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Lokales

20. Oktober 2017 | 05:29 Uhr

Fischer sitzt auf dem Trockenen

vom

svz.de von
erstellt am 05.Sep.2010 | 06:23 Uhr

Freest | Der Schreck sitzt Kutterkapitän Holger Müller auch Tage nach dem Schiffsunfall im Peenestrom noch tief in den Knochen. "Das hätte auch schlimmer kommen können", sagt der 29-Jährige und streift mit der Hand nachdenklich über die zerschrammte Bordwand seines Kutters "Anne Maren". Dicke rote Schleifspuren an der Backbordseite zeugen von der Wucht, mit der das Elf-Meter-Schiff am Dienstag gegen das Flusskabinenschiff gedrückt wurde. Nun drohen dem Freester Fischer und seiner Crew ein Werftaufenthalt und Fangeinbußen.

"Wir waren auf Zanderfang und schon auf der Heimfahrt nach Freest", erinnert sich Müller. Mit acht Knoten (fast 15 Kilometer pro Stunde) steuerte der Plastekutter auf die Fahrwassertonne KR 9 zu. Hinter ihm drängelt der Kapitän des Flusskreuzers "Frederic Chopin". "Ich hätte ihn vorbeigelasssen", sagt Müller. "Aber erst einmal musste ich doch die schmale Knaakrücken-Rinne passieren." An jener Stelle, nordwestlich vor der Insel Usedom, ist das Fahrwasser gerade mal 50 Meter breit. Trotzdem habe die "Frederik Chopin" zum Überholmanöver angesetzt, schimpft Müller. Mit neuneinhalb Knoten hat sich das 83 Meter lange Passagierschiff im Abstand von nur zehn Metern an seinem Kutter vorbeischoben. Als es fast geschafft war, kam, was kommen musste. Im Sog des siebenmal größeren Kabinenschiffs schwand der Abstand. Dann knallte der glasfaserverstärkte Kunststoffkutter krachend an die Steuerbordleiste des Drei-Deck-Kreuzers.

Ein Anruf über Funk blieb ohne Antwort. Also alarmierte Müller die Wasserschutzpolizei, die Stunden später den Kapitän des Kreuzers zur Sprache stellte und vom Kreuzfahrt-Veranstalter Nicko Tours erst einmal 600 Euro Sicherheitsleistung einforderte. Nun liegt die "Anna Maren" im Heimathafen und kann nicht zum Fang auslaufen, weil sich Gutachter angesagt haben, um den Schaden zu untersuchen. Der Aufprall sei so heftig gewesen, dass im Schiffsinnern unter Deck ein Kleiderschrank von der Wand gerissen wurde, sagt Müller. Nun fürchtet er, dass auch die Struktur im Innern der Schiffshaut beschädigt wurde. Die Schadensbehebung werde zwar sicherlich vom Versicherer des Unfallverursachers übernommen, hofft Müller. Aber wer komme für die Fangausfälle auf?

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