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Lokales

25. September 2017 | 02:30 Uhr

Farbbeutel-Attacke auf homosexuelles Paar

vom

svz.de von
erstellt am 08.Jun.2010 | 07:28 Uhr

Wendisch Priborn | Die Täter kamen in der Nacht: Unbekannte haben in Wendisch Priborn ein Wohnhaus mit Farbbeuteln beworfen. Als Ehrenfried Christian Bock und sein Lebensgefährte Hubertus Weidemann am gestrigen Morgen ihr Haus verlassen, trauen sie ihren Augen kaum: Die komplette Fassade ist mit roter Farbe beschmiert, im Vorgarten liegen Scherben und geplatzte Farbbeutel. Auch Buttersäure muss im Spiel gewesen sein, vermutet Bock, den der Gestank sei unerträglich gewesen.

"Das hat mich sehr betroffen", sagt Klaus Fengler. "Ich war stolz darauf, dass wir in den vergangenen Jahren so gut wie keine Randaliereien hatten", so der Bürgermeister von Wendisch Priborn weiter. Noch sind die Täter nicht gefasst. Ehrenfried Christian Bock vermutet, dass seine Homosexualität einer der Gründe für den Anschlag sein könnte. "Im Dorf fällt es überhaupt nicht ins Gewicht, dass die Beiden schwul sind", sagt hingegen Fengler. Bock hat da andere Erfahrungen gemacht. Sein Leben lang sei er mit Vorurteilen konfrontiert gewesen, hatte gehofft, dass er in Wendisch Priborn endlich Ruhe findet. "Aber es ist nie vorbei. Man wird immer angeguckt, als ob man vom Mars kommt", sagt Bock ernüchternd. Zwar komme er mit vielen Dorfbewohnern gut aus - "gerade mit der älteren Generation" - doch gebe es auch einige wenige, die ihm und seinem Lebensgefährten hier das Leben schwer machen. "Dabei habe ich mich doch schon von allem zurückgezogen, besuche keine Veranstaltungen mehr", sagt Bock. "Wir wollen doch nur unsere Ruhe.

Seine Homosexualität sei nicht das Einzige, was die Täter zu dieser Aktion veranlasst haben könnte. "Neid spielt bestimmt eine Rolle", sagt Bock. Vor drei Jahren hat er in Hannover alles aufgegeben, um sich gemeinsam mit seinem Lebensgefährten ein kleines Paradies aufzubauen. Aus einem leerstehenden Bauernhaus entstand eine ansehnliche Oase. Das sorgt für Zündstoff. "Dabei hab ich ein Leben lang dafür gearbeitet", sagt Bock. Auch dass er sich gegen Lärmbelästigungen in der Nachbarschaft zur Wehr setze, stoße nicht auf Gegenliebe. Warum die Täter den Anschlag begingen, ist bislang aber noch unklar. "Ich habe keine ruhige Minute mehr. Man muss ja nun mit allem möglichem rechnen", sagt Bock. Diese Befürchtungen teilt auch Bürgermeister Klaus Fengler. Solange nicht klar sei, wer die Täter sind und warum sie die Farbbeutel-Attacke begangen haben, sei auch er in Sorge. "Man fragt sich: Was wollen die damit bewirken? So löst man keine Probleme", sagt der Bürgermeister. Er warnt zugleich vor vorschnellen Verdächtigungen und rät seinen Bürgern, Differenzen durch Gespräche zu klären, statt sich zu solchen Aktionen hinreißen zu lassen. Die Plauer Polizei hat indes die Ermittlungen aufgenommen.

Wie es für Ehrenfried Christian Bock weitergeht, weiß er noch nicht genau. "Wenn ich das alles vorher geahnt hätte, wär ich doch nie hierher gezogen. Ich überlege jetzt, das Haus zu verkaufen. Wenn ich meinen Lebenspartner nicht hätte, hätte ich hier ohnehin schon längst alles aufgegeben", sagt er bedrückt.

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