Falter-Nachwuchs wird abgesaugt

<strong>Nando Schult</strong> saugt ein Gespinst von einem Eichenast ab.<fotos>uwe köhnke</fotos>
1 von 2
Nando Schult saugt ein Gespinst von einem Eichenast ab.uwe köhnke

svz.de von
21. Juli 2010, 07:19 Uhr

ludwigslust | Männer in Schutzanzügen und mit übergestülpten Plexiglashelmen machen sich derzeit in Ludwigsluster Baumkronen zu schaffen. Die Mitarbeiter einer Grabower Spezialfirma rücken dem Eichenprozessionsspinner zu Leibe. Sie tun das mit dem Saugrohr eines überdimensionalen Staubsaugers.

Das ist nach Auskunft von Stadtförster Karl-August Ihde gegenwärtig die einzige Methode, der Gesundheitsgefahr Herr zu werden. Die Raupen sind verpuppt und hängen zusammengeballt zu Gespinsten an den Ästen. Gift kann ihnen zu dieser Jahreszeit nichts anhaben. Die Nester verraten aber, wo sich der Eichenprozessionsspinner häuslich eingerichtet hat. "Wir sind jetzt in der Feststel lungsphase", nennt es Karl-August Ihde. Im nächsten Frühling kommen die Baumpfleger mit dem Sprührohr wieder. Dann sind die Raupen verwundbar.

Nico Harder und Nando Schult lächeln wissend, wenn sie auf die Sommerhitze und ihre Schutzanzüge angesprochen werden. Die jungen Männer sind Treeworker oder eingedeutscht Baumarbeiter. Das ist nach Aussagen der beiden zwar noch kein anerkannter Beruf, befähigt sie aber, fachgerecht mit den Plagegeistern in den Baumkronen umzugehen. Elf junge Eichen sind am Bolzplatz des Ludwigsluster Timp horstweges von dem Forstschädling befallen. Nur das geschulte Auge kann die kleinen Gespinste erkennen. Größer geworden, fallen sie dagegen sofort ins Auge. Nando Schult zeigt auf einen starken Eichenast im unteren Teil der Baumkrone. In der Nähe einer Gabelung befindet sich so ein unscheinbares Gespinst, dem die beiden Männer gerade den Garaus machen. Nando Schult zieht den Reißverschluss seines Schutzanzuges hoch und stülpt den Helm über. Sein Kollege Nico Harder hat die Arbeitsplattform des Lkw in die Nähe des Nestes bugsiert. Das Absaugen nimmt nur Sekunden in Anspruch, doch Sorgfalt ist angesagt. Über die Gefährlichkeit der Raupen dieses Falters hat SVZ in den letzten Wochen mehrfach berichtet. Das Gewürm trägt winzige Härchen auf der Oberfläche, die gern durch die Luft fliegen und unangenehmen Juckreiz auslösen. Eingeatmet, können Bronchitis, schmerzhafter Husten oder Asthma die Folge sein.

Deshalb hat Karl-August Ihde einen Warnzettel am Weg zum Bolzplatz angebracht. Darum hebt er die sehr gute Zusammenarbeit mit Dr. Ute Greitens, der Leiterin des Fachdienstes Gesundheit in der Kreisverwaltung, hervor. Wenn es um die Zurückdrängung des Eichenprozessionsspinners geht, ist koordiniertes Vorgehen der Behörden von Nutzen. Diese Falterart ist relativ neu in der Region. Im vergangenen Jahr sei sein Auftreten im Raum Lübtheen beobachtet worden, so Stadtförster Ihde. Die Natur werde einige Zeit für die Regulation brauchen. Die wird sie nutzen und Populationen der natürlichen Feinde des Eichenprozessionsspinners, wie Wanzen oder Schlupfwespen, ansteigen lassen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen