Erstaunliche Naturvielfalt an der Döpe

Durch  Schafbeweidung konnten  wertvolle FFH-Lebensraumtypen unterschiedlicher Standortverhältnisse rund um die  Döpe erhalten oder  wiederhergestellt werden.
Durch Schafbeweidung konnten wertvolle FFH-Lebensraumtypen unterschiedlicher Standortverhältnisse rund um die Döpe erhalten oder wiederhergestellt werden.

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06. März 2010, 02:42 Uhr

Ventschow | Die am Nordende des Schweriner Sees gelegene Döpe und die angrenzenden kalkreichen Sümpfe und Flachmoore und benachbart liegende Kalk-Trockenrasen und magere Flachland-Mähwiesen stellen innerhalb des Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebietes "Schweriner Außensee und angrenzende Wälder und Moore" einen Lebensraum mit einer erstaunlich großen Naturvielfalt dar.

Von den 13 Lebensraumtypen im gesamten mehr als 4000 Hektar großen FFH-Gebiet liegen sechs eng benachbart in dem nur 215 Hektar großen Naturschutzgebiet Döpe bei Ventschow sowie zwei im benachbarten Heidmoor, die nur dort zu finden sind.

Bereits 1941 wurde die Döpe als Vogelfreistätte unter Schutz gestellt. Seit Jahrhunderten wird sie vom Familienbetrieb Prignitz aus Hohen Viecheln fischereiseitig nachhaltig bewirtschaftet, heute im Einklang mit der Verordnung für das jetzige Naturschutzgebiet. Das Gewässer der Döpe gehört zum FFH-Lebensraumtyp "oligo- bis mesotrophe kalkhaltige Gewässer". Es war ursprünglich durch eine geringere Nährstoffversorgung, aber einen hohen Kalkgehalt aus dem Untergrund, klares Wasser und die Besiedlung durch Armleuchteralgen auf dem Seegrund gekennzeichnet. Der 77 Hektar große, aber im Durchschnitt nur 3 Meter tiefe See wird jedoch seit Jahren von außen mit Nährstoffen durch intensiven Mais anbau auf den umliegenden Sand äckern, aber auch durch den Koteintrag von zeitweise mehreren tausend rastenden Wasservögeln belastet.

Die aktuelle Wasserchemie weist den See als ein stark nährstoffbelastetes Gewässer aus. Dementsprechend sind auch die lebensraumtypischen Pflanzenarten nur noch fragmentarisch vorhanden. Aktuelle Beprobungen ergaben eine Bedeckung von nur zehn bis 50 Prozent des besiedelbaren Gewässergrundes mit Armleuchteralgenvegetation. Bemerkenswert ist indes der Fund des Stachelspitzigen Laichkrauts, dessen Bestände durch Gewässerverschmutzung bedroht und in einigen Bundesländern bereits verschollen sind. Insgesamt befindet sich der Lebensraumtyp aufgrund der deutlichen Nährstoffbelastung und geringen Anzahl der kartierten besonders charakteristischen Pflanzenarten in einem ungünstigen Erhaltungszustand.

Hieraus ergibt sich ein nicht unbedeutender Zielkonflikt zwischen Vogel- und Habitatschutz, dessen Lösung auch eine Aufgabe des Managementplans ist. Durch das Staun Schwerin wurde die Arbeitsgemeinschaft Trüper Gondesen Partner aus Lübeck und Kriedemann Ing.-Büro für Umweltplanung aus Schwerin mit der Erstellung dieses Managementplans beauftragt. Dieses Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes gefördert.

Besser ist es um das natürliche Seeufer der Döpe bestellt. Dort konnte im vorigen Jahr ein prioritärer FFH-Lebensraumtyp in einem günstigen Erhaltungszustand neu kartiert werden. Es handelt sich um "kalkreiche Sümpfe". Darunter werden Röhrichte an Seen mit der Schneide (Cladium mariscus) als dominierende Pflanzenart verstanden. Der Entwurf des Managementplans sieht zur Verbesserung der Lebensraumtypen eine geringe Wasserstands anhebung in der Döpe und die Umwandlung von Ackerflächen in extensive Bewirtschaftungsformen vor.

Die ehemals ausgedehnten Grünlandflächen zwischen Döpe und Außensee werden durch den Landschafts- und Kulturpflegeverein "Schweriner Außensee und Umgebung" und Martin Bauer vom Nabu-Kreisverband Nordwestmecklenburg/Wismar gepflegt. Durch Entbuschung und Schafbeweidung konnten wertvolle FFH-Lebensraumtypen unterschiedlicher Standortverhältnisse erhalten oder wiederhergestellt werden.

Zu nennen ist eine Pfeifengraswiese, die teilweise als Weideland mit Schafen gepflegt wird. Weiterhin haben sich eine "magere Flachland-Mähwiese" und ein "Kalk-Trockenrasen" unmittelbar südlich der Bahnlinie auf kalkhaltigem Sand in südexponierter Hanglage etabliert.

Durch die Förderung weiterer Pflegemaßnahmen kann mittelfristig für alle Lebensraumtypen des Grünlandes ein günstiger Erhaltungszustand erreicht werden. Davon werden die auf diese Lebensräume angewiesenen Tierarten wie spezialisierte Insekten- und Schneckenarten profitieren. Nicht zuletzt wird ein Stück Kulturlandschaft bewahrt, das während einer Wanderung von Flessenow nach Hohen Viecheln erkundet werden kann.

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