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Lokales

22. November 2017 | 12:20 Uhr

Faire Löhne als Standortfaktor

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erstellt am 10.Okt.2010 | 08:07 Uhr

Schwerin | Kursänderung in der Wirtschaftsförderung: Angesichts des drohenden Fachkräftemangels sollten Lohnkostenzuschüsse künftig nur noch für Investitionen mit attraktiven Arbeitsplätzen gewährt, Jobs mit Billiglöhnen von der Wirtschaftsförderung hingegen ausgeschlossen werden, forderte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) im Vorfeld der morgigen Verhandlungsrunde im Bündnis für Arbeit. "Attraktive Arbeitsplätze sind angesichts der demografischen Entwicklung das Maß aller Dinge", sagte DGB-Landesvize Ingo Schlüter. Ansiedlungen, die die Beschäftigten direkt in die Hilfe zur Grundsicherung treiben, nützten nichts. Deshalb dürfe künftig nicht mehr jeder Job gefördert werden. "20 Jahre ist die Wirtschaftsförderung so ausgerichtet worden, dass sie das Land für Investoren und Arbeitgeber interessant macht. Zukünftig muss es darum gehen, Mecklenburg-Vorpommern für Arbeitnehmer und Schulabgänger interessant zu machen", sagte Schlüter.

Zahl der Erwerbspersonen sinkt um ein Drittel

Um die demografische Entwicklung und die folgenden Arbeitskräfteprobleme abzumildern, will der Gewerkschaftsbund vor allem an der Lohnschraube drehen. Gute Löhne für gute Arbeit - Pendler könne man nur ins Land zurückholen, wenn sie in MV mindestens ebenso viel verdienten wie bei ihren westdeutschen Arbeitgebern, ihnen sichere Job und Karrierechancen geboten werden, sagte Schlüter. Sie werden in MV künftig dringend gebracht: In den Unternehmen werden die Arbeitskräfte knapp. Prognosen zufolge wird in MV die Zahl der Erwerbspersonen bis 2025 um ein Drittel sinken. Die Tourismusbranche bekommt die Entwicklung bereits heute zu spüren. Betroffen werden aber auch das Handwerk und die Pflegeberufe sein.

Die Sozialpartner und die Landesregierung steuern jetzt gegen. Auf der Grundlage des bis 2013 geltenden Bündnisses für Ausbildung und Qualifizierung wollen sie ein Fachkräftebündnis schmieden. Einer der wichtigsten Bestandteile: Faire Löhne, forderte Schlüter. Das Land hat indes erste Konsequenzen gezogen: Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) hob bereits die Schwelle für die Lohnkostenförderung der Beihilfeprogramme der so genannten Gemeinschaftsaufgabe zur Förderung der regionalen Wirtschaftsstruktur an. So muss der jährliche Arbeitgeberbruttoverdienst künftig mindestens 25 000 Euro statt bisher 20 000 Euro betragen.

Ein erster richtiger Schritt, meinte Schlüter. Dennoch: "Die Landesregierung hat inzwischen verstanden, dass mit einem Billiglohnimage, das auf einer Billiglohnrealität basiert, die Herausforderungen der Zukunft nicht gemeistert werden können." Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) drängt in der Bündnisrunde die Sozialpartner, Wege zu suchen, das Niedriglohnimage abzustreifen. Qualifizierte Fachkräfte müssten vernünftig entlohnt werden. "Die Unternehmen müssen Vorsorge treffen, damit sie ihre Fachkräfte nicht verlieren", meinte der Regierungschef. "Faire Löhne werden künftig ein entscheidende Standortfaktor", erklärte DGB-Chef Schlüter.

Wirtschaft: Lohnfragen Sache der Tarifpartner

Während der DGB attraktive Arbeitsplätze in den Mittelpunkt des neuen Fachkräftebündnisses stellen will, lässt die Wirtschaft ein klares Bekenntnis zu fairen Löhnen für gute Arbeit noch vermissen und bleibt damit deutlich hinter den Unternehmerkollegen in Thüringen zurück, die in einer gemeinsamen Erklärung der Sozialpartner und der Landespolitik faire Löhne und Gehälter als Standortfaktor erkannt haben. In MV heißt es hingegen: Das habe in einem Fachkräftepakt nichts zu suchen und sei Sache der Tarifpartner, erklärte Lothar Wilken, Chef der Vereinigung der Unternehmensverbände (VUMV). Zunächst müssten die Fachkräfte gesichert und die Wertschöpfung pro Arbeitsplatz erhöht werden, forderte er. "Es kann nur das verteilt werden, was erwirtschaftet wurde." In der Vereinigung der Unternehmensverbände setzt man bislang vor allem auf den Markt, der für entsprechende Lohnanpassungen sorgen werde.

Die Unternehmer bekennen sich zwar zu einem Fachkräftepakt. "Wir brauchen jeden Jugendlichen", sagte der VUMV-Chef. Aber auch ältere Mitarbeiter müssten länger im Betrieb gehalten werden. Schwerpunkte eines Fachkräftebündnisses müssten deshalb vor allem ein optimaler Übergang von der Schule ins Berufsleben mit besserer Frühorientierung und dem Einsatz von Ausbildungscoachs in den Betrieben, die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sein, aber auch die Gesunderhaltung Älterer sowie das lebenslange Lernen sein, erklärte Wilken. "Es gibt keinen Königsweg, es sind viele Puzzleteile notwendig."

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