Plau am See: Udo Steinhäuser : Fasziniert vom Lockruf der Natur

Ob majestätische Seeadler oder unscheinbare Rohrdommeln: Für die heimische Vogelwelt setzt sich Udo Steinhäuser besonders ein.
Ob majestätische Seeadler oder unscheinbare Rohrdommeln: Für die heimische Vogelwelt setzt sich Udo Steinhäuser besonders ein.

Wenn die Rohrdommel ruft, dann ist Udo Steinhäuser glücklich. Der als Moorochse bekannte Vogel hat ihn schon zu Kindertagen fasziniert und an den Plauer See gelockt.

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15. Mai 2011, 08:50 Uhr

Plau am See | Wenn die Rohrdommel ruft, dann ist Udo Steinhäuser glücklich. Der als Moorochse bekannte Vogel hat ihn schon zu Kindertagen fasziniert und an den Plauer See gelockt. Der Beginn einer großen Liebe. "Wenn ich ihn gehört hab, dann wurd es für mich Frühling", erinnert sich Steinhäuser. Der eindringliche Ruf war der Startschuss für ausgiebige Erkundungstouren - immer auf der Spur der Rohrdommel. "Da bin ich dann hinterher gestiefelt. Das hatte sowas wie einen Hauch von Abenteuer", sagt Steinhäuser. Der Wissensdurst wuchs mit jeder weiteren Tour. Steinhäuser begann, Fachliteratur zu lesen und suchte den Kontakt zu erfahrenen Ornithologen. Allmählich erwuchs daraus sein Engagement. "Man hat nie vor, Naturschützer zu werden. Aber wenn man sich mit seiner Umgebung auseinander setzt und sie lieb gewinnt, dann tut man was dafür. Über die Liebe zur Natur merkt man, dass sie sich verändert und hinterfragt, warum", erklärt Steinhäuser. Die Rohrdommeln am Plauer See wurden weniger, ihre eindringlichen Rufe seltener. Für Steinhäuser Grund genug, aktiv zu werden und sich für den Erhalt ihres Lebensraumes stark zu machen. "Schließlich gehört der Ruf der Rohrdommel in das Land meiner Kindheit", sagt er. Dem Naturschützern anhaftenden Image als Retter der Welt aber entzieht er sich bewusst. "Naturschützer ist immer der Kämpfer. Das will ich eigentlich gar nicht so. Naturschützer ist auch der, der einfach nur hinguckt, der auffasst, was es gibt und feststellt, was sich verändert", sagt Steinhäuser.

Veränderungen gibt es gerade heutzutage viele - nicht nur negative. Das, was einst als selten galt, wie Seeadler und Kraniche, ist heut in der Region so häufig wie nie. "Früher als Kind hab ich davon geträumt, einmal im leben weiße Reiher zu sehen. Heute sind sie hier schon fast normal", sagt Steinhäuser. Auch neue, bislang hier nicht vorkommende Tierarten wie Maderhund und Waschbär machen einen Ausflug durch Wiesen und Wälder spannend. "Wir erleben momentan eine unwahrscheinliche Veränderung in der Natur. Das genug Anlass, rauszugehen, zu staunen und zu bewundern", sagt Steinhäuser. Schließlich seien Tiere und Pflanzen wichtige Indikatoren für die Lebenswelt des Menschen. "Wir leben mittendrin. Es gibt nicht auf der einen Seite die Natur und auf der anderen Seite den Menschen", verdeutlicht Steinhäuser. Dass aber die Natur oft herhalten muss, wenn es darum geht, menschliche Interessen durchzusetzen, kann er nicht nachvollziehen. "Ich wünsche mir manchmal, dass die Menschen nicht einen Vorwand suchen, um für den Erhalt ihrer eigenen Lebenswelt zu kämpfen, sondern sagen, wie es ist: ,Ich finde die Mastanlage stinkt und ich will sie nicht vor meinem Dorf oder ,Ich find es nicht richtig, wie die Tiere da gehalten werden", sagt Steinhäuser. Er selbst ist schon oft zu Rate gezogen worden, wenn es um den Neubau eines Steges, einer Mastanlage oder eines Hotels ging. "Seit zwei Jahren nehm ich mich da ein wenig zurück, sonst tritt die Freude am Naturschutz hinter der Schreibtischarbeit zurück, weil man sich nur noch mit Paragrafen auseinandersetzt", sagt er.

Bei allem Engagement für Tiere und Pflanzen - der Naturgenuss soll nicht hintenan stehen. "Ich versuche, das, was ich für die Natur empfinde an andere weiterzugeben", sagt Steinhäuser. Ob bei Vorträgen zur Retzower Heide oder bei Wanderungen zur Ziegenmelkerbalz - mit viel Herz bringt er selbst Laien dazu, auf den ersten Blick unscheinbare Landstriche wie die Retzower Heide wertzuschätzen und deren Vielfalt zu erkennen. Augenmerk legt er vor allem auf eines: "Wichtig ist, dass die Leute den Naturschutz nicht als Bedrohung verstehen. Klar gibt es behördliche Vorschriften. Aber Naturschutz sperrt uns nicht aus", sagt er. Schutzmaßnahmen müsse man den Menschen jedoch verständlich vermitteln. Um hochtrabende Fachtermini macht Steinhäuser einen Bogen. Natürlich habe die Wissenschaft ihre Berechtigung, aber "Naturschutz ist für mich auch eine emotionale Sache", sagt er. Vorbilder findet er in Naturschutzvorreitern wie Walter Dahnke. Dessen Werke seien mehr, als bloße Theorie gewesen. "Es war lebendige Natur und nicht die trockene Wissenschaft", sagt Steinhäuser. Umso erfreuter war er, als er nun vom Kreistag mit dem Walter-Dahnke-Preis - einer im Zeichen des großen Naturkundlers stehende Auszeichnung - geehrt wurde. "Ich hoffe, das Preis auch im neuen Großkreis fortgeführt wird und dass es eine politische Mehrheit dafür gibt, das System von Naturschutzwarten und Naturschutzbeirat beizubehalten", sagt er. Das habe sich nämlich bewährt. Mehr noch, als der Preis, hat ihn aber ein Ereignis vor der Verleihung gefreut: Seit drei Jahren kommen immer wieder Wiedehopfe in Retzower Heide. Für sie wurden Kästen aufgehängt. "Wenige Tage vor der Preisverleihung hab ich den ersten Wiedehopf vor einem solchen Kasten gesehen. Es wär für mich das größte, wenn in diesem Jahr einer brüten würde." Solche Erfolge erhofft er sich auch für seinen Lieblingsvogel. "Wenn es klappen würde, das am Plauer See mal wieder drei Rohrdommeln hupen, das wär schön. Nicht, dass der Moorochse einmal aus dem Land der Abenteuer und Legenden kommt", sagt Udo Steinhäuser.

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