Familienfreundlichkeit in MV – eine Handvoll Beispiele

Kinderbetreuung Tag und Nacht: In Mecklenburg-Vorpommern gibt es bereits zwei  24-Stunden-Kitas.dpa
Kinderbetreuung Tag und Nacht: In Mecklenburg-Vorpommern gibt es bereits zwei 24-Stunden-Kitas.dpa

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13. März 2013, 10:27 Uhr

Begrüssungsgeld 1: Eine Insel der Kinderfreundlichkeit

Der wohl familienfreundlichste Bürgermeister von Mecklenburg-Vorpommern ist auf der Insel Rügen zu Hause. Michael Burmeister, Oberhaupt der 1100-Einwohner-Gemeinde Poseritz auf Deutschlands größter Insel, nutzt ein Gutteil seiner monatlichen Aufwandsentschädigung, um jungen Eltern eine Freude zu machen. Für jedes Neugeborene zahlt er ein Begrüßungsgeld von 500 Euro, in 100-Euro-Scheiben bis zum fünften Geburtstag. Bedingung: Die Kinder müssen in Poseritz gemeldet sein und dort die Kindertagesstätte besuchen. Burmeisters Credo: „Eine Gemeinde hat nur eine Zukunft, wenn sie auch kinder- und familienfreundlich ist.“ Bereits 26 Babys hat der spendable Kommunalpolitiker honoriert. Sogar Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) wurde auf den Insulaner aufmerksam: „Ihr großzügiger Beitrag ist ein Geschenk für die gesamte Gesellschaft“, schrieb sie in einem Brief an den Bürgermeister.

Begrüssungsgeld 2: Ein Chef, der 700 Euro in jede Wiege legt

Dass er viele junge Kolleginnen und Kollegen im Unternehmen hat, das lässt sich Andreas Scher regelmäßig etwas kosten. Im Schweriner IT-Unternehmen Plantic IC GmbH wird jedes Mitarbeiter-Baby mit einem Willkommensgeschenk von 700 Euro begrüßt. „Wir freuen uns über Nachwuchs und wollen unseren Mitarbeitern zeigen, das sie uns etwas wert sind“, sagt der Geschäftsführer. „Das machen wir schon immer so.“ Früher gab es 700 Mark pro Baby-Nase, seit die Prämie versteuert werden muss, sind es 700 Euro. Das jüngste Firmen-Baby kam am vergangenen Wochenende auf die Welt, im vergangenen Jahr wurden sogar einmal Zwillinge geboren. Die Firma, die 1994 gegründet wurden, beschäftigt 50 Mitarbeiter am Firmensitz in der Landeshauptstadt. Im Jahr 2011 erhielten Andreas Scher und sein Team den Unternehmenspreis des Landes in der Sparte „Fachkräftesicherung und Familienfreundlichkeit“.

24-Stunden-Kita: Morgens um fünf in Mecklenburg-Vorpommern

Hierzulande ist Kinderbetreuung nach wie vor eher Regel als Ausnahme, im Bundesvergleich gehört Mecklenburg-Vorpommern zu den Länder mit den meisten Kita-Kindern und dem besten Platzangebot. Im vergangenen Jahr wurde jedes zweite Kind unter drei Jahren in Krippe oder Tagespflege betreut. Bei den Drei- bis Fünfjährigen besuchen 98,5 Prozent eine Tagesstätte. Fast zwei Drittel aller Grundschulkinder sind im Hort angemeldet.

Dabei werden die Öffnungszeiten immer mehr auf die Ansprüche berufstätiger Eltern zugeschnitten, etwa für Schichtdienste: So gibt es in Schwerin und Neubrandenburg die ersten beiden Kindertagesstätten, die 24 Stunden geöffnet haben. Zudem steigt nach Auskunft aus dem Sozialministerium die Zahl der Einrichtungen mit extralangen Betreuungszeiten. Im „Spielhaus Kunterbunt“ Waren oder im „Leuchtturm“ in Schwerin geht es schon um 5 Uhr in der Frühe los. Das „Gewächshaus“ in Rostock und die „Schatzinsel“ in Göhren- Lebbin schließen erst um 20.30 beziehungsweise 21 Uhr. Das Ministerium geht davon aus, dass die „Randzeiten-Betreuung“ weiter ausgebaut wird.

Betreuungszuschuss: Kleine Finanzspritze für den Betreuungsplatz

Zu den Arbeitgebern im Land, die sich finanziell an der Kinderbetreuung beteiligen, gehört das Maritim Hotel im Kaiserbad Heringsdorf. Mit dem monatlichen Gehalt erhalten die Angestellten „eine kleine Unterstützung“ für die Kosten von Krippen-, Kindergarten- oder Hortplätzen, wie Hoteldirektor Uwe Hanusch erklärte. Die Internetseite des „Kompetenzzentrums Vereinbarkeit Leben in MV“ führt den Beherbergungsbetrieb als gutes Beispiel für ein familienfreundliches Unternehmen auf. Bereits seit etlichen Jahren werde der Obolus gezahlt, so Uwe Hanusch. Aus Sicht des Hotelchefs sei das als bescheidener Beitrag gegen den demografischen Wandel gedacht und als Unterstützung für wachsende Zahl alleinerziehender Frauen.

Mit Kind ins Büro: Schreibtisch trifft Wickelkommode

Ein Kinderbett im Büro? Eine Wickelkommode neben dem Schreibtisch? Bauklötze am Computer? Um ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Betreuung kranker Kinder oder Enkel zu erleichtern, bieten einige Behörden und Unternehmen im Land speziell eingerichtete Büros an. Beispielsweise die Stadtwerke in Neubrandenburg und Neustrelitz. Ist ein Kind zu krank für die Kindertagesstätte, aber noch nicht krank genug für strenge Bettruhe, kann es einen Tag mit Eltern- oder Großeltern zur Arbeit gehen. Eine Idee, die auch in der Landesverwaltung Befürworter gefunden hat: Innen-, Bildungs- und Wirtschaftsministerium haben bereits entsprechende Zimmer eingerichtet, zuletzt zog das Verkehrsministerium nach. mart

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