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Lokales

24. Oktober 2017 | 13:38 Uhr

Feuerwehr Schwerin: Versagen die Chefs?

vom

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erstellt am 08.Aug.2010 | 06:50 Uhr

Schwerin | Schwere Vorwürfe gegen die Führungsriege der Berufsfeuerwehr: "Ein oft sehr rüder Umgangston und willkürliche Arbeitsaufträge führen zu einem Klima der Angst", sagt eine nach eigenen Aussagen selbst betroffene Einsatzkraft. Beleidigungen wie "Halts Maul, Du Idiot" oder ständige Anweisungen zu schwerer körperlicher Arbeit für Einzelne seien keine Seltenheit. Folgen: Viele Kollegen gingen unmotiviert zur Arbeit, der Krankenstand sei zeitweilig extrem hoch. "Bei einer

anonymen Befragung der mehr als 100 Kollegen haben sich sehr viele über den Führungsstil beschwert, geschehen ist jedoch nichts", so die Einsatzkraft.

Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke) stellt sich vor Feuerwehrchef Jürgen Rogmann und dessen leitende Mitarbeiter: "Wir haben eine hervorragende, einsatzbereite Berufswehr, dies auch, weil sie gut geführt wird." Natürlich wisse auch sie um den teilweise hohen Krankenstand. "Wir haben deshalb Sport- und Gesundheitsprogramme aufgelegt", sagt die OB. Darüber hinaus sei die Verjüngung der Feuerwehr eingeläutet. Als oberste Personalchefin der Stadt stehe sie bei Problemen aber immer für Gespräche bereit.

Bei der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft sind Klagen über "ein nicht unbedingt positives Betriebsklima bei der Berufsfeuerwehr bekannt", sagt ver.di-Bezirkschefin Ute Evers. Wichtigste ver.di-Forderung bleibt aber die Rückkehr zum 24-Stunden-Dienst. Dieser Rhythmus würde zur Reduzierung des Krankenstandes führen, da er besser verkraftbar sei als die derzeit üblichen 12-Stunden-Schichten, so Evers.

Handlungsbedarf sieht auch FDP-Stadtvertreter Gerd Güll. Der Krankenstand sei ein Sig nal dafür, "dass die Menschenführung versagt, die Moral nicht stimmt".

Dies könne sich Schwerin aber nicht leisten. Gerade bei Rettungseinsätzen, bei denen es um Leben und Tod ginge, müsse eine vertrauensvolle Atmos phäre herrschen. Güll: "Das Feuerwehr- Führungspersonal muss dringend geschult werden."

Immer wieder brachte der hohe Krankenstand unter den operativen Einsatzkräften die Dienstpläne durcheinander. So meldete sich 2008 durchschnittlich jeder Berufsfeuerwehrmann an 19 Tagen krank. 2009 sollte es sowohl in der Tag- als auch in der Nachtschicht jeweils 14 Feuerwehrleute geben. Doch nur jeden vierten Tag konnte dies statistisch gesehen erreicht werden. Der Durchschnitt der Einsatzkräfte lag bei zwölf, manchmal waren pro Schicht nicht einmal zehn Feuerwehrleute da.

Diese Situation hat sich dank Neueinstellungen gebessert. Derzeit sind tagsüber 16 Feuerwehrleute, nachts 14 vorgesehen. Von 2012 an soll die Nachtschicht auf 12 Stellen reduziert werden. Aber nur, wenn bis dahin genügend "fachlich und gesundheitlich geeignetes Personal" einsetzbar ist, wie die Stadt selbst betont.

Feuerwehr

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