Fernsehen in der Stadt auf neuem Weg

svz.de von
05. Juli 2010, 08:16 Uhr

Schwerin | Der viertgrößte deutsche Kabelnetzbetreiber Primacom verliert nur wenige Stunden nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens sein Kabelnetz. Der gesamte operative Geschäftsbetrieb und zahlreiche Beteiligungen der Primacom AG wurden an eine Gruppe privater Investoren verkauft. Käufer ist die luxemburgische Investmentgesellschaft Medfort S.à.r.l. Der Insolvenzverwalter machte keine Angaben, wie viel der Verkauf des Primacom-Netzes einbringt. Die Gesamtverschuldung des Unternehmens liegt Medienberichten zufolge bei rund 340 Millionen Euro. Primacom ist in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sowie in zahlreichen westdeutschen Schwerpunktregionen präsent. Das Unternehmen ist seit 1998 aktiv und verfügt nach eigenen Angaben über einen Breitbandzugang zu rund einer Million Haushalten in Deutschland.

In Schwerin versorgt Primacom 23 000 Haushalte der Wohnungsgesellschaft (WGS) und der Wohnungsbaugenossenschaft (SWG) sowie weitere rund 9000 Wohnungen mit Kabelfernsehen. Der entsprechende Zehn-Jahresvertrag zwischen Primacom und den Schweriner Wohnungsgesellschaften endet allerdings ohnehin in diesem Herbst. Verhandlungen über eine Verlängerung blieben ohne Ergebnisse - unabhängig von der nun offiziellen Firmenpleite des Netzbetreibers. "Wir haben bereits seit dem vergangenen Sommer gemeinsam mit der WGS nach neuen Lösungen gesucht", berichtet Genossenschaftsvorstand Wilfried Wollmann. Auf der einen Seite müsse in das Netz investiert werden. Auf der anderen wollen die Vermieter beim Preis-Leistungs-Angebot mitreden. Außerdem gehe es längst nicht mehr nur um das Fernsehen, wenn von der Nutzung des Breitbandes die Rede ist. Auch hier habe sich Primacom zu wenig bewegt, bilanziert der Genossenschaftsvorstand. Aber das ist unabhängig von der Insolvenz der Primacom heute kein Thema mehr. "Mit dem Münchner Dienstleister WTC haben wir eine ausgezeichnete Lösung gefunden", sagt Wollmann.

Bereits seit März werde ein neues Versorgungsnetz in Schwerin installiert - Investitionskosten der WTC von bis zu sieben Millionen Euro. Auf den Preis fürs Fernsehen soll sich das laut Wollmann nicht niederschlagen: Sind in der Grundversorgung der SWG-Wohnungen derzeit von der Primacom für 5,95 Euro sieben Sender zu empfangen, bietet die Genossenschaft von Oktober an über WTC für 9,50 Euro 40 analoge und mehr als 100 digitale Sender an.

Das neue Netz bietet nicht nur technisch wesentlich mehr Möglichkeit - es wird auch Angebote für Telefonie und Internet an die mehr als 30 000 Schweriner Haushalte geben -, es war auch durch Primacom nötig geworden. Denn eigentlich wollten SWG und WGS Teile des jetzigen Kabelnetzes übernehmen. Aufgrund der Entwicklung bei Primacom, die auch mit ständig wechselnden Ansprechpartnern verbunden war, kam es zu keiner Einigung. Da WTC auf eigene Kosten ins neue Netz investiert, ist das eigentlich kein Problem: "Aber wir müssen dadurch noch einmal in jede Wohnung. Das hätten wir im Interesse unserer Mieter gerne verhindert", erklärt Wollmann.


Noch in diesem Monat wird die Wohnungsbaugenossenschaft per Postwurfsendung alle Mieter über zusätzliche Möglichkeiten des neuen Breitbandnetzes informieren. So könnten neben Telefonflatrate und Internetzugang ohne Mindestvertragslaufzeit auch zusätzliche Fernsehpakete individuell dazu gebucht werden, informiert SWG-Vorstand Wollmann: "Es gibt noch viele Möglichkeiten."

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