Ersparnis sinnvoll investiert

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16. Juni 2010, 09:53 Uhr

Prignitz | Mit einem offenen Brief wenden sich die Prignitzer Hoteliers Diana Glass und Ralf Wagenleiter an die Bundestagsabgeordnete Dagmar Ziegler (SPD). Hintergrund sind Diskussionen um die Kehrtwendung in der Mehrwertsteuersenkung. Seit 1. Januar gilt für Beherbergungsleistungen der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Seit geraumer Zeit wird offen darüber gesprochen, die Regelung, die voriges Jahr mit dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz verabschiedet wurde, wieder rückgängig zu machen oder zumindest auszusetzen.

Bis 31. Dezember 2009 wurden 19 Prozent auf Beherbergungsleistungen berechnet. Als Steuergeschenk an große Hotelketten, die sich im vergangenen Jahr mit Parteispenden an FDP und CSU hervortaten, verschrien, erweist sich die Erleichterung jedoch vor allem auch für kleine Betriebe in der Prignitz als Vorteil. Den möchte Diana Glass, die mit ihrem Vater die Schlosshotels in Rühstädt und Bantikow sowie das Wellnesshotel Legde betreibt, aus ganz stichhaltigen Gründen nicht verlieren. Sie führt hohe Investitionen ins Feld, beispielsweise die Erneuerung der Heizungsanlagen in allen drei Häusern und den Austausch aller Fenster in beiden Schlosshotels. "Wir haben alle Häuser selbst renoviert, sind seit Jahren dabei, sie weiter auszubauen und die Qualität zu verbessern." Die drei Hotels tragen inzwischen jeweils drei Sterne, so Glass. Langjährige Mitarbeiter hätten einen sicheren Arbeitsplatz gefunden.

Ralf Wagenleiter ist für die Hotels Forsthaus Hainholz in Pritzwalk, Röbeler Thor in Wittstock sowie für das Hotel Falkenhagen verantwortlich. Er schreibt an Dagmar Ziegler u. a.: "Wir haben die Gehälter unserer Mitarbeiter und Azubis um zehn Prozent erhöht, in den letzten Monaten gab es für viele zusätzliche Prämien. Wir steigerten den Facharbeiteranteil um 20 Prozent, haben Englischkurse und AEVO-Lehrgänge finanziert." In allen Hotels seien größere Investitionen auf den Weg gebracht worden. "Daneben lag mir insbesondere die Honorierung der Mitarbeiter am Herzen. Ich glaube, dass ich Ihnen nichts weiter zur Einkommenssituation in der Prignitz erklären muss."

Umstritten ist die neue Mehrwertsteuerregelung aber nicht nur im ihrer selbst willen, sondern auch, weil sowohl Hoteliers und Gastronomen auf der einen als auch Kunden auf der anderen Seite sie für unausgegoren halten. So werden gastronomische Leistungen, wie z. B. das Frühstück im Hotel, nach wie vor mit 19 Prozent besteuert. In der Abrechnung ein finanztechnisches Monstrum für Dienstleister und für Verbraucher, insbesondere Geschäftsreisende. Letztere wiederum haben von der Mehrwertsteuersenkung nur Nachteile: Konnten sie bis Ende 2009 ihre eigene Umsatzsteuervorauszahlung um die seinerzeit geltenden 19 Prozent für Beherbergungsleistungen reduzieren, sind es jetzt nur noch sieben Prozent - ohne dass sich auf der anderen Seite Hotelpreise an irgendeiner Stelle deutlich reduziert hätten. Bodo Rückschlag, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Dehoga Brandenburg, sieht die Unausgewogenheit ähnlich kritisch. "Nicht umsonst kämpft der deutsche Hotel- und Gaststättenverband bereits seit Jahren um die Angleichung des Mehrwertsteuersatzes in Hotellerie und Gastronomie. Einheitliche, niedrige Steuersätze sind auch in den europäischen Nachbarländern üblich." In Anbetracht der aktuellen Situation macht er sich allerdings wenig Hoffnung, dass man das Ziel in Deutschland auf kurzem Wege erreichen werde. Dass die Mehrwertsteuerersparnis bei den einheimischen Betrieben sich nicht direkt in Preissenkungen für die Gäste niederschlage, bestätigt Rückschlag. "Es wurden Gehälter der Mitarbeiter erhöht, Geld in die Modernisierung investiert, was für die Kunden ein indirekter Mehrwert ist." Dass die Ersparnis in die eigene Tasche der Hoteliers fließe, so Rückschlag, davon sollte man nicht ausgehen.

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