"Es deutet alles auf ein Verbrechen"

Hat der Täter die Wohnung des Opfers durchwühlt? Im Flur lagen offenbar aus dem Kleiderschrank herausgerissene Kleidungsstücke auf dem Boden.Steffen Möhring
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Hat der Täter die Wohnung des Opfers durchwühlt? Im Flur lagen offenbar aus dem Kleiderschrank herausgerissene Kleidungsstücke auf dem Boden.Steffen Möhring

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04. Februar 2010, 11:26 Uhr

Neu Zippendorf | Perleberger Straße, gestern kurz nach 11 Uhr: Kriminaltechniker öffnen die Wohnung im vierten Stock eines Plattenbaus. "Kein Zutritt", sagen die ganz in weiße Overalls gekleideten Spurensicherer. Doch bevor sie die Tür wieder schließen, wird für einige Sekunden der Blick in den Flur der Wohnung frei: Die hellbraunen Türen eines Schrankes sind halb geöffnet, zerwühlte Hemden, Unterwäsche und andere Textilien quellen bis auf den Boden heraus. Daneben herumliegende Badelatschen, Schuhe, Zettel und Zeitungen verstärken den Eindruck, dass der kleine Raum in großer Eile durchsucht worden ist. Die Inhaberin der Wohnung, die 70-jährige Ludmyla K., ist tot. Sie wird zu diesem Zeitpunkt bereits von Gerichtsmedizinern obduziert.

Wurde die Frau ermordet? "Es deutet alles auf ein Gewaltverbrechen hin", berichtet Oberstaatsanwalt Stefan Urbanek. Die Obduktion habe zweifelsfreie Anzeichen für Fremdeinwirkung ergeben. Es gäbe auch schon einen Tatverdächtigen. Gegen einen 53-jährigen Bekannten der Geschädigten werde wegen des Verdachts des Totschlags ermittelt, sagt Urbanek. Dieser bestreite die Tat in den Verhören jedoch. Ob gegen den 53-Jährigen nun Haftbefehl beantragt wird, werde nach weiteren Ermittlungen entschieden, so Urbanek.

Bekannte des Opfers fanden die Leiche

Bereits die Auffindesituation hat laut Staatsanwaltschaft auf einen unnatürlichen Tod der Frau hingewiesen. Wie genau sie ums Leben kam, sagt Stefan Urba nek mit Hinweis auf die andauernden Ermittlungen aber noch nicht. Information unserer Zeitung zufolge soll es in der Wohnung von Ludmyla K., die offenbar aus der Ukraine stammt, sehr viele Blutspuren geben. Jedoch wies die Leiche offenbar weder Stich- noch Schussverletzungen auf. Wurde Ludmyla K. möglicherweise erschlagen?

Aufgefunden worden sei die Tote am Dienstag gegen 17 Uhr von Bekannten, die sich einen Schlüssel zu der Wohnung besorgt hätten, erklärt Ober staatsanwalt Urbanek. Die Bekannten seien in Sorge gewesen, da sie Ludmyla K. seit Sonnabend nicht mehr gesehen hätten und die 70-Jährige eine feste Verabredung nicht eingehalten habe. Nach dem Fund der Leiche hätten die Bekannten die Polizei alarmiert.

Nachbarn stehen nach Gewalttat unter Schock

Die Nachbarn in der Perleberger Straße stehen unter Schock. Sie fühlen sich unwohl, so dicht am Tatort zu leben. Und sie können kaum glauben, dass Ludmyla K. jetzt nicht mehr lebt. "Sie war wirklich eine sehr nette Frau", berichtet Berthold G., dessen 86-jährige Mutter im Haus des Opfers wohnt. "Sie konnte zwar nur radebrechend Deutsch, trotzdem war sie immer sehr bemüht, ein paar freundliche Worte zu finden." Oft sei Ludmyla K. für mehrere Monate zu ihrer Tochter nach Odessa gefahren, erzählt Berthold G. "Wenn sie, wie jetzt kürzlich erst wieder, nach Schwerin zurückkam, brachte sie immer kleine Aufmerksamkeiten mit, Pralinen beispielsweise." Am Montag habe er die 70-Jährige zuletzt auf der Straße getroffen. "Da wirkte sie wie immer fröhlich, alles schien ganz normal zu sein", sagt Berthold G.

Ludmyla K. habe allein in ihrer Wohnung gelebt, berichten Nachbarn weiter. Manchmal jedoch habe sie Besuch von Männern mittleren Alters gehabt, die offenbar auch aus der Heimat des Opfers stammen würden. "Dann konnte es schon mal etwas lautere Unterhaltungen geben oder die Musik wurde ein bisschen aufgedreht", sagt ein Neu Zippendorfer. Hörbaren Streit habe es dabei in der Wohnung von Ludmyla K. aber nicht gegeben.

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