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Wo ist Diana? Junge Mutter verschwunden : Es blieb nur ihr Roman

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Seit mehr als 15 Monaten wird nach der 27-jährigen Diana aus Stralsund gesucht. Ihre Mutter versucht nun, mit einer ungewöhnlichen Aktion ein Lebenszeichen von der Tochter zu erhalten.

svz.de von
erstellt am 09.Okt.2012 | 10:58 Uhr

Stralsund | Das Letzte, was Regina Ferch von ihrer Tochter hörte, war ein Anruf vor mehr als 15 Monaten. "Da hat mir Diana gesagt, dass sie nicht mehr zur Abschlussprüfung als Sozialassistentin antreten werde. Sie wollte zwei Wochen wandern gehen, abschalten." Seitdem hat die auf Rügen lebende Frau kein Lebenszeichen mehr von der heute 27-jährigen Stralsunderin erhalten.

"Ich wusste, dass sie psychische Probleme hatte, aber ich ahnte nicht, dass sie so krank ist." Zwei Wochen später meldete die Mutter ihre Tochter bei der Polizei als vermisst. Die junge Frau, so die Ermittlungen, sei mit einem Rucksack, einem Zelt, etwa 300 Euro Bargeld und ohne Handy aufgebrochen, sagt eine Polizeisprecherin. Zurück ließ sie ihren Freund mit dem gemeinsamen siebenjährigen Sohn D., den sie nach Erzählungen ihrer Familie so sehr geliebt hatte.

Diana sei eine sehr nachdenkliche und talentierte junge Frau, die sich nach einer anderen, besseren Welt gesehnt habe, sagt ihre Mutter. Schon frühzeitig habe sie als Kind gemalt, später geschrieben, Gedichte, Episoden, schließlich einen Roman.

Schriftstellerin werden, sei ihr großer Traum gewesen. Doch er sollte sich nicht erfüllen. Verlage lehnten eingeschickte Manuskripte ab. Die Enttäuschung war groß.

Regina Ferch ist überzeugt, dass Diana noch lebt. Deshalb versucht sie nun mit einem ungewöhnlichen Schritt, ein Zeichen von ihr zu erhalten. Im Frühjahr holte sie aus einer Schublade das vergessene Manuskript eines Fantasy-Romans ihrer Tochter.

Schließlich fand sie in dem Berliner Frieling Verlag einen Partner, der das Buch veröffentlichte. Dianas erster Roman "Jaden Page und das Geheimnis der Traumreisen" erschien in einer Startauflage von 1000 Stück. Darin geht es um die Geschichte eines elfjährigen Jungen, der in eine fremde Welt gelangt, in der Menschen und Tiere ganz anders miteinander umgehen als in der von Diana so oft kritisierten Realität.

Mittlerweile seien bereits mehrere Hundert Exemplare verkauft, sagt Regina Ferch, die über Fernsehsendungen wie Frank Elstners Talkshow "Menschen der Woche" die verschwundene Tochter irgendwo zu erreichen hofft. Das Buch gebe viele Denkanstöße und habe das Zeug zum Erfolg, sagt die Mutter. Und es sei für sie der letzte Strohhalm Hoffnung: "Wenn Diana erfährt, dass sich ihr Traum erfüllt, vielleicht meldet sie sich ja wieder bei uns und kommt zurück, vielleicht zum Weihnachtsfest." Das Ende des Buches sei offen, Diana habe einen Dreiteiler geplant. Ob die junge Frau je von der Veröffentlichung ihres Romans erfahren wird, ist fraglich. Die bundesweite Öffentlichkeitsfahndung habe keine direkten Hinweise auf einen Aufenthaltsort ergeben, sagt die Polizeisprecherin. Auch Dianas Mutter schließt inzwischen nicht aus, dass ihre Tochter längst irgendwo in einem Aussteigerquartier im Ausland untergekommen ist. "Aber sie lebt, das weiß ich."

Früher habe Diana mal davon geträumt, mit anderen Jugendlichen in einem verlassenen Bergdorf in Portugal ein neues, autonomes Leben anzufangen. "Vielleicht ist sie ja aber auch in Indien", sagt die 55-jährige Mutter und zeigt ein Ölbild, das Diana vor vier Jahren nach einem Urlaub in Indien gemalt hatte. Es sei wohl ihre glücklichste Zeit gewesen. Das Gemälde zeigt eine junge Frau zwischen einer farbenprächtigen Welt mit Vögeln.


Vermisst in MV

In der Vermisstenstelle des Landeskriminalamtes (LKA) Mecklenburg-Vorpommern sind gegenwärtig 133 Personen als vermisst erfasst.
•  Von 124 Menschen gibt es seit mindestens acht Wochen kein Zeichen, darunter von fünf Kindern und elf Jugendlichen.
•  Das LKA ermittelt unter anderem in zwei Fällen von Kindesentziehung und in sechs Fällen von vermissten minderjährigen Flüchtlingen.
•  Von 1970 bis 1989 wurden 51 Menschen als vermisst gemeldet.
Etwa die Hälfte von ihnen waren Seeleute der ehemaligen DDR-Hochsee- und -fischereiflotte, die vermutlich in den Weltmeeren ertranken.
•  Die Zahl der Vermissten geht seit 1990 zurück. Während von 1900 bis 1999 34 Personen verschwanden, waren es von 2000 bis 2010 insgesamt 27 Personen.
•  Allerdings wurden allein in diesem Jahr bislang 17 weitere Personen als vermisst gemeldet.
•  Der älteste registrierte Vermisstenfall ist die Geschichte von Helmut Beck. Vor 42 Jahren war der damals 46-Jährige abends beim Reparieren seines Motorbootes in den Carwitzer See bei Neustrelitz gefallen und nie gefunden worden.

(Quelle: LKA Mecklenburg-Vorpommern)

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