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Lokales

16. August 2017 | 23:37 Uhr

Fahrten nach Wittenförden reduziert

vom

Wittenförden | Am Sonntag tritt der neue Fahrplan des Schweriner Nahverkehrs in Kraft. Einige Wittenfördener sind schon jetzt mächtig sauer. Der Grund: Im neuen Fahrplan sind einige Bus-Verbindungen zwischen Schwerin und Wittenförden ersatzlos gestrichen worden.

"Das sehe ich nicht ein", ärgert sich Jana Sabas. Sie fährt seit eh und je mit dem Bus zwischen ihrem Wohnort Wittenförden und dem Arbeitsort Schwerin. Und auch ihr 15-jähriger Sohn Nicolas, der die Gesamtschule in Schwerin auf dem Großen Dreesch besucht, ist Fahrgast. Vormittags werden die Fahrtzeiten wie gehabt angeboten. Aber am Nachmittag wurden Linien ausgedünnt. "Bislang fährt der erste Bus am Nachmittag um 13.54 Uhr und dann alle halbe Stunde von Schwerin nach Wittenförden. Künftig soll er erst um 14.24 Uhr fahren und dann nur noch zur vollen Stunde."

Ihr Sohn habe um 15.30 Uhr Schulschluss. Er sei dann immer mit der Straßenbahn vom Dreesch zum Platz der Freiheit gefahren und in den Bus der Linie 12 eingestiegen, der um 15.54 abfuhr. Das habe super gepasst. Künftig werde ihr Sohn aber eine halbe Stunde an der Bus-Haltestelle warten müssen und erst um 16.25 Uhr nach Hause fahren können, so die Wittenfördenerin.

Und auch sie selbst sei von der neuen Regelung betroffen. Bislang hatte sie am Nachmittag drei Busse zur Auswahl, die sie nach der Arbeit nehmen konnte. Das sei sehr gut gewesen, bemerkt sie. Denn mitunter habe sie nach der Arbeit noch schnell etwas in der Stadt zu erledigen, so dass sie problemlos den nächsten Bus nehmen konnte, der eine halbe Stunde später fuhr. Ihre Familie ist vor elf Jahren von der Landeshauptstadt auf das Dorf gezogen. Damals habe die Gemeinde mit der guten Infrastruktur geworben, betont Jana Sabas. Dazu zählte auch die gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Doch jetzt soll es Einschränkungen geben, ist Jana Sabas verärgert. Das wolle sie so einfach nicht hinnehmen. Schließlich habe sie damals auch viel Geld für das Bauland in Wittenförden bezahlen müssen, sagt sie. Ihre Argumente für die Beibehaltung des alten Fahrplanes trug sie auch dem Bürgermeister vor. Sie wisse, dass auch andere Wittenfördener den neuen Fahrplan nicht gut heißen.

So meldete sich auch unser Leser Johannes Menting aus Wittenförden zu Wort. Er schreibt: Pünktlich zum Schulbeginn entfallen die stark frequentierten Verbindungen um 13.54 Uhr, 14.54 Uhr, 15.54 Uhr und 16.54 Uhr jeweils ab Platz der Freiheit. "Dieses wird insbesondere für Schüler zu erheblichen Wartezeiten führen. Entfallen werden auch die Abendverbindungen um 20.01 Uhr und 21.13 Uhr, wobei letztere nach meiner Erfahrung eher wenig genutzt wurden."

Reduziert wurden die Fahrten, weil der Landkreis Ludwigslust als Auftraggeber einige abbestellt hat. Denn die Gemeinde hatte zuvor entschieden, dafür nicht mehr Geld bereitzustellen. "Wir haben der Gemeinde auf deren Wunsch die Fahrgastzahlen vorgelegt", sagt Franka Meyer, Leiterin Verkehrswirtschaft beim Nahverkehr. Die Busse sind auf keiner Linie voll ausgelastet. So habe sich die Gemeinde letzten Endes für eine Takt-Ausdünnung ausgesprochen, um den Busverkehr am Wochenende nicht komplett einstellen zu müssen oder die letzten Fahrten weiter vorzuziehen.

Wittenfördens Bürgermeister Ralph Nemitz verteidigt die Fahrtenkürzung. "Wir hatten bislang einen sehr komfortablen Fahrplan." Nach diesem fährt der Bus täglich 23 mal hin und zurück. Jetzt fährt er 16 mal. "Ich finde, das ist immer noch eine gute Anbindung an die Stadt. Wenn ich diese mit dem Nachbarort Grambow vergleiche, schneidet Wittenfördern weitaus besser ab."

Die Gemeinde habe im Vorjahr rund 17 000 Euro für den öffentlichen Nahverkehr dazugegeben. In diesem Jahr sollten es schon mehr als 20 000 Euro sein, wenn der alte Fahrplan so geblieben wäre. "Wir leisten jetzt unseren Beitrag wieder mit 17 000 Euro. Mehr können wir aber nicht aufbringen. Wir bekommen weniger Zuweisungen, müssen erstmals aber eine Stadt-Umland-Umlage in Höhe von 105.000 Euro an Schwerin zahlen, weil die Stadt Infrastrukturleistungen für die umliegenden Dörfern vorhält. Meiner Ansicht nach gehören die Dienstleistungen des Nahverkehrs dazu."

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erstellt am 19.Aug.2010 | 06:21 Uhr

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