Fall Anne bleibt rätselhaft

Foto aus Schweriner Tagen: Anne Hondelmann auf dem Spielplatz am Franzosenweg.
Foto aus Schweriner Tagen: Anne Hondelmann auf dem Spielplatz am Franzosenweg.

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29. Juni 2010, 11:14 Uhr

Schwerin/Bargteheide | Hat sie sich eine Auszeit genommen? Wurde sie Opfer eines Verbrechens? Hat die Polizei zu lasch reagiert? Oder handelt es sich bei dem einwöchigen Verschwinden der 25-jährigen Anne Hondelmann vielleicht sogar um eine öffentlichkeitswirksame Inszenierung? Fakt ist, dass die Polizei mit ihren Ermittlungen "bei Null" steht, so Sonja Kurz, Sprecherin der zuständigen Polizeidirektion Ratzeburg, gestern gegenüber SVZ. Die junge Frau und ihre Familie würden weiter vernommen, die Hintergründe des Falls seien nach wie vor unklar.

Annes Spur hatte sich am 20. Juni nach einem Besuch bei ihrem Ex-Freund in Schwerin, wo sie selbst vier Jahre lang gelebt und als Arzthelferin gearbeitet hat, auf der Zugfahrt ins schleswig-holsteinische Bargteheide bei Hamburg verloren. Eine SMS an ihren Ex-Freund, abgeschickt in Höhe Ahrensburg, galt als ihr letztes Lebenszeichen. Vergangenen Sonntag tauchte die 25-Jährige dann plötzlich wieder bei ihren Eltern in Bargteheide auf.

Das Verhältnis zwischen Polizei und der Familie Hondelmann bleibt unterdessen angespannt. An einer von den Angehörigen vergangene Woche auf eigene Faust organisierten Suche mit einer Hundestaffel wollten sich die Beamten nicht beteiligen. "Es liegt bis auf den heutigen Tag nicht einmal der Anfangsverdacht einer Straftat oder einer Gefahr vor, die gedroht haben könnte", sagt Polizeisprecherin Kurz. Kritik, die Ermittler hätten nicht ausreichend gehandelt, sei unangebracht, sagt die Sprecherin. "Wir hatten keinen konkreten Ort, an dem es Sinn gemacht hätte, Spürhunde einzusetzen", so Kurz. "Irgendwo in Ahrensburg herumschnüffeln zu lassen, hätte nichts gebracht." Schließlich hätte Anne auch in New York, Timbuktu oder sonstwo auf der Welt sein können. Unglücklich ist die Polizei auch über die Suche nach Anna mit einer von Freunden eingerichteten Homepage (www.suche-anne.de), die bis gestern mehr als 600 000 Mal angeklickt wurde und bundesweit großes Echo in so genannten sozialen Internet-Netzwerken wie Twitter, Facebook, Xing und StudiVZ auslöste. "Ich kann die Eltern in ihrer Sorge verstehen", sagt Sonja Kurz. Doch die große Öffentlichkeit behindere die polizeilichen Ermittlungen. "Aussagen könnten verfälscht sein, weil die Befragten durch die vielen Meinungsäußerungen voreingenommen sind."

Familie Hondelmann selbst hatte vergangene Woche indes verlauten lassen, es sei ihr "wurscht", was die Polizei von ihren Aktivitäten halte.

Im Internet mehren sich derweil die Zweifel an der Suchaktion. Die Fotos von Anne seien zu professionell, die Website merkwürdig schnell online gewesen, heißt es dort. Alles nur eine Werbekampagne für die junge Frau? Oder eine Marketing-Kampagne für ein Unternehmen? Schließlich sei der Initiator der Anne-Website der Geschäftsführer einer Telefonmarketing-Firma, merken Kritiker an. Jan-Hendrik Damerau, der im Impressum der Internetseite als Verantwortlicher steht, weist solche Spekulationen zurück: "Es handelt sich um keine PR-Aktion." Annes Mutter sei seine Kollegin und er habe die Seite erstellt, um zu helfen.

Löst sich das Rätsel im Fall Anne heute? Die Polizei hat weitere Informationen angekündigt.

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