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Lokales

21. November 2017 | 15:18 Uhr

Europas Sterne an deutschen Straßen

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erstellt am 24.Jan.2010 | 06:19 Uhr

Bützow/Güstrow | Seit Jahren wird gefordert, den Schilderwald an deutschen Straßen zu lichten. Das Straßenbauamt Güstrow hat jedoch nicht ab-, sondern aufgerüstet entlang von Bundes- und Landesstraßen und Autobahnen zwischen Güstrow, Bad Doberan und Rostock. Eine Forderung der Europäischen Union.

Wes Brot ich ess, dess Lied ich sing

"Als ich kürzlich durch Bützow gefahren bin, habe ich es auch gesehen oder vielmehr nur die blaue EU-Fahne", sagt Axel Krause, Leiter des Straßen- und Tiefbauamtes des Landkreises Güstrow. Er meint Schilder, die gerade einmal 40 mal 50 Zentimeter groß sind. Der Autofahrer kann im Vorbeifahren nicht erkennen, was darauf steht, nimmt höchstens die europäische Flagge und das MV-Wappen war. Krause hält sie für völlig überflüssig.

"Wir brauchen diese Schilder eigentlich nicht", räumt Egbert Liskow, Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Schweriner Landtag, ein. Denn die Botschaft, Sie fahren auf einer Straßen, die mit Geld der EU finanziert wurden, kann der Autofahrer nicht erkennen. "Das Aufstellen der Schilder ist Bestandteil der gesamten Projektplanung und gehört zur Dokumentation", erklärt Liskow. Schließlich gebe es große Zuschüsse aus Brüssel. Ohne Schilder kein Geld. "Sie sind also das kleinere Übel." Man möge jetzt über die EU-Bürokratie klagen. Doch das könne man hier in Schwerin nicht klären.

"Sie machen keinen Sinn", sagt Albrecht Trautzburg, Pressesprecher beim Automobilclub in Deutschland. Seit Jahren ist der Club ein Verfechter beim Ausdünnen des Schilderwaldes an deutschen Straßen mit ihren 20 Millionen Verkehrsschildern. Trautzburg sieht auf der anderen Seite das große finanzielle Engagement Europas, durch das viele Straßen- und Brückenbauprojekte erst möglich werden. "Wenn dafür das Aufstellen der Schilder die einzige Forderung ist, dann soll es in Gottes Namen so sein."

Rund 100 Euro kostet jedes diese Schilder, sagt Claudia Hermann-Becker, Sprecherin des Schweriner Verkehrsministeriums. Die EU-Forderung gelte bundesweit und nicht nur beim Straßenbau, überall wo Geld aus Brüssel fließt, wie z.B. beim Leaderprogramm. Geldverschwendung oder nicht? Der Landesrechnungshof könne sich nicht äußern, sagt Sprecher Sebastian Jahn. "Es geht um Geld aus Europa. Das ist eine Angelegenheit des europäischen Rechnungshofes."

Nachträglich EU-Forderung erfüllt

Warum die Schilder dem Autofahrer in den Landkreisen Güstrow und Bad Doberan erst in den letzten Monaten ins Auge fallen, weiß Roland Normann vom Straßenbauamt Güstrow. Mit Blick auf die EU-Forderung habe man sich noch einmal die letzten beiden Förderzeiträume angesehen. "Wir haben an allen Straßen, die seit 1999 ausgebaut wurden, nachträglich die Schilder aufgestellt", erklärt Normann.

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