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Warnemünde : Fährbecken: Fachleuten reicht es jetzt

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Es formiert sich Widerstand gegen die Zuschüttung und Zerstörung dieses wichtigen Areals / Experten vereinbaren Termin für die Öffentlichkeit

svz.de von
erstellt am 12.Jan.2014 | 04:00 Uhr

Weil die Ostmole des alten Warnemünder Fährbeckens scheinbar nicht mehr standsicher und einsturzgefährdet ist, lässt die Wiro sie sanieren. Eine Ramme ist bereits da, um die Vorarbeiten für die neue Spundwand auszuführen. Dass dieses historisch bedeutsame Gebiet dann komplett zugeschüttet werden soll, löst jetzt massiven Protest von Fachleuten aus.

Erstmals meldet sich auch Rostocks ehemaliger Stadtarchitekt Christoph Weinhold zu Wort. „Ich habe mich nach meinem Ausscheiden aus meinem Amt bewusst mit Statements zurückgehalten“, sagt der langjährige Amtsleiter. „Aber an dieser Stelle kann ich nicht mehr schweigen. Das Vorgehen und der Plan vom Zuschütten sind für mich nicht mehr nachvollziehbar, selbst wenn eine Sanierung notwendig ist“, sagt der Experte. Das Becken sei wegen seiner Geschichte schützenswert. Es sei schade, dass es nicht unter Denkmalschutz steht. „Nach einer Zuschüttung wird es zur Nullachtfünfzehn-Fläche. Das Hafenbecken an der Werft war um keinen Deut besser und ist trotzdem in Ordnung gebracht worden“, sagt er.


„Zerstörung von bedeutsamen Orten führt zum Gesichtsverlust“


Auch Prof. Peter Baumbach, der mit seinen Arbeiten Stadtgeschichte geschrieben hat, gehört zu den Gegnern der Zuschüttung. „Für mich ist es wichtig, dass sich eine Stadt ihrer kulturhistorischen Spuren erinnert und sie bewahrt“, sagt Peter Baumbach. „Die andauernde Zerstörung bedeutsamer Orte führt zum Gesichtsverlust einer Stadt. Das Wegbrechen solcher Spuren hat Rostock schon mit der ,Undine’, der ,Büchner’ und dem ,Friedrich-Franz-Bahnhof hinnehmen müssen“, sagt der Architekt. Er verhehlt nicht, dass er Zweifel am Gutachten hegt, mit dem scheinbar offenbar Tatsachen geschaffen werden sollen, um Baurecht herzustellen. „Planungsrechtlich ist das vor der Erstellung eines B-Planes nicht zulässig, damit wird gültiges Recht gebrochen“, betont Peter Baumbach.

„Mit der Zerstörung der Reste der ersten europäischen Eisenbahnverbindung zwischen Berlin und Kopenhagen wird ein Teil der örtlichen Identität vernichtet“, warnt Architekt Enno Zeug. Er kritisiert, dass anhand von Bildern nach einem Tauchgang eine akute Einsturzgefahr diagnostiziert wird. „Am Herzen von Warnemünde sollte die Zeit sein, nach einer Sperrung sorgfältiger zu analysieren“, sagt er. „Hier handelt es sich nicht um ein Häuschen, das einsturzgefährdet ist, sondern um einen wichtigen Bereich der örtlichen Identität. „Die Zerstörung der Fährtaschen erfolgt exakt 111 Jahre nach der Eröffnung der ersten Eisenbahn-Fährverbindung Europas für die Schnellzüge Berlin-Kopenhagen im Jahre 1903“, ergänzt Dr. Jobst Mehlan vom Ortsbeirat. Er erinnert daran, dass es sich seinerzeit um eine Meisterleistung deutscher Ingenieurtechnik gehandelt hat, die sowohl national wie auch international breite Beachtung gefunden hat. Zur Errichtung dieser denkmalwürdigen Einrichtung wurde ab dem Jahre 1900 zweckgebunden die Mittelmole aufgeschüttet.

Für Donnerstag, 16. Januar, ist 18 Uhr eine Veranstaltung im Technologiepark zum Thema anberaumt. Dort sollen auch Unterschriften gegen das Zuschütten gesammelt werden.

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