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Lokales

13. Dezember 2017 | 08:31 Uhr

Eschenbestand akut in Gefahr

vom

svz.de von
erstellt am 14.Mai.2010 | 05:07 Uhr

Wiethagen | Obwohl sich die Rostocker Heide momentan in ein sattes Grün hüllt und sehr gesund erscheint, trügt der Schein. Ein großes Eschentriebsterben sorgt Forstamtsleiter Jörg Harmuth und seine Mitarbeiter. "Besonders im Forstrevier Schnatermann sind die Auswirkungen spürbar", so Harmuth. Verantwortlich für die Rindennekrosen soll der Pilz "Weißes Stengelbecherchen" verantwortlich sein. Diese Pilzart kommt jedoch auch nicht patogen im Wald vor und birgt darum noch viele Rätsel.

Die typischen Krankheitsmerkmale treten an Eschen aller Altersstufen und auf unterschiedlichen Standorten auf. Erkrankte Bäume sind an kupferrötlichen bis ockergelblichen Rindenverfärbungen erkennbar. Weiterhin sei an der abgestorbenen Eschenrinde in den Trieben eine schwach bräunliche bis braunschwarze Holzverfärbung zu beobachten. Auch Bäume, die zur Zeit normal Triebe entwickeln können vom Pilz befallen sein und erst im Sommer Symptome der Krankheit zeigen. Dazu zählen plötzlich auftretende Welkerscheinungen an Jungpflanzen sowie eine Kronenverlichtung und vorzeitiger Blattfall an Altbäumen. Von dem Pilz befallene Bäume sind außerdem beliebte Angriffsziele für andere Schädlinge wie bestimmte Käferarten. Harmuth meint: "In jedem Fall werden noch viele weitere Bäume erkranken, da wir weder vorbeugend noch im akuten Fall etwas tun können." Bereits jetzt mussten einige Eschen gefällt werden. Das Totholz wird für rund 20 Euro pro Meter als Feuerholz verkauft und muss vom Käufer selbst aufgearbeitet werden. Interessenten müssen sich auf Wartelisten beim Forstamt gefasst machen.

Das Eschentriebsterben kam in der Rostocker Heide überraschend, doch schon 1850 ist ein schwerer Fall dieser Krankheit registriert, der wahrscheinlich ebenfalls durch einen Pilz hervorgerufen wurde. In Österreich wird das Triebsterben schon seit 2005 beobachtet. Obwohl im Stadtwald nur etwa drei Prozent aller Bestände Eschen sind, bedeutet diese Krankheit einen großen Verlust für die Heide. "Bisher gibt es noch keine resistenten Bäume, aber aus den Erfahrungen mit dem Ulmensterben von vor 20 Jahren hoffen wir darauf, dass einige Eschen überleben werden", so Harmuth. Derzeit besteht in ganz Mecklenburg-Vorpommern ein Anbauverbot für diese Baumart.

Am 26. Mai erwartet das Rostocker Forstamt Besuch von Dr. Margrit Bemmann, Leiterin des Sachgebiets Waldschutz und Waldzustandsüberwachung des Landesforstes Mecklenburg-Vorpommern, um über Probleme mit einzelnen Baumarten in der Heide zu reden. Harmuth möchte dieses Zusammentreffen für eine Weiterbildung nutzen, sich und seine Mitarbeiter darin zu schulen, Eschentriebsterebn richtig zu erkennen. Er sagt: "Es ist immer schwer zu sagen, wieso ein Baum stirbt, denn meistens sind die Ursachen vielfältig." So kann neben dem Pilzbefall auch die Luftverschmutzung, die Konkurrenz zu anderen Bäumen oder andere Schädlinge dazu beitragen.

Neben dem Eschentriebsterben beschäftigt das Forstamt Rostock momentan hauptsächlich die Verkehrssicherungspflicht, Aufforstungsarbeiten sowie die Planung des Landeswaldtages. Alle ausgewiesenen Wege und Straßen müssen risikofrei passierbar sein. Darum muss jedes Jahr das Totholz aus den Bäumen entfernt werden, das beim Herabstürzen zur Gefahr werden kann. Auch ganze Bäume müssen in Einzelfällen weichen, wenn sie aufgrund ihres Wachstums oder eines Schädlingsbefall instabil sind. Schleppmaschinen und Steigerfahrzeuge sind hierfür im Einsatz. Die Aufforstungsarbeiten bilden vor allem Ausgleichsmaßnahmen zu Straßenbebauungen. Die genauen Plätze für dieses Vorhaben sind jedoch noch nicht gefunden und stehen noch zur Verhandlung aus.

Der diesjährige zweite Landeswaldtag am 12. Mai findet in den Forstämtern Rostock und Billenhagen statt. Zwischen den beiden Standorten sind eine Fahrrad- und Reittour geplant. Daneben können sich die Besucher auf das Zoomobil, Reitvorführungen, Videoinstallationen, Infostände und Fahrradcodierungen freuen.

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