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Feuerwehrleute zapften Bier aus geklauter Anlage

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erstellt am 26.Mai.2010 | 10:47 Uhr

Hohen Pritz | Drei von 14 Feuerwehrleuten der Hohen Pritzer Wehr sind suspendiert. Sie hatten Bier aus einer geklauten Anlage gezapft. Die Entscheidung der Mitglieder, ob die drei in der Wehr bleiben, steht aus.


Bierzapfanlage der Dabeler Karnevalisten gestohlen

Ein pikanter Vorfall ging dem voraus. Darüber informierte Bürgermeisterin Britta Täufer am Dienstagabend in der öffentlichen Gemeindevertretersitzung. Die Hohen Pritzer Feuerwehr hatte beim Osterfeuer in Kukuk den Ausschank übernommen. Unter den Gästen waren Karnevalisten aus Dabel. Diese erkannten eine Bierzapfanlage wieder, die ihnen bei einer anderen Feier gestohlen wurde.


Doch die Karnevalisten erhielten ihre Zapfanlage nicht zurück. Drei Feuerwehrleute, die das Diebesgut offenbar ausgeliehen hatten, schafften es wieder beiseite. Und weigerten sich zu verraten, woher sie die heiße Ware hatten. "Sie haben gesagt, wir verraten keine Kameraden", ärgert sich Bürgermeisterin Britta Täufer. Sie schmiss die drei Männer aus der Feuerwehr, was sich später als rechtlich nicht möglich erwies. Denn darüber kann nur die Mitgliederversammlung der Wehr entscheiden.


Jetzt ermittelt mit Kriminalist Siegfried Bergau ausgerechnet ein Gemeindevertreter in dem Fall, in den Leute aus dem eigenen Dorf geraten sind. Er verließ Dienstagabend wegen Befangenheit das Gemeindehaus, als das Dorfparlament das weitere Vorgehen abstimmte. Hätten die Feuerwehrleute die Anlage zurückgegeben, wäre der Fall wohl nicht weiter verfolgt werden, meinte Bergau. Es ging das Gerücht durch das Dorf, sie hätte die drei Männer des Diebstahls bezichtigt, so Britta Täufer. "Das habe ich nicht", betonte sie. Aber als sie wussten, dass es geklaute Ware war, durften sie die nicht zurückgeben.


"Das Ansehen der Feuerwehr ist gefährdet"



"Der Hehler ist wie der Stehler", pflichtete Gemeindevertreter Holger Weihs der Bürgermeisterin bei. Das sei ein Straftatbestand. "Das Ansehen der Feuerwehr Hohen Pritz ist gefährdet." Die Gemeindevertreter stellten sich einmütig hinter Täufers bisheriges Vorgehen in dem heißen Fall. Sie forderten die drei Kameraden auf, die polizeilichen Ermittlungen nach besten Kräften zu unterstützen. Sie empfahlen der Wehr, den weiteren Verbleib der drei Mitglieder davon abhängig zu machen, ob sie zur Klärung des Falls beitragen.


An der öffentlichen Sitzung der Gemeindevertreter, für die das Thema Feuerwehr auch zuvor angekündigt wurde, nahm allerdings kein einziger Blaurock teil. "Ich bin entsetzt. Ich hatte mehr Besucher erwartet", so Täufer.


Der erst im Dezember neu gewählte Wehrführer René Pfalzgraf erklärte gestern gegenüber SVZ, dass er an dem Abend arbeiten musste. "Ich selbst war bei der Polizei und habe meine Aussage gemacht", so der 27-Jährige. "Die Kameraden stehen nicht hinter kriminellen Machenschaften", versicherte er. Die Mitglieder hätten schließlich mit der vorläufigen Suspendierung gehandelt, wollten aber bei der Entscheidung über die Mitgliedschaft erst das Ende der Ermittlungen abwarten. Der Wehrführer plädiert dafür, den Dreien in dem Fall eine Chance zu geben, wenn sie der Polizei helfen. Er selbst sei im Dezember angetreten, damit die Wehr wieder auf den richtigen Weg kommt. "Wir sind keine Saufwehr, wir sind keine Klauwehr, wir sind die Feuerwehr", meinte Pfalzgraf. Er erklärte, dass sich die Feuerwehrleute später in einer öffentlichen Versammlung auch vor den Gemeindevertretern positionieren wollen.


Bürgermeisterin hält Ausschluss der Kameraden für unabdingbar

Bürgermeisterin Täufer empfindet das als nicht konsequent genug. Sie hält den Ausschluss der Drei - unabhängig vom Ergebnis der Ermittlungen schon angesichts der bisherigen Vorfälle - für unabdingbar. Einer der drei jungen Männer sei gleichzeitig stellvertretender Wehrführer. "Ich möchte nicht mit ihm zusammenarbeiten", so Täufer.


Auch wenn die Gemeindevertreter in puncto Mitgliedschaft nicht entscheiden können, so bleibt ihnen bei einer Verschärfung des Konflikts notfalls ein radikaler Schritt. Sie könnten der eigenen Wehr den Geldhahn zudrehen und stattdessen die Kameraden im benachbarten Dabel mit dem Brandschutz in Hohen Pritz beauftragen. Das stehe aber momentan nicht zur Debatte. Ohne die Suspendierten sind derzeit elf Kameraden in Hohen Pritz aktiv.

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