Flieger-Abfertigung im Doppelpack

Der Abendsonne entgegen: Mit Dollies wird die Fracht in die Halle gebracht.
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Der Abendsonne entgegen: Mit Dollies wird die Fracht in die Halle gebracht.

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05. April 2010, 06:50 Uhr

Parchim | In der Abendsonne senkt sich der tonnenschwere Vogel über dem Parchimer Flughafen. Unter lautem Donnern landet der Frachtflieger auf dem Rollfeld. Binnen weniger Minuten kommt er auf dem Vorfeld zum Stehen. Jetzt muss alles ganz schnell gehen: Eine Stunde haben die Flugzeugabfertiger Zeit, die Maschine zu entladen. Auf dem Flughafen herrscht Hochbetrieb. Gleich zwei Flugzeuge warten an diesem Abend auf ihre Abfertigung. Da muss jeder Handgriff sitzen. "Sonst können wir international nicht mitspielen", sagt Betriebsleiter Eugen Arnstadt. Aber genau das wollen die Beschäftigten des Parchim International Airport.

Gleich sechs Großgeräte kommen parallel zum Einsatz: Highloader und Förderbänder für die Entladung sowie Groundpowerstations, die die Stromreserven des Flugzeugs aufladen. Gleichzeitig werden aus zwei Tankfahrzeugen 120 000 Liter Treibstoff über die Tragflächen in den Frachtflieger gepumpt. Unterdessen ist auch von den sechs Vorfeldmitarbeiter Höchstleistung gefordert: 45 Paletten - immerhin 110 Tonnen Technik und Textilien aus Fernost - müssen ausgeladen werden. "Das darf nicht länger als eine Minute pro Palette dauern", erklärt Arnstadt. Der Zeitplan ist eng, Verzögerungen im Flugverkehr teuer. Ohnehin kämpfen die Mitarbeiter gegen die Zeit, denn die Maschine ist mit erheblicher Verspätung in Parchim eingetroffen.

Damit dennoch alles reibungslos klappt, werden die Vorfeldmitarbeiter von Hilfskräften unterstützt. "Noch landen zu wenig Flugzeuge pro Woche, als dass wir uns mehr Mitarbeiter leisten können", erklärt Arnstadt. Bis sich das ändert, helfen unter anderem die Feuerwehrleute des Flughafens aus. Sie wurden hierfür speziell geschult. Sobald eine Maschine startet oder landet, gehen sie wieder in Bereitschaft. "Die Leute hier sind alle aus der Region, hochmotiviert und qualifiziert. Sie kommen aus verschiedensten Berufen und stehen den Mitarbeitern der Flughäfen in Hamburg, Berlin oder Frankfurt in Sachen Leistungsfähigkeit in nichts nach", bescheinigt Arnstadt seinen Kollegen.

Während die Paletten auf Dollies in die Frachthalle gefahren werden, kommen über das Förderband viele kleine Kartons aus dem Frachtraum ans Tageslicht. "Selbst der kleinste Winkel des Frachtraums wird genutzt. Da kommt dann sowas bei raus. Das hält unwahrscheinlich auf und braucht viel Manpower", erklärt Arnstadt. Doch die Männer packen beherzt zu. Das müssen sie auch, denn die Konkurrenz im Frachtverkehr ist groß. "Gerade wir, die wir am Anfang stehen in diesem Geschäft, wollen zeigen, dass wir qualitativ mithalten können mit Flughäfen wie Frankfurt am Main", sagt Arnstadt.

Während sich der Frachtraum allmählich leert, haben die Piloten im darüber liegenden Cockpit Zeit für etwa Ruhe. Nebenan errechnet der Loadmaster bereits die Frachtverteilung für den nächsten Flug. "Mit Passagieren ist das einfacher. Die setzt man einfach hin", sagt Arnstadt schmunzelnd.

Im Frachtraum warten unterdessen nur noch drei Paletten auf die Entladung. Auf einer Schienenkonstruktion werden sie an die Ladeluke geschoben. Doch Dollies - Fehlanzeige. Alle sind bereits mit Fracht belegt. Da heißt es für die Vorfeldmitarbeiter nochmals kräftig zupacken. Mit Gabelstapler und Muskelkraft laden sie drei Dollies am Flugfeldrand ab, damit auch die letzten drei Paletten entladen werden können. Die die Zeit drängt. Der Loadmaster der zweiten Maschine macht Druck, will, dass die Beladung schnellstmöglich beginnt. Auch diese Flugzeug ist mit Verspätung in Parchim eingetroffen, nun zählt jede Minute. "Wenn das Flugzeug nicht innerhalb einer Stunde in der Luft ist, muss sie hier einen Tag stehen bleiben", erklärt Arnstadt. Die Dienstzeit der Besatzung wäre sonst überschritten, der Anschluss für die Maschine auf dem nächsten Flughafen nicht mehr zu schaffen. Also legen sich die Vorfeldmitarbeiter nochmals richtig ins Zeug, beginnen unter Flutlicht mit der Beladung des Frachtfliegers. Währenddessen fährt das zweite Flugzeug schon wieder auf das Rollfeld, hebt ab in den Abendhimmel über Parchim. Nächster Stopp: Frankfurt.

Auf dem International Airport Parchim wird es nicht lange ruhig bleiben. Schon bis zum Wochenende werden hier die nächsten zwei Frachtflieger erwartet.

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