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Lokales

22. November 2017 | 10:26 Uhr

Evershagen kämpft gegen die Fluten

vom

svz.de von
erstellt am 29.Jul.2011 | 07:44 Uhr

Evershagen | Andreas Witt und Ute Seydel sind fassungslos. "In unserem Wohnzimmer sieht es aus wie nach einem Erdbeben", sagt die Mieterin eines Reihenhauses im Brigitte-Reimann-Ring in Evershagen. Nach dem heftigen Regen in der Nacht zu gestern und am Vormittag steht das Wasser 15 Zentimeter hoch in ihrem Erdgeschoss. In der Stube ist durch den Druck des Wassers der Estrich gebrochen. Eine zentimeterhohe, bröckelnde Kante zieht sich quer über den Fußboden. Dazwischen schwappt braunes Wasser. Alle Möbelstücke, die die beiden greifen konnten, haben sie irgendwie übereinander gestapelt oder ins Obergeschoss getragen. Die Polstermöbel und die großen Schränke aber mussten sie aufgeben. "Das erleben wir jetzt schon zum zweiten Mal innerhalb von einer Woche", sagt Seydel. Denn bereits am vergangenen Freitag drückten die Wassermassen nach dem starken Regen in ihr Haus.

Für heute weitere Niederschläge erwartet

"Das Problem ist, dass das ganze Wasser von der Obstplantage durch das Wohngebiet abfließt", sagt Ralf Gesk, Einsatzleiter der Rostocker Feuerwehr. Durch die lang anhaltenden Regenfälle sei der Boden dort vollkommen wassergesättigt, erklärt Martin Schmid vom Wasser- und Bodenverband Untere Warnow - Küste. Also bahnen sich die Regenmassen ihren Weg zum Abfluss, einem Seitenarm des Schmarler Bachs, durch Gärten, Keller - oder in den schlimmsten Fällen durch Wohnräume. Allein im Brigitte-Reimann-Ring waren gestern 13 Häuser von Überschwemmungen betroffen. Aber auch in den anderen Straßen des Wohngebiets östlich der Obstplantage liefen Keller und Tiefgaragen voll, standen Beete und Terassen unter Wasser.

Die Kanalisation des Wohngebiets war mit den Regenmengen offenbar überfordert. Allein zwischen 8 und 15 Uhr fielen gesten 81 Liter pro Quadratmeter. Am Donnerstag waren es bereits 52,3 Liter. "Das ist eine mächtige Niederschlagssumme" sagt Ines Kemnitz von der Wetterwarte Warnemünde.

Während die Leute der Berufsfeuerwehr sowie die ehrenamtlichen Helfer der Freiwilligen Feuerwehren und vom Technischen Hilfswerk Rostock gestern Nachmittag Pumpen aufbauten und Schläuche verlegten, ging in der Wetterwarte eine Verlängerung der Unwetterwarnung ein. Noch bis heute Abend soll die Wetterlage demnach anhalten. "Die Gesamtregenmenge soll sich auf 100 Liter pro Quadratmeter erhöhen. So viel Regen hatten wir sonst im ganzen Monat nicht", so Kemnitz.

Einige Anwohner versuchten am Nachmittag angesichts des immer weiter steigenden Pegels in den Straßen ihr Hab und Gut mit Sandsäcken zu sichern. Doch für einige, wie Andreas Witt und Ute Seydel, kam die Hilfe zu spät. "Die Pumpen und die Sandsäcke können zwar die Symptome bekämpfen, aber nicht die Ursache", sagt Witt, als er mit Regencape und Gummistiefeln in seinem Flur steht. Gemeinsam mit seinen Nachbarn, von denen viele Hauseigentümer sind, will er sich jetzt an die Stadtverwaltung wenden und eine Analyse des Problems fordern.

Anwohner fordern Überprüfung des Leitungssystems

"Als unser Haus vor einigen Jahren schon zweimal unter Wasser stand, habe ich schon an alle möglichen Stellen geschrieben. Aber bisher hat alles nichts gebracht", sagt Witt. "Das komplette Entwässerungssystem muss überprüft werden", fordert auch Reinhard Felsko, der auch in dem Wohngebiet gebaut hat. Es müsse ausgeschlossen werden, dass versumpfte Gräben oder nicht funktionierende Abflüsse für solche Schäden sorgen könnten, meint der Rentner. Seine Nachbarn und er werden noch Wochen brauchen, um die Spuren des Unwetters zu beseitigen. Insgesamt fuhr die Feuerwehr gestern mehr als 100 Einsätze. Das Technische Hilfswerk war an vier Brennpunkten dabei und leistete unter anderem mit Tauchpumpen Unterstüzung.

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