Experte: Glühlampe besser als ihr Ruf

svz.de von
12. Februar 2011, 01:57 Uhr

Parchim | Zur Gemütlichkeit im Wohnzimmer gehören bei Kuhlows in Parchim rustikale Möbel, ein Holzkamin und stilvolle Beleuchtung. "Energiesparlampen passen einfach nicht dazu, aber die ästhetischen Probleme ließen sich lösen. Viel schwerer wiegt die Tatsache, dass es die guten alten Glühlampen bald zu Unrecht nicht mehr geben soll", so Peter Kuhlow. Und der 72-Jährige hängt an seiner traditionellen Beleuchtung aus faktenreichen Gründen. "Mit irreführenden Berechnungen wird den Verbrauchern vorgemacht, dass beim kompletten Austausch aller bisherigen Glühlampen gegen Energiesparlampen der jährliche Ausstoß von Kohlendioxid in Deutschland um rund vier Millionen Tonnen verringert werden kann. Doch das ist nur die halbe Wahrheit", meint der pensionierte Diplom-Elektroingenieur. Peter Kuhlow hat in seinem Wohnzimmer deshalb exakte Messungen durchgeführt.

Was an Elektroenergie gespart wird, erhöht die Heizkosten

Dabei hat er den Nutzungsgrad einer Leuchte mit drei Lampen gleicher Lichtleistung unter Berücksichtigung der vorhandenen und mit einem Thermostat gesteuerten Heizung analysiert. "Die Ergebnisse sind eindeutig. So brachten die herkömmlichen Lampen in der Heizzeit von September bis Mai bei täglich vier Stunden Brenndauer eine nutzbare Heizenergie von 186 KW. Die Energiesparlampen kamen nur auf knapp 30 KW", sagt Kuhlow. Sein Experiment mündet in der Erkenntnis: Der Nutzungsgrad von Glühlampen und Energiesparlampen ist bei Berücksichtigung der unterschiedlichen Heizleistung nahezu identisch. "Was beim Einsatz der mehr als gewöhnungsbedürftigen Energiesparlampen an Elektroenergie gespart wird, muss der Verbraucher in der langen Heizperiode als zusätzliche Heizkosten aufbringen", so Kuhlow. Nur in der Sommerzeit oder in unbeheizten Räumen spricht aus seiner Sicht aufgrund des niedrigen Wirkungsgrades der Glühbirne einiges gegen die herkömmlichen Lichtquellen. Bei Kuhlows gibt es auf der Außenterrasse und im Keller ganz selbstverständlich Energiesparlampen und -röhren. "Von der euphorischen Kampagne gegen die Glühlampe profitieren vor allem die Hersteller. Die problematische Umweltbelastung durch die notwendige Entsorgung verbrauchter Lampen als Sondermüll fällt dabei unter den Tisch", so der Experte. Er fordert von den Verantwortlichen ein sofortiges Umdenken, "damit später nicht das böse Erwachen folgt". In Kürze will der Parchimer, der 46 Jahre als Energieexperte bei der Optimierung von industriellen Elektroöfen weltweit gefragt war, seine Berechnungen und Schlussfolgerungen dem Bundesumweltamt zur Verfügung stellen.

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