenschaftler in der Lage waren, wenn sie die entsprechende Ausstattung hatten.

Die starke Orientierung auf den Export führte jedoch dauerhaft dazu, dass die Fliesen für DDR-Bürger Mangelware wurden. Nur wenige von ihnen bekamen die Produkte dieser innovativen Arbeit je zu Gesicht. Die Fliesen schmückten Bäder und Küchen nicht nur in der BRD, sondern in kapitalistischen Ländern rund um die Welt. Wer sich ansehen möchte, was in der DDR in der Boizenburger Fliesenfabrik produziert wurde, hat von heute an Gelegenheit dazu.

Die Ausstellung mit Fliesen von 30 Leihgebern und Spendern aus ganz Deutschland wird um 15 Uhr im Lothar-Scholz-Haus in der Reichenstraße 4 eröffnet.

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