Ex-Chef der Hells Angels verurteilt

Legte ein Geständnis ab: Alexander O. (33) sitzt wegen früherer Straftaten bereits im Gefängnis.georg Scharnweber
Legte ein Geständnis ab: Alexander O. (33) sitzt wegen früherer Straftaten bereits im Gefängnis.georg Scharnweber

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27. Mai 2011, 09:29 Uhr

Rostock | Wegen achtfachen gewerbsmäßigen Betrugs zu Lasten der Hartz-IV-Behörden in Rostock und Bad Doberan ist der frühere Präsident des Motorradclubs Gremium und spätere Vizepräsident der Hells Angels in Rostock zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Der 33-jährige Alexander O. gestand gestern vor dem Landgericht Rostock, bei den beiden Behörden zwischen 2005 und 2008 mit Falschangaben knapp 19 000 Euro erschwindelt zu haben. Als Motiv nannte sein Verteidiger, der das umfassende Geständnis verlas, Geldgier.

Die "Ämter" in den Motorradclubs habe Alexander O. in dieser Zeit bekleidet. Er sitzt bereits in Haft, weil er im Februar 2009 ebenfalls vom Landgericht wegen versuchter räuberischer Erpressung in Tateinheit mit Körperverletzung und erpresserischen Menschenraubes zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden war. Der Mann gab vor Gericht an, keine Funktionen in den Clubs mehr auszufüllen. Von den Hells Angels sei er sogar ausgeschlossen worden.

Laut Gericht hatte es Alexander O. unterlassen, Bareinzahlungen auf sein Konto von 65 000 Euro in dieser Zeit mitzuteilen. Auch habe er einen Oldtimer besessen und zudem für 18 000 Euro eine Harley Davidson und einen Daimler Chrysler im Wert von 19 000 Euro gekauft, ohne dies den Agenturen anzuzeigen. Zur Herkunft des ganzen Geldes wollte Alexander O. gestern nichts sagen.

Richter spricht von einer sehr milden Strafe

Die Staatsanwaltschaft vermutet dahinter jedoch Einnahmen aus dem Betrieb so genannter Modelwohnungen. Zudem habe er für 150 000 Euro ein Bordell in der Heinrich-Schütz-Straße 30 gekauft und sei ab Ende 2007 einer Beratungstätigkeit im Sicherheits- und Bewachungsgewerbe nachgegangen. Der Richter am Landgericht sprach in seiner Urteilsbegründung von einer sehr milden Strafe.

Dabei ist der Angeklagte kein "unbeschriebenes Blatt", wie der Richter meinte. Elf Eintragungen zieren seinen Eintrag im Bundeszentralregister. Wie viele Schulden er hat, kann er nicht sagen. Der Richter empfahl ihm aber eine Privat insolvenz. Über die kostbaren Autos müsse gesondert beraten werden. Alexander O. nahm das Urteil an. Der Staatsanwalt war ebenfalls einverstanden. Er hatte zwei Jahre und fünf Monate Haft für den Angeklagten gefordert, die Verteidigung zwei Jahre und zwei Monate.

Alexander O. betrat den Gerichtssaal gestern völlig verändert. Der Angeklagte erschien mit Kapuzen-Shirt, braungebrannt und mit dunkler Brille. In den früheren Verhandlungen wegen des Überfalls auf Konkurrenten in der Scandlines Arena 2008 hatte er noch einen eleganten Anzug getragen.

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