Bützower Stadtvertreter entscheiden über Steuererhöhung : Falscher Weg: 96 statt 60 Euro für den Hund?

Dietmar Bonny (r.), Landeschef des Tierschutzbundes, und Landwirtschaftsminister Till Backhaus  strahlten hier noch bei der Eröffnung des Hundehauses im Tierheim Schlage. Das war vor zwei Jahren. Heute ist der Tierschützer sauer, dass die aus seiner Sicht  verfehlte Finanzpolitik auch auf dem Rücken der Tierhalter ausgetragen wird. Archiv
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Dietmar Bonny (r.), Landeschef des Tierschutzbundes, und Landwirtschaftsminister Till Backhaus strahlten hier noch bei der Eröffnung des Hundehauses im Tierheim Schlage. Das war vor zwei Jahren. Heute ist der Tierschützer sauer, dass die aus seiner Sicht verfehlte Finanzpolitik auch auf dem Rücken der Tierhalter ausgetragen wird. Archiv

Am Montag entscheiden die Bützower Stadtvertreter über eine neue, höhere Hundesteuer. Dietmar Bonny, Vorsitzender des Landesverbandes des Deutschen Tierschutzbundes, ist darüber stinksauer.

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05. November 2010, 09:24 Uhr

Bützow/Kambs | Am Montag entscheiden die Bützower Stadtvertreter über eine neue, höhere Hundesteuer. Dietmar Bonny, Vorsitzender des Landesverbandes des Deutschen Tierschutzbundes, ist darüber stinksauer.

"Wenn in Bützow 96 statt bisher 60 Euro für den ersten Hund gezahlt werden sollen, ist das eine Steuererhöhung von über 50 Prozent", rechnet der Kambser vor. "Das ist Raubrittertum", wettert der Tierschützer weiter. Er habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass die Geldnöte der Gemeinden auf dem Rücken der Hundehalter ausgetragen werden sollen.

Zumal dieses Geld ja nicht dort ankommt, wo es benötigt wird. Dietmar Bonny befürchtet, dass damit die Tierheime im Land weiter unter Druck geraten, weil wieder mehr Tiere ausgesetzt oder abgegeben werden. Der Landeschef weiß, wovon er spricht. Schließlich ist er auch Vorsitzender des Tierschutzvereins Rostock, der das Tierheim in Schlage betreibt. "Schon jetzt sind die Heime überfüllt. Es geht um die Existenz dieser Einrichtungen, die sich vor allem von Spenden tragen", sagt Bonny.

Norbert Schlösser, Projektleiter im Tierheim Schlage bestätigt. "Unsere Einrichtung ist für rund 200 Tiere ausgelegt. Doch mittlerweile nähern wir uns schon wieder der 400er-Grenze." Allein 70 Hunde werden in Schlage betreut, vor allem ältere, die besonders hohe Kosten verursachen und schwer zu vermitteln sind. "Es heißt doch nicht umsonst Steuern. Es muss aber in die richtige Richtung gesteuert werden", sagt Schlösser. Mehr Geld von den Hundebesitzern zu verlangen, sei aus seiner Sicht der falsche Weg.

Angesichts klammer Kassen werden die Gemeinden aufgefordert, ihre Einnahmen zu erhöhen. Dazu gehört auch die Hundesteuer. In Baumgarten lehnte eine Mehrheit die Gemeindevertreter das vor knapp zwei Wochen ab. In Bützow steht eine Entscheidung am Montag an. 96 Euro für den ersten, 132 für den zweiten, 156 für jeden weiteren Hund sowie 504 Euro für einen gefährlichen Hund sind geplant. Begründet werden höhere Steuern auch damit, die Anzahl der Tiere einzugrenzen, zu regulieren. Norbert Schlösser hält entgegen: "Es müsste vielmehr dem Hundebesitzer angeboten werden, wenn er sein Tier mit einem Chip, der unter die Haut eingesetzt wird, kennzeichnet, die Steuern z.B. für ein Jahr zu erlassen. Gleiches könnte für Tiere festgeschrieben werden, die kastriert bzw. sterilisiert werden."

Höhere Steuern führen vielmehr dazu, dass sich Menschen die Tiere nicht mehr leisten können, sie aussetzen oder abgeben. "Wir Tierheime, die nur durch das ehrenamtlicher Engagement von Tierfreunden ihre Arbeit verrichten können, kommen so in Existenznot", sagt Schlösser. Die Politik und die Kommunalpolitiker müssten weiterdenken. Tierschutz sei gesetzlich verankert, eine Pflichtaufgabe. Gehen die Tierheime kaputt, müssten sich die Kommunen selbst um Fundtiere kümmern. "Das wird auf die Dauer dann viel teurer."

Dietmar Bonny geht einen Schritt weiter. Er droht Kommunen, die ihre Hundesteuern erhöhen, dass ihnen die Kosten für die Unterbringung von Fundtieren voll in Rechnung gestellt werden. Mit 13, 14 Euro pro Tag beziffert Schlösser diese Kosten. Bisher zahlen Gemeinden und Ämter je nach vertraglicher Regelung nur eine Pauschale an Tierheime.

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