Feierstimmung am Fuße der Ulme

<strong>Bürgermeister  Thomas Breitlauch</strong> mit dem durchschnittenen Band zur Straßeneröffnung. <foto>Thomas Bein</foto>
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Bürgermeister Thomas Breitlauch mit dem durchschnittenen Band zur Straßeneröffnung. Thomas Bein

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25. Juli 2010, 05:31 Uhr

Gülitz | 157 Einwohner hat das kleine Dorf Gülitz. Anlässlich der großen Jubiläumsfeier zum 650-jährigen Bestehen, die wegen der Sanierung der Ortssurchfahrt kurzerhand um ein Jahr verschoben wurde, säumen aber mindestens dreimal so viele Menschen die Straßen. Klar, beim großen Festumzug wollen alle dabei sein, auch die Bewohner der Nachbarorte.

Nachdem das obligatorische Foto vor dem ältesten Einwohner des Dorfes - der großen Ulme am Kirchplatz - abgearbeitet ist, heulen um elf Uhr die Motoren der Traktoren auf. Zahlreiche mit Mais, Ähren und Sonnenblumen festlich geschmückte Wagen machen sich auf den Weg, zeigen die Verbundenheit des Ortes zur Landwirtschaft. Auch Handwerker und sogar die Bergleute, die einst in der Lehmgrube ihr Geld verdienten, finden sich im Zug wieder. Viele Gülitzer haben sich zudem in alte Trachten geworfen und geben einen Eindruck, was vor Jahren einmal Mode war. Mit dabei ist natürlich auch die Feuerwehr, die, bekleidet mit braunen Uniformen und Stahlhelmen, mit der Kübelspritze auf die Zuschauer losgeht. Sogar ehemalige Gülitzer haben es sich nicht nehmen lassen, anlässlich der großen Feier einen Wagen zu besetzen.

"Auch wenn ich inzwischen nicht mehr in Gülitz wohne, komme ich noch gerne her", sagt Stefan Berger. Der 22-Jährige hat seinen Geburtsort der Ausbildung wegen verlassen. "Die meisten jungen Leute gehen weg, aber die Kindheit hier war schon cool, es gab eine richtige Dorfclique" erinnert er sich. Eine schöne Kindheit wollen auch Antje Puchert und Christian Gragert ihrem Nachwuchs bieten. "Meine Familie stammt von hier, aber ich bin in Berlin aufgewachsen", erzählt Christian. "Vor fünf Jahren bin ich zurückgekommen, habe jetzt selber zwei Kinder und fühle mich sehr wohl hier."

Ähnlich geht es Hermes Rouwenhorst und seiner Partnerin Lori Sanders. Der Holländer fand in der Milchviehanlage Arbeit und blieb hier. "Inzwischen Leben in Gülitz zehn Holländer, und es gefällt uns richtig gut hier", sagt er. "Das Schöne ist die Ruhe, und dass man nachts die Sterne sieht, das gibt es in Holland kaum", fügt Lori hinzu. Vom Aussterben bedroht ist Gülitz also nicht.

Dass sich die Verlegung der Festlichkeiten um ein Jahr gelohnt hatten, darüber waren sich angesichts der schönen Straße, über die der Festumzug rollte, alle einig. "Das hat doch kaum noch jemand erwartet, dass hier in Gülitz so eine Straße gebaut wird", sagt einer der Anwohner. Gebaut hat der Landkreis Prignitz mit Förderung der Landesregierung. Fast einen Kilometer lang ist die neue Straße, dazu wurden 1,3 Kilometer Regenwasserleitungen und 27 Grundstückszufahrten erneuert sowie Freileitungen des Stromversorgers mit unter die Erde verlegt. Mehr als 600 000 Euro investierte der Landkreis, fast 140 000 gab die Gemeinde für Gehwege und Nebenanlagen. Der WTAZV beteiligte sich mit 132 000 Euro für 1850 Meter neue Wasserleitungen und 39 neue Hausanschlüsse.

In Gülitz ist man stolz auf die neue Ortsdurchfahrt. Nicht nur die Älteren finden die Straße toll, die man besser sauber halten kann, auch die Kinder freuen sich, vor allem, weil man hier jetzt prima Fahrrad fahren kann und auch mit Inline-Skates super voran kommt.

Am Sportplatz angekommen, ließen es sich die Gülitzer gut gehen. Bei Kaffee und Kuchen sowie Spielen für die Kinder war Zeit zum Ausspannen, um am Abend fit für den Tanz bei der Band Eiskrem zu sein, die im Festzelt aufspielte.

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