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Lokales

20. November 2017 | 13:01 Uhr

"Es ist eine persönliche Tragödie"

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erstellt am 08.Jun.2010 | 08:13 Uhr

Oranienburg | Das Gejohle von spielenden Kindern hallt gestern Nachmittag über den weiten Hof einer Wohnanlage im Süden Oranienburgs. Die Sonne scheint; es geht ein sanfter Wind. Die Blätter der Bäume wiegen sich im Wind. Es raschelt. Ein idyllisches Örtchen. Nichts deutet auf die Verzweiflungstat einer 32-jährigen Polizeibeamtin rund 24 Stunden zuvor hin, die erst seit Jahresanfang mit ihrem fünfjährigen Sohn und ihrer zehnjährigen Tochter in der Kösener Straße direkt unter dem Dach eines backsteinfarbenen Mehrfamilienhauses lebte.

Doch am Montagnachmittag wurde Oranienburg-Süd aus seiner Beschaulichkeit herausgeholt, als Einsatzwagen von Polizei und Feuerwehr mit Sirenengeheul anrückten. Die als äußerst zuverlässig geltende Beamtin war am Morgen nicht zum Dienst erschienen. Nachdem die Frau nach mehreren Klingelanläufen nicht öffnete, wurde die Wohnungstür aufgebrochen.

Drinnen bot sich dann ein schreckliches Bild. Beamte und Familienangehörige fanden die Leichen der 32-Jährigen und ihrer Kinder vor. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Polizistin erst ihre Kinder getötet hat und sich dann selbst das Leben nahm. "Es handelt sich um eine persönliche Tragödie", sagte Andreas Pelzer von der Staatsanwaltschaft Neuruppin. Einzelheiten zu der Tat wollte er - auch mit Rücksicht auf die Angehörigen - nicht nennen. "Wir haben bislang aber keine Anhaltspunkte dafür, dass die Tat dienstliche Hintergründe hat", sagte Pelzer. Laut Staatsanwaltschaft hatte die Polizistin keinen Urlaub.

Die 32-Jährige hatte - so die Vermutung - zuerst ihre Kinder erdrosselt und dann sich selbst erhängt. Alle drei seien durch Strangulation gestorben, sagte Pelzer, der die Abteilung Kapitalverbrechen leitet. Unter Verweis auf das Ergebnis eines vorläufigen Obduktionsberichts hieß es gestern Abend von der Staatsanwaltschaft, die Frau habe ihre beiden Kinder erdrosselt und sich anschließend selbst erhängt. Es hätten sich keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass ein weiterer Mensch an der Tat beteiligt gewesen sei. Gefunden worden seien die Leichen von Mutter und Kindern in dem roten Klinkerbau von ihnen nahe stehenden Menschen.

Die 32-Jährige soll Computerspezialistin bei der Polizei gewesen sein. Besonders die mehr als 430 Kollegen des polizeilichen Schutzbereiches Oberhavel, wo sie beschäftigt war, reagierten geschockt. Ihr Dienstherr, der Potsdamer Polizeipräsident Rainer Kann, sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus. "Das tragische Ereignis hat in der Polizei - ganz besonders im Schutzbereich Oberhavel selbst - tiefe Betroffenheit und Bestürzung ausgelöst", so Kann. "Wir werden alles in unserer Kraft Stehende tun, um erforderliche Hilfe zu leisten."

Der Hintergrund für die Tragödie blieb zunächst unklar. Ein Abschiedsbrief wurde laut Staatsanwalt Pelzer nicht gefunden. Es habe auch keine Ankündigung der Tat gegeben. "Zurzeit liegen uns keine Erkenntnisse vor, dass die Ursachen für das schreckliche Ereignis im dienstlichen Bereich gelegen haben könnten", sagte auch Polizeipräsident Kann. Die Kriminalpolizei des Landkreises Ostprignitz-Ruppin versucht nun, Licht ins Dunkle zu bringen. Möglicherweise spielt eine Trennung vom Partner eine Rolle.

Nachbarn der 32-Jährigen zeigten sich geschockt. "Wie verzweifelt muss man sein", sagte ein Anwohner. "Mit so etwas rechnet niemand. Das ist eine echte Tragödie. Nach außen wirkte sie immer so nett und zuvorkommend", berichtete ein anderer Anwohner. Dieser meinte zu wissen, dass die Polizistin in Trennung von ihrem Mann lebte. Erst im Januar dieses Jahres sei sie zusammen mit den Kindern aus dem gemeinsamen Haus ebenfalls in Oranienburg-Süd ausgezogen. Seines Wissens nach soll der Ehemann Dienstgruppenleiter bei der Polizei in Oranienburg sein.

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