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Ex-Rektor im Sog der Volkssolidaritäts-Affäre

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erstellt am 06.Mai.2010 | 11:24 Uhr

Güstrow/Rostock | Im Skandal um verschwundene Millionen-Anlagen unter dem Dach der Volkssolidarität (VS) rückt Prominenz ins Rampenlicht: Die Staatsanwaltschaft Rostock ermittelt auch gegen Prof. Günter Heidorn, Vorstandschef des VS-Kreisverbandes Bad Doberan/Rostock Land. Heidorn ist eine Ikone der Wissenschaft im Land: Über ein Jahrzehnt war der Historiker auch Rektor der Universität Rostock.

"Die Staatsanwaltschaft Rostock führt Ermittlungen gegen Prof. Günter Heidorn wegen des Verdachts der Untreue", bestätigt Peter Lückemann, Sprecher der Staatsanwaltschaft in der Hansestadt. Konkreter wird er nicht - "aus ermittlungstaktischen Erwägungen". Nur so viel: Persönliche Bereicherung werde Heidorn nicht vorgeworfen; dazu fehle es "an zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkten".

1869 Anleger sind offiziell von den beiden Fonds und der Prof.-Ihlefeld-Stiftung betroffen, die bereits insolvent oder kurz davor sind (wir berichteten). Zuletzt nannte die Staatsanwaltschaft rund 7,8 Millionen Euro, um die es ingesamt gehe. Ermittlungen richten sich gegen mehrere Verantwortliche der Gesellschaften; Vorwürfe: Kapitalanlagebetrug, Insolvenzverschleppung und Untreue. Das Ausmaß der Verwicklung des Verbandes Volkssolidarität wird Stück für Stück deutlicher: Nachdem der frühere Geschäftsführer des Güstrower Kreisverbandes, Lothar V., im Zentrum des Interesses steht, sind die Staatsanwälte auch Prof. Günter Heidorn auf den Fersen. Heidorn saß als Chef des Doberaner Kreisverbandes, Gesellschafter der Pleite-Fonds, auch in Gremien, die den desolaten Zustand der Anlagen früh kannten. Dies belegen Protokolle einer Beiratssitzung der Volkssolidarität Immobilien GmbH vom Januar 2006 und einer Klausurtagung des Doberaner VS-Vorstandes vom Juni 2006, die unserer Redaktion vorliegen. Thema damals auch: drohende Insolvenz des ersten Fonds und Haftung der Volkssolidarität. In einem Prospekt warb der Immobilienfonds weit davor ausdrücklich mit dem Namen Heidorn um das Vertrauen der vor allem älteren Anleger. Hier findet sich auch der Hinweis, dass der Professor Mitglied im Bundesvorstand der Volkssolidarität sei. Genannt ist er dazu als Mitglied im Aufsichtsrat des Fonds. Heidorn, heute 84 Jahre alt, war ab 1952 Dozent an der Universität Rostock, Thema: Geschichte der Arbeiterbewegung, ab 1959 mit Professur. Von 1965 bis 1976 war er Rektor, nach Angaben der Universität von 1976 bis 1988 auch Stellvertreter des Ministers für Hoch- und Fachschulwesen in der DDR. Derzeit ist Heidorn nicht zu erreichen; er sei krank.

Forderungen nach Schadensersatz richten sich auch an den Gesamtverband, dafür gründete sich jetzt ein Opfer-Verein. Ermittelt werde aber nicht gegen die VS, so Staatsanwalt Lückemann. "Ermittlungen richten sich nur gegen natürliche Personen. Soweit Personen-Identität zwischen Verantwortlichen der VSI mbH und der VS besteht, wird auch gegen diese ermittelt."

Der Landesverband Volkssolidarität hat Mitverantwortung für die Fonds-pleiten zurückgewiesen. Seit kurzem lässt er sich in der Sache von einem Anwalt vertreten. Das musste auch die Neue Verbraucherzentrale erfahren. Auf Terminvorschläge für ein Gespräch zu den Fonds "ist eine Ablehnung gekommen", so Finanzexperte Axel Drückler. "Mehr nicht. Es gibt keine Aufklärung von denen." Rainer Blohm, Anwalt der VS, widerspricht: Der Landesverband sei zum Gespräch bereit. Post sei unterwegs.

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