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Ludwigsluster hat für seine eigene Bestattung vorgesorgt : Es steht ein Sarg am Straßenrand

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Als Rudolf Prade am Karfreitag aus dem Fenster schaut, traut er seinen Augen kaum. Vor seinem Haus am Ludwigsluster Exerzierplatz steht ein Sarg. "Ein Anblick bei dem man sich erschreckt", sagt Prade.

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erstellt am 28.Apr.2011 | 07:37 Uhr

Ludwigslust | Als Rudolf Prade am Karfreitag aus dem Fenster schaut, traut er seinen Augen kaum. Denn was er vor seinem Haus am Ludwigsluster Exerzierplatz sieht, das erinnerte ihn eher an einen Friedhof als an seinen Vorgarten. Am Straßenrand steht in Sichtweite ein Sarg aus braunem Holz. "Ein Anblick bei dem man sich erschreckt", sagt Prade. Schließlich stehe ein Sarg für Tod, Tränen und Trauer.

Doch das Erdmöbel hat nicht etwa ein Bestatter vergessen. Auch ist niemand gestorben. Der Grund für den skurrilen Anblick am Morgen ist ein anderer: Platznot im Haus seines Nachbarn. Der hat den Sarg vor einer Woche gekauft, um für seine eigene Beerdigung vorzusorgen. "Ich will später ja nicht in Pappe unter die Erde kommen", sagt der Mann, der nicht namentlich genannt werden möchte.

Rudolf Prade ärgert sich über seinen Nachbarn, findet den Sarg-Parkplatz rücksichtslos. Ein Nachbarschaftsstreit schwelt am Exerzierplatz schon seit Jahren. Nun fühlen sich die Prades erneut provoziert. "Hier laufen doch Kinder und Spaziergänger entlang", sagt Rudolf Prade. Für ihn ist der Sarg, der seit einer Woche am Straßenrand steht, nur eins: Erregung öffentlichen Ärgernisses. Und da sei das Ordnungsamt gefragt.

Doch Amtsleiter Ingo Vahl winkt ab: "Wir sind nicht zuständig." Der Sarg stehe auf einem privaten Grundstück und nicht auf öffentlichem Grund. Deshalb könne das Amt nicht eingreifen. "Und selbst wenn es anders wäre, würde es sich hier um eine zivilrechtliche Auseinandersetzung handeln", so Vahl. Auch bei der Polizei hat es Rudolf Prade schon versucht. Es kam ein Streifenwagen. Doch die Beamten zogen unverrichteter Dinge wieder ab.

Die Nachbarschaft hat offenbar sogar schon versucht, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. "Zwei Männer haben den Sarg nachts vom Anhänger genommen und in den nahe gelegenen Wald geworfen", sagt der Sarg-Besitzer. Dort habe er seine Neuerwerbung leicht ramponiert in einem Graben vorgefunden. "Und natürlich habe ich bei der Polizei Anzeige erstattet."

Letzte Hoffnung: Die Ludwigsluster Wohnungsbaugesellschaft Vewoba. Denn der gehört das Grundstück, auf dem der Anhänger samt Sarg steht. Vewoba-Geschäftsführer Harry Lutzke forderte den Sarg-Besitzer nun auf, den Anhänger vom Vewoba-Grundstück zu entfernen. "Der Mann hat mir zugesichert, den Anhänger innerhalb der kommenden drei Wochen wegzuräumen", sagt Lutzke. Der Nachbar glaubt, dass er es sogar schneller schaffen wird. Mittlerweile hat er den Sarg mit einer schwarzen Plane umhüllt. "Gegen den Regen", wie er sagt.

Vewoba-Chef Lutzke hätte den Streit gerne geschlichtet. "Aber das scheint mittlerweile kaum mehr möglich zu sein", so Lutzke. Rudolf Prade hofft nun auf das Einsehen des Nachbarn. Und darauf, dass der Sarg nicht bloß vom Straßenrad hinter den Gartenzaun wandert: "Wir wollen, dass das Ding verschwindet - und zwar sofort."

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