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Lokales

25. September 2017 | 10:07 Uhr

Erst nen Sherry, dann den Fuchs

vom

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erstellt am 08.Okt.2010 | 10:17 Uhr

Groß Raden | Jan Lippke und an andere Jagdhornbläser geben das Signal zum Sammeln der Jäger. 35 Hunde toben wild über eine Wiese in Groß Raden. Gleich beginnt die Schleppjagd über Felder und Wiesen. Rund 15 Reiter wippen in ihren Sätteln und warten.

Zum siebten Mal hat Hans Diederichs, Landwirt in Groß Raden, zur Schleppjagd mit Beagle-Meute eingeladen. "Die Jagd geht drei Tage", erklärt er, der wie sein Sohn Christian teilnimmt. Beide nehmen ihren Pferden Wärmdecken und Bandagen ab. Reiter kommen von Rügen, Wolfsburg oder Hamburg. In einer Art Camp bereiten sie sich Reiter vorher auf den Ausritt vor. Es riecht nach Pferd.

"Wir machen das zum Vergnügen", erklärt Joachim Martens. Er ist ein Mann mit lustigen Augen und sitzt würdevoll auf seinem Schimmel. Martens ist der "Master", der Mann, der die Hundemeute mitbringt. 35 Beagle werden über die Felder bei Groß Raden flitzen. Dieses Mal darf Martens Sohn Richard die Hunde führen. Die Lübecker Beagle-Meute habe eine Tradition seit 1957 - mit Wurzeln in Mecklenburg. Sein Vater stamme aus Lübtheen bei Hagenow, erklärt Joachim Martens. Den Hund "Spirit", mit dem alles anfing, habe sein Vater hier geholt.

Der Fuchs ist im Kanister

Joachim Martens ist wichtig: Diese Form der Jagd sei nicht elitär. "Jeder kann mitmachen", erklärt er. "Einer der größten Jagdreiter war Friedrich Engels", erklärt der Lübecker. Er glaubt, dieses Bild müsste man hier verstehen. Marx Freund und so.

Auch jagten die Reiter nicht auf Wild. Martens zeigt auf einen Schimmel, an dem zwei Kanister hängen. "Darin ist Fuchs-Schiet", erklärt er lachend. Nach dem "Teeprinzip" werde daraus eine duftende Flüssigkeit bereitet, die ein Reiter als Schleppe legt - die Hunde jagen hinterher. Die Reiter folgen. "Eine Meute muss möglichst laut sein", so Martens. Dieses Mal hat er fünf Frischlinge dabei; junge Beagle, die noch nie bei einer Jagd dabei waren, anderthalb Jahre alt. Urban, Ustinov, Unikat ... Sie folgen wie die anderen ihrem Chef Elvis.

Yvonne van Laer galloppiert vorbei. "Ich bin heute fürs Reden zuständig", erklärt die Frau aus Tieplitz. Sie begrüßt die Gäste. "Wir trinken vorher Sherry, hinterher ein Glas Sekt", sagt sie schmunzelnd.

Einige Regeln seien natürlich bei der Schleppjagd zu beachten. Der so genannte "Pikör" legt die Schleppe. Gastgeber Hans Diederichs reitet als Erster hinter den Hunden. Männer tragen meistens rote Röcke, Frauen grüne. In anderen Ländern sei das verschieden; die Grenzen verschwimmen. Fast: "Es ist unüblich, dass Frauen in Rot reiten", erklärt Martens. Die Farbe stehe für die besten Reiter - Männer.

"Am Ende gibt es keinen Sieger", erklärt Martens. Ziel sei, gemeinsam zum Vergnügen zu jagen. "Wir folgen den Hunden über Wall, Abhang oder Wiese." Jetzt sei die beste Zeit für die Schleppjagd, da die Felder abgeerntet sind.

Joachim Martens bläst in eine Pfeife. Jetzt geht es los. Die Hunde preschen herbei. Eine ältere Frau hat zu tun, ihr Pferd zu bändigen. Der Master begrüßt würdevoll die Jagdgesellschaft, weist auf die Risiken des Vorhabens hin: Jeder reite auf eigene Gefahr. Martens: "Sollten sie Schaden erleiden, so haben sie unsere Solidarität, aber noch lange nicht unser Geld." Das Handy von Christian Diederichs klingelt im Sattel. Lachen in der Runde. Die Hunde folgen der Schleppe, die Jäger den Hunden - querfeldein. Später sieht man die Gesellschaft bei Sternberger Burg eine Straße überqueren - diszipliniert und ruhig.

Heute erwartet Hans Diedersichs eine größere Gruppe zur Jagd. Rund 30 Reiter werden bei Sternberger Burg dem Fuchsgeruch und dem Bellen der Beagle folgen - nach dem Sherry.

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