Fliegender Wechsel in St. Marien

René Schmidt (r.) und Karol Jablonowski von der in  Paderborn ansässigen Glasmalerei Peters  arbeiteten in den zurückliegenden Wochen in Parchim.
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René Schmidt (r.) und Karol Jablonowski von der in Paderborn ansässigen Glasmalerei Peters arbeiteten in den zurückliegenden Wochen in Parchim.

Kaum haben die Fensterbauer und der Restaurator ihre Arbeiten beendet, beginnen Adventsmarktvorbereitungen für das bevorstehende Wochenende

svz.de von
04. Dezember 2013, 00:34 Uhr

Das nennt man Timing: Sieben Tage vor dem Beginn des 12. Parchimer Adventsmarktes in und um St. Marien konnten die Fachleute der Glasmalerei Peters aus Paderborn sowie der Rostocker Diplomrestaurator Markus Mannewitz ihre Arbeiten im Zusammenhang mit dem diesjährigen Sanierungsabschnitt an der St. Marienkirche abschließen. Ohne auch nur eine Stunde Zeit zu verlieren, begann Kirchenhandwerker Konrad Peßner noch vor dem Wochenende, das kircheneigene Gerüst im Altarbereich abzubauen. Am Montag „fiel“ nun auch die große von der Firma Sörgel und Bunsen errichtete Gerüstkonstruktion im Mittelschiff. Die Seitengerüste hingegen bleiben stehen, damit der Restaurator ab Frühjahr in den Seitenschiffen des Kirchenraumes weiter arbeiten kann, nachdem der Experte 2012 die Ausmalung im Südostjoch und in diesem Jahr die Decke über dem mittleren Kirchenschiff restauriert hat. Wenn alles nach Plan läuft, ist zum Adventsmarkt 2015 erstmals seit Jahrzehnten wieder das umlaufende Spruchband mit den sieben Ich-bin-Worten des Johannes-Evangeliums vollständig lesbar.

Viele Adventsmarkt-Besucher, die sich in den vorangegangenen elf Jahren an den liebevoll zusammen gestellten Programmen sowie an der Ausstellung erfreut haben, dürften am kommenden Wochenende ins Staunen geraten, wenn sie die Kirche betreten. Der Kirchenraum wirkt nach der Sanierung der fünf Fenster im Langschiff deutlich freundlicher und heller. Vier dieser Fenster mussten übrigens neu angefertigt werden. Drei davon haben eine Größe von je ca. 20 Quadratmeter.

Prof. Hermann Brause vom Bauförderverein St. Marien erinnert sich noch gut an zwei dieser Fenster, die vorher mit ihrer gelben und grünlich schimmernden Verglasung regelrecht das Tageslicht „fraßen“. Nachdem die Verglasungen von 1907/08 in den 1960er Jahren eingeworfen waren, waren die unterschiedlichen Farben vor 40 Jahren ausgesprochene Notlösungen. Seit diesem Herbst „erstrahlen“ die Fenster nun im wahrsten Sinne des Wortes mit ihrem beschichteten Glas und den goldenen Rahmen in neuem Glanz. Um künftig Überblendungen zu vermeiden, gab es im Vorfeld lange intensive Gespräche mit Experten. „Das Ergebnis spricht nun wirklich für sich“, findet Prof. Hermann Brause. Zum Einsatz kamen in dieser mittlerweile 7. Etappe der Sanierung der Backsteinkirche als Denkmal nationaler Bedeutung nur Städtebauförder- und Eigenmittel. Komplett saniert und restauriert wurden 2013 auch die drei Fenster im Chorbereich mit ihren wertvollen Bleiglasmalereien. Besonders freut sich Hermann Brause in diesen Herbsttagen, dass nun auch wieder jener Schriftzug unter einem Fenster sichtbar ist, der darüber Auskunft gibt, dass es 1908 zum Gedächtnis an Zimmermeister Heinrich Wahls von der Witwe gestiftet wurde.

Mit den Ausführungen vor Ort waren in den zurückliegenden Wochen René Schmidt, Karol Jablonowski sowie Alexander Kaus von der in Paderborn ansässigen Glasmalerei Peters betraut. Alexander Kaus hat dort den Beruf des Glas- und Porzellanmalers von der Pike auf gelernt und ist seit mittlerweile elf Jahren in dem Unternehmen tätig, das als eine der renommiertesten Werkstätten für Glasgestaltung sowohl in traditionellen als auch modernen Techniken gilt und auf eine fast 100-jährige Tradition verweisen kann. Sein Beruf hat den 32-Jährigen schon durch die ganze Welt geführt: Amerika, Kanada, Europa, neuerdings führt das Unternehmen auch Aufträge im arabischen Raum aus: „Das ist das Tolle an der Arbeit, dass man viel herumkommt“, findet Alexander Kaus.


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