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Lokales

26. September 2017 | 20:21 Uhr

Examen zur Warteschleife

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erstellt am 22.Jun.2010 | 07:52 Uhr

Schwerin | An Grundschulen in Mecklenburg-Vorpommern herrscht Personalnot, doch angehende Grundschullehrer melden sich nach dem ersten Staatsexamen bei der Arbeitsagentur - im Wirkungsbereich von Kultusminister Henry Tesch (CDU) gehen die schlechten Nachrichten nicht aus. Mit dem Schuljahr läuft zwar das Lehrerpersonalkonzept an Grundschulen aus und die Lehrerschaft kehrt zur Vollbeschäftigung zurück. Zudem wirbt das Ministerium mit einem Junglehrerprogramm um Nachwuchs. Dennoch haben Bewerber aus Mecklenburg-Vorpommern den Verdacht, sie seien würden nicht gebraucht.

Peggy Ellmerich, Lehramtsstudentin in Rostock, wollte sich beim Bildungsministerium, das für die Ausbildung zum zweiten Staatsexamen zuständig ist, um eine Referendariatsstelle bewerben. Zum zweiten Einstellungstermin des Jahres nach dem 1. April - dem 1. Juli - hat sie aber noch kein Abschlusszeugnis. Sie erhält es erst im Verlauf des Monats. "Das bedeutet, dass die 16 ausgeschriebenen Stellen zwangsläufig anders abgedeckt werden müssen, wahrscheinlich vorwiegend mit Studenten aus anderen Bundesländern oder Gymnasiallehrämtern", schreibt Peggy Ellmerich in einem Brief an die Redaktion. Sie muss ihre Bewerbung auf den 1. April 2011 vertagen und kommentiert die Situation mit bitterbösem Unterton: "Das Schöne ist, dass der Hartz-IV-Regelsatz nur 100 Euro unter der Vergütung vom Referendariat liegt und mir das Land so einen entspannten Winter gönnt. Jetzt habe ich endlich genügend Zeit, stricken zu lernen."

Nach Auskunft aus dem Ministerium waren zum 1. Juli 46 Referendariatsstellen ausgeschrieben: 16 an Grund- und Hauptschulen, 14 an Haupt- und Realschulen, 11 für Sonderpädagogik und 5 für Berufliche Schulen. "Insgesamt gab es 22 zulassungsfähige Bewerbungen", hieß es und mit Bezug auf die Bewerbungsrunde im April: "...dass vakant bleibende Plätze Bewerbern angeboten werden, die auf der aktuell bestehenden Nachrückerliste für das Lehramt an Gymnasien geführt sind" - vorausgesetzt sie erwerben zur Lehrbefähigung fürs Gymnasium auch die für Grund- oder Regionale Schulen. Zur Erinnerung: Im April waren mehr als 150 Anwärter auf Gymnasialreferendare leer ausgegangen und mehr als sauer das Ministerium.

Die Entscheidung für den Termin 1. Juli, der in diesem Jahr zum ersten Mal angeboten wurde, begründet das Ministerium mit den angestrebten Wechsel der Referendare in den Schuldienst nach den 24 Monaten Vorbereitungsdienst. 24 Monate nach dem 1. Juli steht erneut der 1. Juli im Kalender, so dass bis Schuljahresbeginn am 1. August das Bewerbungs- und Auswahlverfahren abgewickelt werden könne. Pech für Bewerber wie Peggy Ellmerich. Ihnen bleibt eine kleine Hoffnung: "Diejenigen, deren Prüfungen erst im Juli, also nach dem eigentlichen Einstellungstermin, stattfinden, werden kontaktiert mit dem Ziel einer Einstellung in den Vorbereitungsdienst", lässt das Ministerium wissen.

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