zur Navigation springen
Lokales

16. Dezember 2017 | 04:36 Uhr

Erneute Bestattung nach 300 Jahren

vom

svz.de von
erstellt am 04.Aug.2010 | 05:26 Uhr

Gadebusch | In der Gadebuscher Stadtkirche ist es kühl. Und staubig. Zwischen dem vielen Staub auf dem Boden klafft ein Loch. Darin liegen Knochen. Zwei Schädeldecken sind zu erkennen. Es sind die sterblichen Überreste von mindestens vier Menschen, die bereits im 17. Jahrhundert das Zeitliche gesegnet haben. Wirbelsäulenstücke sprechen dafür, dass es sich sogar um mehr als vier Verstorbene handelt. Bei den Restaurierungsarbeiten in der Kirche stießen Arbeiter auf die Knochen, die lose im Boden der Kirche lagen. Sofort stellte sich die Frage: Zeremoniell bestatten oder schnell wieder einbuddeln?

"Zuerst habe ich mich gefragt, ob es sein muss, so alte Knochen erneut zu bestatten", erinnert sich Pastorin Ariane Baier in ihrer Traueransprache. Schließlich hätten die Toten ja höchstwahrscheinlich bereits eine Bestattung gehabt. Doch dann sei ihr klar geworden, dass es menschlich sei und achtungsvoll. "Das ewige Licht möge ihnen leuchten. Amen", sagt die Gottesfrau zum Abschluss ihrer Predigt. Dann wirft sie eine rote Rose mit langem Stiel in die ein Meter mal ein Meter große Öffnung.

Genaues Alter der sterblichen Reste unbekannt

Aus welcher Zeit die Knochen genau stammen, können auch Experten nur vermuten. "Wahrscheinlich wurden diese Menschen im 17. Jahrhundert begraben", sagt Bauhistoriker André Lutze aus Greifswald. Im 19. Jahrhundert seien bei Umbauarbeiten alte Grüfte geöffnet worden. Seitdem liegen die Knochen vermutlich lose im Fußboden der Kirche verteilt. Die Knochen liegen nun in drei Schichten in einer bereits bestehenden Gruft. Auch sie war im 19. Jahrhundert geöffnet worden, wird nach der Zeremonie nun wieder verschlossen. Die Totenruhe ist wiederhergestellt.

Auf die Knochen waren die Bauarbeiter gestoßen, als sie daran arbeiteten, das Niveau der Kirche um etwa einen Meter zu senken. "Das wird gemacht, um die ursprüngliche Bauweise der romanischen Kirche wieder sichtbar zu machen", erklärt Architekt Lutz Goethel aus Wittenförden. Im 19. Jahrhundert war der Boden angehoben worden, um den Blick in den Chor für die vielen Kirchgänger zu erleichtern. Die vielen Kirchgänger gibt es heute nicht mehr. Und auch die ästhetischen Neigungen haben sich verändert. Weil die Stadtkirche St. Jakob und St. Dionysius die einzige erhaltene romanische Kirche in Norddeutschland ist, soll dies auch sichtbar sein.

Zum Abschluss der Zeremonie sprechen die Anwesenden noch das "Vaterunser". Danach haben die Toten ihre Ruhe wieder. Und die Bauarbeiten können weitergehen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen