Ferienfreizeit: Zuschuss-Topf ist leer

<strong>Für die Kinder </strong> der alleinerziehenden Mütter Ines Schwarz (l.) und Ivette Göttsching gab es keinen Zuschuss mehr für die Ferienfreizeit vom Landkreis Ludwigslust - dafür aber einen Ablehnungsbescheid des Antrages.<foto>Hans-Georg Taken</foto>
Für die Kinder der alleinerziehenden Mütter Ines Schwarz (l.) und Ivette Göttsching gab es keinen Zuschuss mehr für die Ferienfreizeit vom Landkreis Ludwigslust - dafür aber einen Ablehnungsbescheid des Antrages.Hans-Georg Taken

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20. Juli 2010, 08:09 Uhr

Ludwigslust | Ablehnungsbescheid. Das Wort steht fett gedruckt, unterstrichen und am Anfang eines Schreibens, das Ivette Göttsching ärgert und traurig macht. 80 Euro Zuschuss hat die Alleinerziehende, arbeitslose Mutter für eine einwöchige Ferienfreizeit ihres zwölfjährigen Sohnes beim Landkreis Ludwigslust beantragt. Doch für das Haushaltsjahr 2010, so steht es im Ablehnungsbescheid, stehen keine Mittel mehr für eine Ferienfreizeit-Bezuschussung von Kindern und Jugendlichen aus Familien in finanziell belasteten Situationen zur Verfügung.

Familien in finanziell belasteten Situationen - mit dieser Amtsdeutsch-Formulierung sind Familien gemeint, die ein geringes Einkommen haben, Arbeitslosen- oder Hartz IV-Geld beziehen. Ivette Göttsching hat ein geringes Einkommen. Eine langwierige Krankheit verhinderte, dass die Steuerfachangestellte ihrem Job nachgehen konnte. Jetzt ist sie arbeitslos und bald droht Hartz IV. Große Sprünge kann sie sich nicht erlauben, und selbst kleine Sprünge sind nur schwer zu meistern. "Wir müssen uns extrem einschränken, um über die Runden zu kommen", sagt die 37-Jährige.

Ein 80-Euro-Zuschuss für eine 125 Euro teure Ferienfreizeit - das hilft. Und das hat im vergangenem Jahr auch geholfen. Erst habe sie die Fahrt beim Amt angemeldet, dann den Zuschuss beim Landkreis beantragt und bewilligt bekommen. "Wenigstens dem Jungen möchte ich es ermöglichen, dass er in den Ferien das machen kann, was andere Kinder auch machen können: eine kleine Urlaubsfahrt", sagt Ivette Göttsching. Ines Schwarz sieht das genauso. Die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern ist seit 2004 Hartz IV-Empfängerin und konnte mit Hilfe des Zuschusses ihrer 14-jährigen Tochter schon mehrmals eine Ferienzeit in Mecklenburg ermöglichen. Jetzt, da die Zuschüsse ausbleiben, müssen die beiden Frauen den Betrag komplett übernehmen, denn die Anmeldungen waren verbindlich. "Mein Kind freut sich auf die Woche, und natürlich lasse ich es fahren. Doch ich muss schauen, an welchen Stellen ich jetzt noch sparen kann", sagt Ines Schwarz. 600 Euro habe sie im Monat zur Verfügung, davon müsse Kleidung und Essen bezahlt werden. "Da ist für Extras nicht viel übrig", sagt Ines Schwarz, die sich seit Jahren vergeblich um einen Job als Verkäuferin bemüht habe. "Alleinerziehend, zwei Kinder, kein Auto - da winken die meisten sofort ab", ergänzt die 39-Jährige.

Kein Zuschuss - mit diesem Problem stehen Ivette Göttsching und Ines Schwarz in diesem Jahr nicht allein da. 34 Anträge lehnte der Landkreis bis dato ab. Der Landkreis befände sich in der vorläufigen Haushalts-Führung, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Damit stünden nur begrenzte finanzielle Mittel zur Verfügung, und diese seien bereits ausgeschöpft. "Somit waren Ablehnungen wegen zu hoher Einkünfte der Sorgeberechtigten auch aus finanziellen Gründen des Landkreises abzulehnen", heißt es weiter. 101 Einzelmaßnahmen (2009 waren es 160) seien in diesem Jahr anteilig ab 20 Euro gefördert worden. Wie viel Geld für die freiwillige Ferienfreizeit-Bezuschussung für das laufende Jahr 2010 eingeplant wurde, will der Landkreis nicht sagen, doch gegenüber 2009, heißt es, habe sich der Topf nicht verändert. Ob es im kommenden Jahr wieder einen Fördertopf geben wird, das sei offen.

"Überall wird über das Thema Kinderarmut gesprochen. Jetzt ist auch weniger Geld für Ferienfahrten-Zuschüsse da. Das verstehe ich nicht", sagt Ivette Göttsching. Sie fragt sich, ob demnächst auch weitere Angebote für Kinder und Jugendliche geschmälert oder ganz gestrichen werden. "Wir haben hier noch den Jugendclub. Die Ausflüge, die den Kindern dort angeboten werden, sind für uns Eltern erschwinglich", erklärt sie. Ohne dieses Angebot sei es noch schwerer, dem Kind etwas zu bieten. Selbst kleine Sprünge sind eben schwer zu meistern.

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