Filme geben Zeugnis der Wende

20 Jahre nach dem Mauer fall bietet die Volkshochschule ein weiteres Forum der Auseinandersetzung mit DDR-Geschichte: Anhand von Filmen der Defa-Studios werden die Zeit der Wende und die Situation, die dazu geführt hat, plastisch erlebbar. Integraler Bestandteil dieser Kammerkino-Abende: die Diskussion mit Zeitzeugen.

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02. September 2009, 08:11 Uhr

Schelfstadt | Die Zeitschleife schließt sich: Nach zwei Semestern Filmdiskussion über "Kindheit und Jugend in der sowjetischen Besatzungszone und der DDR" folgt nun das dritte an der Volkshochschule, das am 10. September mit dem Dokumentarfilm "Zeitschleifen - im Dialog mit Christa Wolf" eröffnet wird. Gezeigt wird um 19 Uhr im Speicherkino der Volkshochschule der Defa-Film aus dem Jahre 1990/91 in der Regie von Daniela Dahn und Karlheinz Mund mit Christa Wolf, Lew Kopelev, Kurt Biedenkopf, Prof. Hans Mayer und anderen, der den demo kratischen Aufbruch im Herbst 1989 thematisiert. Nach der Filmvorführung lädt die Volkshochschule gemeinsam mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung zur Diskussion ein.

"Diese Filmgespräche sind nicht nur integraler Bestandteil unserer zeitkritischen Reihe, sondern bereichern sie auch ganz wesentlich", sagt Leiter Uli Grunert. "Es geht um Erinnerung und Auseinandersetzung, nicht um Nostalgie." So würde in der Diskussion, zu der die Mehrheit des Kinopublikums oft bis zu eineinhalb Stunden bleibe, von sehr unterschiedlichen Standpunkten aus argumentiert, gestritten und hinterfragt, was sie eben auch für Jüngere so spannend mache. "Natürlich ist eine gründliche Vorbereitung auf diese Gespräche notwendig. Und glücklicherweise gibt es auch viele begeisterte Cineasten in Schwerin, die die in unserer Reihe thematisierten Filme und Ereignisse mit Zeitzeugnissen wie Filmkritiken aus dem Eulenspiegel und Filmspiegel, aber auch aus dem Spiegel und anderen westdeutschen Zeitungen sowie eigenen Erinnerungen an die damaligen Auseinandersetzungen in der Bezirksstadt über die Filme bereichern", sagt Grunert.

Regisseure stehen Rede und Antwort Zudem würden oft auch prominente Filmemacher an den Diskussionen teilnehmen wie etwa in diesem Semester Prof. Dr. Kurt Maet zig am 13. September und 23. Oktober oder Prof. Jochen Wisotzki und Dieter Schumann am 20. November.

Die politische Filmreihe zeigt als Hommage an Volkshochschulgründer Ehm Welk am 11. September um 16.30 Uhr die beliebte Defa-Verfilmung des Buches "Die Heiden von Kummerow" aus dem Jahre 1966. Moderator Ulrich Grunert stellt im Anschluss an die Filmvorführung die neue Welk-Biografie von Konrad Reich vor.

Am Sonntag, dem 13. September, folgt Maetzigs Filmklassiker "Schlösser und Katen", um 16 Uhr Teil 1 und um 20 Uhr Teil 2: Nach Kriegsende 1945 flüchtet die gräfliche Familie Holzendorf vor der vorrückenden Roten Armee aus Mecklenburg. Ihre Bediensteten lässt sie zurück. So auch den von der lebenslangen schweren Arbeit gezeichneten "krummen" Anton, einst Kutscher des Gutsherrn von Holzendorf. Anton heiratete vor Jahren die schöne Magd Marthe, als diese ein Kind - die Annegret - vom Grafen erwartete. Kurz vor dessen Flucht in den Westen erinnert ihn Anton nun an seine väterliche Pflicht und legt ihm ein Schriftstück vor, welches der Graf vor Geburt seines unehelichen Kindes unterschrieb…

Weiter zum Programm ge hören der Science-Fiction-Streifen "Der schweigende Stern", in dem entgegen aller Klischees des Kalten Krieges Kosmonauten und Astronauten gemeinsam agieren. Er wird am 25. September gezeigt. Die Verfilmung von Christa Wolfs Erfolgsroman "Der geteilte Himmel" läuft am 9. Oktober.

Am 23. Oktober ist der nächste Maetzig-Streifen zu sehen, der fast das Ende der Karriere des Professors der Babelsberger Filmhochschule bedeutet hätte: "Das Kaninchen bin ich", der sich mit dem berüchtigten 11. Plenum auseinandersetzt. Zur gleichen Thematik zählt "Die Spur der Steine" mit Manfred Krug in der Hauptrolle, ein Film, der zwei Wochen nach seiner Premiere verboten wurde. Die Zeitschleife schließt sich am 20. November mit einem Film über den Anfang vom Ende der DDR: "Flüstern und Schreien" von Dieter Schumann.

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