Experimente mit Rotkohl und Chili

<fettakgl>Herzhaft: </fettakgl>Mozzarella-Pumpernickel-Torte mit  Paprika und Tomaten. Eine Kreation, die viele Fans im 'Café Naschwerk' hat.
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Herzhaft: Mozzarella-Pumpernickel-Torte mit Paprika und Tomaten. Eine Kreation, die viele Fans im "Café Naschwerk" hat.

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25. Juli 2010, 05:30 Uhr

Weberin | Nein, der Rotkohl-Apfelkuchen, der sei noch nicht perfekt. Sonst wagt Ed Schütze vom "Café Naschwerk" so ziemlich alles, was der Gaumen verträgt - und zaubert Torten, die Liebhaber von weither anziehen. Vor fünf Jahren zog der Holländer mit seiner Frau Ulrike ins kleine Dorf zwischen Schwerin und Sternberg. Sie wollten Ruhe vom Stress im Job, suchten "ein Haus am Wasser". In Weberin blieben sie, nicht wirklich am Wasser. Schon bald hätten Leute vor der Tür gestanden und gefragt: "Können wir einen Kaffee haben?" Ed Schütze schmunzelt, wenn er daran denkt. Warum nicht ein Café?

Schütze: "Ich klaue auch viel"

Ed Schütze (55) steht in der Küche und gießt flüssiges Karamell über einen Kuchen. Seine Frau Ulrike (57) serviert auf der Terrasse Kaffee, Tee und Kakao. Nur die besten Zutaten, darauf lege er wert: 100 Prozent Kakao. "Was mir schmeckt, das sollen meine Gäste auch bekommen", so Schütze. 24 Jahre lang war der gebürtige Holländer mit dem charmanten Akzent Maskenbildner, davor Tischler, Maurer, Ofenbauer... Er arbeitete auch in einer Teefabrik. "Deshalb habe ich heute gute Tees." Er kokettiert mit seiner Herkunft: "Willst du was über meine Drogenvergangenheit in Holland wissen?" Lachen. Ulrike Schütze leitet in Hamburg seit 30 Jahren eine Schule für Gesichtsgestaltung. Am Wochenende verwöhnt sie Gäste mit Preiselbeertorte auf "Ulrikes Geheimboden" oder Mon-Chou-Torte mit Krokant und Blaubeeren. Renner der Saison seien "Edjes Holunder- und Erdbeer-Basilikum-Torten" oder Kuchen mit Rose-Litschi. Leider gebe es derzeit keine Rosenblätter, sagt die Visagistin: "Sie sind alle verwelkt."

Ed Schütze ist der Künstler am Backofen. Immer wieder denkt er sich neue, originelle Rezepte aus, die er teilweise von Freunden erhalte, neu kombiniere. Ein Klassiker: Bananen-Schokoladen-Torte mit Erdnussbutter und Chili. Ein Genuss: Erst kommt die Süße, dann schiebt sich die Chilinote auf den Gaumen. Immer wieder betreten Gäste das "Café Nachwerk". "Na, klar will ich Torte", sagt ein Mann. Das sei ja der Grund für seinen Besuch. Edjes Torten sind Geheimtipp. Schütze scherzt, nimmt Besucher in den Arm, schneidet Tortenstücke ab. Dann rennt er in die Küche.

"Wir experimentieren sehr viel", sagt der 55-Jährige. Zimt, Curry, Mango - fertig ist eine neue Kreation. "Ich klaue auch viel", sagt Schütze augenzwinkernd. Dann lasse er Gäste kosten: "Ich sage: Wem es nicht schmeckt, der muss nicht bezahlen." Alle hätten bisher bezahlt. Sogar den Apfel-Rotkohl-Kuchen, den er vorher nicht als solchen deklariert habe. Verzehrt! Auch für den herzhaften Genuss gibt es Torte: Mozzarella, Pumpernickel, Zucchini, Tomate und Paprika sind vermengt. "Sehr lecker", steht auf einem Schild. Großen Wert lege er darauf, in seinen Kuchen möglichst wenig Zucker zu verwenden.

Freitags bis sonntags hat das "Café Naschwerk" im Sommer auf. Die restlichen Tage verbringe er mit einkaufen und backen, erklärt Ed Schütze. Das sei ihm fast schon wieder zu stressig. Aber die Gäste wollen Neues. Kaum zu glauben: "Ich esse keine Torte mehr", sagt der Schöpfer. "Ich kann nicht mehr." Er habe selbst viel zu oft genascht im Naschwerk - nun sogar 20 Kilo abgenommen.

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