zur Navigation springen
Lokales

18. August 2017 | 05:13 Uhr

Filialleiter im Baumarkt des Lebens

vom

Wittenberge | Für seine Verspätung von rund 20 Minuten hatte Kabarettist Olaf Schubert am Mittwochabend eine recht simple Erklärung: "Als ich dachte, ich habe mich endgültig verfahren, war ich endlich da." Doch als jemand, der sich vorgenommen hat, die Welt zu verändern, wenn er denn die Zeit dafür hätte - "von mir aus kann sie ja rund bleiben, aber ansonsten besteht reichlich Handlungsbedarf" - kann man schon mal zu spät kommen.

Viele Baustellen hat Schubert, der die Pole-Position im Tempodrom des Protests für sich beansprucht. Sei es die Integrationsdebatte um Thilo Sarassani, nach dessen Thesen nicht nur zu wenig Kinder geboren werden, sondern auch noch die falschen oder der Nahostkonflikt zwischen Juden und Palästinensern wo "gehänselt und geärgert" wird. Nichts ist vor dem Mann im hässlichsten Pullunder aller Zeiten sicher. Von Nahost ist es nur ein kleiner Sprung zum Konflikt zwischen Mann und Frau, dem "Konfliktherd auf Ceranbasis".

Auch dem "Problematom" der vergreisenden Gesellschaft widmet sich Schubert. "Man ist mopsfidel bis ins hohe Alter, gemäß dem Motto ,Turne in die Urne. Und wenn der Tod dann irgendwann an die Tür klopft und den Löffel verlangt sind viele überfordert und es heißt ,hier draußen steht ein Typ mit Sense, der will sich Besteck borgen. Sterben, irgendwann, aber nicht mit 97. Da will man heutzutage erst noch Karriere, Kinder kriegen und durchstarten."

Jedes Wortspiel, jede noch so abstruse Wortneuschöpfung, die die personifizierte Landebahn künftiger philosophischer Luftschiffe, wie Schubert von seinen Vasallen und musikalischen Begleitern genannt wird, im Bemühen um grammatikalisch korrekten Ausdruck verzapft, lässt die Zuschauer grölen. Die vier Fälle werden im schubertschen Duktus zu einer Art nominalgenitivem Datisativ, und es bedarf penibler Aufmerksamkeit und einer gewissen sprachlichen Kombinationsgabe, um keinen Gag zu verpassen.

"Es ist wirklich faszinierend, was Olaf Schubert in seinen Wortspielereien für Botschaften versteckt", sagt Petra Haase aus Osterburg. "Allerdings muss man ganz genau hinhören, denn sonst verpasst man die Hälfte", ergänzt ihr Mann Uwe. Auch Renate Pirch aus Tangermünde ist begeistert. "Olaf ist klasse, denn es steckt so wahnsinnig viel subtiler Wortwitz in seinem Programm."

Sogar seinen Namen lässt Olaf Schubert der Elbestadt ohne Reformator da: "Schubertstadt Wittenberge. Das klingt ja fast so gut wie Lutherstadt Wittenberg."

zur Startseite

von
erstellt am 16.Sep.2010 | 06:40 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen